Was Bad Harzburgs Seilbahn mit einem Hexenbesen zu tun hat
Die Gondeln der Burgbergseilbahn stehen aktuell still. Eine von zwei jährlichen Wartungswochen steht an. Foto: Exner
Noch bis Ende der Woche steht die Bad Harzburger Burgbergseilbahn still. Die GZ erklärt, was dort passiert und was das mit einem Hexenbesen zu tun hat.
Bad Harzburg. Die Burgberg-Seilbahn ist eines der Wahrzeichen Bad Harzburgs. Seit 1929 pendelt sie zwischen dem Kurpark und dem Gipfel hin und her. Nur wenn Wartungen anstehen, steht sie still. Das ist seit Anfang der Woche wieder der Fall. Diesmal nehmen sich die Verantwortlichen das Tragseil und die sogenannten Gusskegel vor. Die GZ erklärt, wieso diese elementar wichtig sind und was sie mit einem Hexenbesen zu tun haben.
Zu so einer Seilbahn gehört ein Stahlseil, an dem die Gondel hängt. Klar. Es gibt aber auch noch ein weiteres, das sogenannte Zugseil, das dafür sorgt, dass sich die Gondel, wie der Name schon sagt, nach oben und unten bewegt. Zwischen Zugseil und Gondel befindet sich eine Kupplung. Und genau um die wird sich während der aktuellen Wartung gekümmert.
Was genau wird eigentlich gemacht?
Verantwortlich ist dafür neben dem Team der Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsbetriebe (KTW) um Betriebsleiter Oliver Busch auch Seiler Peter Weiß aus Rosenheim. Der hat schon Erfahrungen mit Seilbahnen im Harz, war in der Vergangenheit beispielsweise auch schon in Braunlage oder in Thale im Einsatz.
Bevor die Fachleute starten konnten, musste das Zugseil erst einmal abgespannt werden. Auf diesem ist nämlich ordentlich Druck drauf, das kann man sich in etwa vorstellen wie bei einem gespannten Gummiband. Als nächstes wurde die Kupplung ausgebaut, auseinandergenommen und gereinigt. Anschließend prüfte der TÜV die Einzelteile.
Betriebsleiter Oliver Buch zeigt die auseinandergebaute Kupplung, in die der Gusskegel eingesetzt wird. Foto: Exner
Zu jener Kupplung gehören auch sogenannte Gusskegel. Sie hängen an beiden Seiten oberhalb des Gondeldachs, einer in Richtung Berg, der andere in Richtung Tal. Durch die Bewegung der Seilbahn verschleißen diese im Laufe der Zeit, erklärt Betriebsleiter Busch. Auch das Zugseil selbst hänge mit der Zeit durch. Während der Wartung würden deshalb zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Das Seil wird ein kleines Stück gekürzt und die Gusskegel werden erneuert.
Wartung ist nicht gleich Wartung
Dafür fächerte Fachmann Peter Weiß das Zugseil zunächst auf. Dieses besteht aus sechs sogenannter Litzen. Jede Litze setzt sich wiederum aus sieben Drähten zusammen. Der mittlere Draht ist immer ein klein wenig dicker als die anderen. Mit etwas Fantasie sehen die 42 Drähte auseinandergezogen aus wie ein Hexenbesen. Sie wurden entfettet, gereinigt und schließlich wurden aus beziehungsweise mit ihnen neue Gusskegel geformt, die anschließend wieder eingebaut wurden.
Das alles dauert insgesamt drei Tage, die übrige Zeit würden kleinere Wartungsarbeiten durchgeführt, berichtet Oliver Busch. Beispielsweise bekomme die eine oder andere Stelle einen frischen Anstrich verpasst.
Seiler Peter Weiß zieht die Enden des Zugseils auseinander und fächert sie anschließend auf. Im Vordergrund zu sehen die alten Gusskegel. Foto: Exner
Geprüft wird die Bad Harzburger Seilbahn regelmäßig. Zweimal im Jahr steht eine Wartung an, im Frühjahr wie im Herbst. Die nächste ist für den Zeitraum 16. bis 20. März angesetzt. Jedes Mal kümmern sich die Verantwortlichen um unterschiedliche Bereiche und Teile der Anlage. Im Frühjahr wurde die Zeit beispielsweise genutzt, um die Tragfähigkeit der Bahn zu testen, indem diese mit 1,5 Tonnen Pflastersteinen beladen wurde. Alle paar Jahre stehen auch mal solch umfangreiche Arbeiten an, dass die Anlage für mehrere Wochen geschlossen werden muss. Das war beispielsweise im Jahr 2023 der Fall, als unter anderem Fahrwerk, Antriebsmotor, Bremsen und Steuerung der Bahn erneuert wurden (die GZ berichtete).
Neue Seile zum Jubiläum?
Ähnliche Dimensionen wird auch der Tausch der Seile haben, der in absehbarer Zukunft geplant ist, sagt Busch. Zum 100. Geburtstag der Seilbahn in vier Jahren könnte das womöglich schon passiert sein. Aufgrund des besagten Durchhängens der Seile verringert sich im Laufe der Jahre nämlich auch deren Querschnitt, was irgendwann einen Austausch nötig werden lässt.Anlage fünf Tage lang geschlossen
Belastungstest für die Bad Harzburger Burgbergseilbahn
Kommenden Samstag, 22. November, soll Bad Harzburgs „Alte Dame“ wieder in Betrieb gehen, kündigt Betriebsleiter Busch an. Dann fährt sie in der Zeit zwischen 10 und 17 Uhr hinauf auf den Burgberg und wieder zurück.
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