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Staatsanwalt beeinflusst Ermittlungen

GZ Plus IconMafia hat einen Maulwurf: Müssen Urteile aufgehoben werden?

Der Staatsanwalt aus Hannover soll schon bei früheren Verfahren seine Finger im Spiel gehabt haben, um Angeklagten zu helfen. Das Urteil von einem seiner letzten Fälle hat der Bundesgerichtshof teilweise aufgehoben.

Der Staatsanwalt aus Hannover soll schon bei früheren Verfahren seine Finger im Spiel gehabt haben, um Angeklagten zu helfen. Das Urteil von einem seiner letzten Fälle hat der Bundesgerichtshof teilweise aufgehoben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der Staatsanwalt Yashar G. sitzt in U-Haft wegen des Verdachts, Ermittlungsergebnisse an mögliche Verdächtige weitergegeben zu haben. Die Strafe eines Othfreseners wurde deshalb schon teilweise aufgehoben. Werden andere Urteile folgen?

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Von Ronja Heinemann
Dienstag, 14.01.2025, 18:00 Uhr

Othfresen. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Leipzig hat erst vor wenigen Wochen ein Urteil in dem 16-Tonnen-Kokain-Verfahren teilweise aufgehoben, an dem der mutmaßlich korrupte Staatsanwalt Yashar G. aus Hannover beteiligt war. Nun kristallisiert sich heraus, dass der Anwalt schon in früheren Verfahren seine Finger im Spiel hatte.

Noch sitzt Yashar G. in U-Haft und streitet alle Vorwürfe ab. Laut NDR-Berichten habe in Hannovers Justizkreisen schon länger ein Gerücht darüber kursiert, dass ein Staatsanwalt Kriminelle warnen würde und über Ermittlungsverfahren auf dem Laufenden hält. Mandanten hätten ihren Rechtsanwälten gesagt, ihnen würde nichts passieren, weil sie geschützt werden würden, heißt es.

Mehrmals verdächtig gemacht

Die Verhaftung von Yashar G. geschah nach einer Abfolge von Ereignissen, nachdem 16 Tonnen Kokain im Hamburger Hafen eingeführt worden – der bis dato größte Drogenfund der deutschen Geschichte. Verdächtige in diesem Fall wurden zum Großteil nicht mehr angetroffen, da sie vorher ins Ausland fliehen konnten. Der Staatsanwalt aus Hannover hatte sie mutmaßlich vorher gewarnt.

Nach seiner Verhaftung hatte der Othfresener Spediteur, der das Kokain weitertransportieren sollte, der Justiz verraten, dass jemand aus den eigenen Reihen ein Maulwurf ist. Schon vorher hatte die Staatsanwaltschaft laut eigener Aussage einen Verdacht gegen den Staatsanwalt gehegt. Vor einigen Monaten kam es dann zur Verhaftung von Yashar G.

Zunächst wurde G. nicht von dem Kokain-Fall abgezogen, obwohl der erste Verdacht gegen ihn schon 2022 bestand. Ein Anfangsverdacht bestand und ein formelles Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet. Ein Jahr später stellte die Staatsanwaltschaft Hannover die Ermittlungen ein, aber die Ermittler behielten ihn weiter im Blick. „Über Kryptodienste verschlüsselte Chatverläufe, die durch andere Indizien bestätigt wurden, führten sodann erneut zu einem Tatverdacht gegen den betreffenden Staatsanwalt, sodass das Verfahren gegen ihn im Juni 2024 wieder aufgenommen wurde“, heißt es von Pressesprecherin Verena Brinkmann.

Urteil zurückgezogen

Der angeklagte Othfresener Jonas H. hat, nachdem der Staatsanwalt in U-Haft gekommen war, Revision gegen sein Urteil zu zwölf Jahren Haft von 2023 eingelegt. In Bezug auf das Strafmaß hat der BGH das Urteil aufgehoben. Die Länge der Strafe und auch die Geldstrafe müssen neu verhandelt werden.

Falls nun noch mehr Fälle bekannt werden sollten, bei denen Yashar G. seine Finger im Spiel hatte, werden diese eventuell auch nachverhandelt werden müssen. Zu einer Anklage soll es bald kommen. Konkret wird gegen G. wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, der Strafvereitelung im Amt und des Geheimnisverrats ermittelt.

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