Campingplatz Prahljust: Pächter können Verkauf zum Platzen bringen
Auf dem Campingplatz Prahljust sind die Abrissfirmen unterwegs, um den Menschen beim Räumen zu helfen. Foto: Knoke
Der Verkauf des Campingplatzes Prahljust an die Überland-Gruppe ist beschlossen. Doch das Vorkaufsrecht der Pächterfamilie hält Projekt und Camper in der Schwebe.
Buntenbock. Die Entscheidung ist gefallen, aber dennoch ist die Zukunft des Campingplatzes Prahljust weiter offen. Bereits im Dezember hatte der Stadtrat beschlossen, die städtischen Flächen an die Überland-Camping-Gruppe aus Berlin zu verkaufen. Inzwischen ist der Kaufvertrag unterschrieben, wie Kämmerer Michael Strübig bestätigt. Eigentümer ist Überland damit aber noch nicht.
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Denn nun greift ein formales Verfahren: Der Vertrag wurde den bisherigen Pächtern, der Familie Landers, vorgelegt. Als Erbengemeinschaft besitzt sie ein Vorkaufsrecht und hat laut Strübig acht Wochen Zeit, darüber zu entscheiden. „Niemand soll um sein Recht gebracht werden“, betont der Kämmerer. Der gesamte Prozess werde notariell und anwaltlich begleitet.
Erben wollen Vertrag sorgfältig prüfen
„Ich habe tatsächlich in der Zwischenzeit den unterzeichneten Vertrag zwischen der Stadt und der Überland-Gruppe erhalten. Dies ist jedoch sehr kurzfristig geschehen“, sagt Karin Landers auf GZ-Nachfrage. Sie stehe mit ihren vier Geschwistern, die ebenfalls ein persönliches Vorkaufsrecht haben, im Austausch. Noch habe aber nicht jedes Mitglied der Erbengemeinschaft den Vertrag vollständig sichten und bewerten können. „Wir würden den Campingplatz, den unsere Eltern aufgebaut haben, natürlich gerne erhalten“, so Landers. Entsprechend wolle man sorgfältig prüfen, ob das Vorkaufsrecht ausgeübt werden könne.
Dass es überhaupt so weit gekommen ist, hat eine Vorgeschichte. Vor einigen Monaten hatte das Ehepaar Landers selbst vor, die zehn Hektar großen Flächen zu erwerben. Weil die Bank den benötigten Kredit jedoch nicht bewilligte, wurde das Vorhaben aufgegeben. Damit war die Überland-Gruppe aus dem einstigen Interessenbekundungsverfahren überhaupt erst wieder im Rennen, ebenso wie zunächst die Ahoi-Bullis-Campervermietung aus Hamburg. Der Rat musste zwischen den beiden Interessenten entscheiden.

Viele Camper schätzen an Prahljust vor allem die idyllische Lage am Pixhaier Teich. Foto: Knoke
Ausschlaggebend waren letztlich die Konditionen. Die Überland-Gruppe bot mit rund 1,86 Millionen Euro den höheren Kaufpreis, legte einen überarbeiteten Vertragsentwurf sowie eine Finanzierungsbestätigung vor und kündigte Investitionen von etwa 5 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren an. Ahoi lag mit 1,6 Millionen Euro darunter und plante Investitionen von rund 1 Million Euro innerhalb von drei Jahren. Ein weiterer wesentlicher Unterschied betraf die Räumungsfrist: Während Ahoi auf eine solche verzichtete und den Platz spätestens zum 1. April 2026 gemeinsam mit den verbliebenen Dauercampern übernommen hätte, bestand Überland auf einer Räumung bis Ende März.
Camper müssen ihr Zuhause abreißen
Für viele Camper ist genau das bis heute ein Unding. In der Vergangenheit habe es Zusagen gegeben, dass niemand vom Platz gedrängt werde. Nun erleben sie etwas anderes: Menschen, die teils seit Jahrzehnten in Prahljust verwurzelt sind, müssen gehen. Einige haben dort ihren Erstwohnsitz und besitzen außer einem Wohnwagen oder einer Hütte kein Eigentum. Auch die bisherige Pächterin bedauert diese Entwicklung ausdrücklich. Aufgrund der Entwicklungen hatten die Landers Sonderkündigungen mit einer Räumungsaufforderung zum 31. Dezember 2025 an alle Gäste verschickt.
Bei einem Vor-Ort-Termin der GZ vor rund einem Monat zeigte sich bereits, wie sehr sich der Platz verändert hat. Zahlreiche Parzellen waren geräumt, die sonst so ruhige Atmosphäre wurde von Abrissbaggern und Räumungsunternehmen bestimmt. Wie viele Camper aktuell noch vor Ort sind, lässt sich kaum beziffern. „Die Zahl ändert sich täglich“, sagt Karin Landers. Es handle sich aber um eine kleine bis mittlere zweistellige Zahl.
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Nach ihren Angaben bemüht sie sich nach Kräften, die Vorgaben der Räumungsfrist umzusetzen. „Allerdings hatten wir auch ältere Camper, Menschen mit Vorerkrankungen und Gäste, die sehr auf ihr Geld achten müssen. Diese sind teilweise auf Hilfe und Unterstützung angewiesen“, erklärt sie. Deshalb seien noch nicht alle Stellplätze geräumt. „Wir suchen nach Lösungen und bleiben mit den Kunden im Gespräch“, betont sie und sagt gleichzeitig, dass sie den Druck aufgrund ihrer abgelaufenen Räumungsfrist erhöhen müsse. Laut Landers möchten die langjährigen Camper aber mittlerweile den Platz auch verlassen. Bei dem GZ-Besuch zeigte sich noch ein anderes Bild: Manche Camper wollten unter keinen Umständen gehen und hofften auf ein mögliches Schlupfloch. Einige sind daher von den städtischen Flächen auf jene umgezogen, die der Familie Landers gehören.
Offene Briefe an die Politik und die Pächter
Die Interessengemeinschaft „Freunde Prahljust“ hatte sich bereits mehrfach mit offenen Briefen an die Politik gewandt. Zuletzt richtete sich ein Schreiben auch direkt an die Familie Landers. Darin forderten die Camper, die vier Hektar großen privaten Flächen keinesfalls an die Überland-Gruppe zu verkaufen. Zu den Plänen der Betreiber gab es bislang keine öffentlichen Aussagen.
Nun stellt Karin Landers klar: „Ob und unter welchen Voraussetzungen private Flächen an die Überland-Gruppe veräußert werden, ist derzeit nicht entschieden.“ Man habe sich zwar in Verhandlungen befunden, sei dann aber durch den Stadtratsbeschluss mit umfassenden Räumungsaktivitäten konfrontiert worden, die die eigenen Kapazitäten stark binden würden. Die Situation sei auch für die Familie belastend. Fest steht allerdings: Ein Campingplatzbetrieb allein auf dem städtischen Areal ist aktuell durch die vorhandene Infrastruktur auf den Landers-Flächen nicht möglich.
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