Schwärmende Insekten: Oberharzer Bienenberater gibt Tipps
Sebastian Kuhn ist Imker und Bienen-, Hornissen, sowie Wespenberater für den Oberharz und umliegende Städte. Foto: Raksch
Was ist zu tun, wenn sich schwärmende Insekten im Garten niederlassen? Der ehrenamtliche Bienen-, Wespen- und Hornissenberater aus Clausthal-Zellerfeld Sebastian Kuhn gibt Tipps zum richtigen Verhalten.
Oberharz. Wenn sich im Garten plötzlich tausende Bienen niederlassen oder ein Hornissennest am Haus auftaucht, ist Sebastian Kuhn zur Stelle. Der Clausthal-Zellerfelder ist sowohl Imker als auch ehrenamtlicher Wespen-, Hornissen- und Bienenberater und steht Betroffenen im Oberharz, sowie in Seesen, Langelsheim, Goslar, Bad Harzburg, und Osterode zur Seite. Er gibt Tipps, beruhigt, klärt auf oder greift selbst ein, wenn es nötig ist. Im GZ-Gespräch erklärt der 40-Jährige, wie man sich in der laufenden Schwarmzeit verhalten sollte.
Seit kurzem ist für Kuhn Hochsaison. Denn die Bienen befinden sich mitten in der Schwarmzeit. In sogenannten Weiselzellen haben die Insekten neue Königinnen herangezogen und einige von ihnen verlassen nun zur Gründung eines neuen Staates mit einem großen Gefolge den Stock. Das kann zwar beängstigend wirken, ist aber im Normalfall harmlos. Die Tiere seien dann voll bepackt mit Honig und Materialien für den Bau und hätten dabei kaum Augen für den Menschen, sagt Kuhn. Anders sei das Verhalten bei Wespen und Hornissen, die bei Bedrohung aggressiver reagieren können. In dem Fall rät er, einen Abstand von mindestens drei Metern einzuhalten.
Plötzlich Imker
„Ich wollte schon lange Bienen haben“, erklärt Kuhn. Der Einstieg in die Imkerei kam dann allerdings sehr plötzlich und flog ihm buchstäblich zu. In seinen Hagebutten hätten sich Bienen niedergelassen, und dann wurde er eben Hobby-Imker. Heute betreut er vier Bienenvölker an den Ferienwohnungen seiner Familie in der Straße An den Eschenbacher Teichen.
Aber es blieb nicht bei der Imkerei. In Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde bildete er sich zum ehrenamtlichen Berater weiter. Seitdem unterstützt er die Leute, wenn sich Bienen, Wespen oder Hornissen an ungünstigen Orten ansiedeln.
Aber wie fängt man nun tausende herumschwirrende Insekten? Vor einem Einsatz prüfe Kuhn mit den Betroffenen genau, wie hoch der Schwarm sitze, ob er jemanden störe und wie lange er bereits vor Ort sei. Ein ausgeflogener Bienenschwarm bleibe oft nur ein bis zwei Stunden an einer Position, und suche danach weiter, erklärt er.

Ungefähr sechs Kilogramm Bienen setzen sich in einem Baum fest. Foto: Raksch
Schwindelerregende Höhen

Sebastian Kuhn klettert mit einer Leiter hoch hinaus, um das schwärmende Bienenvolk einzufangen. Foto: Raksch
Einen anderen schwierigen Fall habe er jüngst in Buntenbock erlebt. Dort hätten sich die Insekten in einem Schornstein eingenistet. Der Schornsteinfeger habe daraufhin seinen Dienst verweigert. Die Bewohner selbst hätten sich um das Nest übrigens nicht kümmern dürfen. Sowohl Wildbienen als auch Wespen und Hornissen stehen unter Naturschutz. Da kam dann Kuhn ins Spiel. Für ihn hieß es dann, mit dem Schornstein auf Tuchfühlung zu gehen.
Einer seiner Einsätze im vergangenen Sommer hatte auch in den Medien für Aufmerksamkeit gesorgt. Im Ferienpark am Waldseebad in Clausthal-Zellerfeld hatten Urlauber einen Bienenschwarm mit Nest gefunden (die GZ berichtete). Die Bienen stammten wohl aus der Gegend und waren der Königin zu einem neuen Standort gefolgt. Zahlreiche Badegäste beobachteten den Imker damals dabei, die Tiere einzufangen.
Im Ferienpark am Waldseebad summen im vergangenen Sommer tausende von Bienen rund um einen großen Baum. Am Ast bildet der Bienenschwarm eine dicke Traube. Foto: Weiss/Archiv

Leerstehende Hornissennester können andere Artgenossen fernhalten. Foto: Raksch
Invasive Hornissenart
Ein Sonderfall sei die Asiatischen Hornisse, die sich seit 2004 immer weiter in Europa ausbreitet und laut Angaben des Naturschutzbunds (Nabu) stark invasiv ist. Sie sei meldepflichtig und müsse auch beseitigt werden, führt Kuhn aus. Anhand ihres dunkleren Körpers und der gelben Füße lasse sie sich von der rotbraun und gelben Europäischen Hornisse unterscheiden und anders als die heimischen Hornissen baue sie ihre Nester hoch in den Bäumen. Zudem sind ihre Staaten mit bis zu 2000 Tieren laut Nabu viel größer als die der heimischen Hornisse mit bis zu 700 Individuen. Bisher habe Kuhn im Harz jedoch nur einen einzigen Verdachtsfall auf Asiatische Hornissen erlebt. Aber es sei Wachsamkeit geboten.

Die Asiatische Hornisse breitet sich in Europa aus. Foto: dpa/Heimken
Aufklärung auf Tiktok
Wer im Zusammenhang mit Bienen, Wespen oder Hornissen einen Rat oder Hilfe sucht, kann sich bei Sebastian Kuhn unter der Telefonnummer 0160/4569101 melden. Weitere ehrenamtliche Insektenexperten sind auch auf der Webseite des Landkreises zu finden (siehe Kasten).
Zudem bietet Kuhn auch etwa interessierten Kindern seiner Gäste an, einmal selbst in einen kleinen Imkeranzug zu schlüpfen und seine Arbeit aus der Nähe sehen. Jüngst brachte er seine Bienen ebenfalls einer Suchttherapiegruppe näher, und auch online leistet er Aufklärungsarbeit. Einblicke in seine Tätigkeit gibt Kuhn auf Tiktok: Unter dem Namen „derkuhninator“ lädt er dort unter anderem Aufklärungs- und Einsatzvideos hoch. Aktuell folgen ihm mehr als 10.000 Leute.
Ehrenamtliche Berater im Landkreis Goslar
Sebastian Kuhn für den gesamten Oberharz, Bad Harzburg, Langelsheim, Seesen, Goslar; Telefonnummer 0160/4569101.
Anke Kätzel für den Bereich der Stadt Bad Harzburg und Umgebung; Telefonnummer: 0152/24436753.
Frank Christoph für den Bereich der Gemeinde Liebenburg; Telefonnummer 0176/47379154.
Daniel Knackstedt für den Bereich der Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld; Telefonnummer 0160/6757161.
Hauke Timmermann für den Bereich der Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld und Umgebung; Telefonnummer 0151/40144536.
Ulrich Rosenthal für den Bereich der Stadt Goslar; Telefonnummer (05321) 1755.
Imkerverein Goslar E-Mail: info@imkerverein-goslar.de.
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