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Nach seinem Goslarer CDU-Austritt

GZ Plus IconPer „WhatsApp“ verraten: Axel Bender tut sich mit der AfD zusammen

Mann mit grauem Hemd sitzt an einem Tisch in einem Raum mit mehreren Personen im Hintergrund

Allein am Tisch: Der frühere Christdemokrat Axel Bender sitzt schon seit September als Fraktionsloser weiter hinten im Rat. Foto: Sowa (Archiv)

Der frühere Parteichef und Ex-Landratskandidat will als Parteiloser bei der AfD mitmischen. Seinen Entschluss teilt er aus Versehen über „WhatsApp“ mit.

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Von Frank Heine
Montag, 16.03.2026, 16:00 Uhr

Goslar. „Hallo Dirk und Olli, ich weiß zwar nicht wie hoch die Guthaben in den Fraktionskassen sind, habe aber eine Idee. Wie sieht es mit einem gedruckten Flyer aus, wo die AfD für Bewerber für Kommunalwahl wirbt. Hier müssen auch die guten Chancen der AfD für die nächste Kommunalwahl am 13.9.26 angesprochen werden. Wir sollten so einen Flyer entwickeln, damit wir die Listen in allen Kommunen und für den Kreistag so voll bekommen, damit wir sie auch voll besetzen können. Was haltet ihr von dieser Idee. Auch wenn nicht ausreichend Guthaben vorhanden sind, ist das möglich zu realisieren. Und wenn es erst einmal von uns ausgelegt wird und die einzelnen Fraktionen in den Kommunen es dann zurückzahlen.“

Plötzlich im „WhatsApp“-Status aufgeploppt

Als diese und folgende Zeilen am frühen Donnerstagabend bei mehreren Goslarer Christdemokraten per „WhatsApp“-Status eintrudelten, trauten sie ihren Augen nicht. Die Nachricht kam schließlich vom Goslarer Ratsherren und Kreistagsabgeordneten Axel Bender, der bis Ende Februar noch CDU-Mitglied war. Dirk und Olli, die angesprochenen Adressaten, sind demnach Dirk Straten und Oliver Hachmeister, mit denen Bender offenkundig schon den nächsten Kommunalwahlkampf plant.
Mann mit blauem Hemd sitzt an einem Schreibtisch mit Computer, Tastatur, Maus und mehreren Papierstapeln in einem Büro

Neue Pläne: AfD-Fraktionschef Dirk Straten kündigt einen Antrag an, im Goslarer Rat künftig zusammen mit Axel Bender als Gruppe zu agieren. Foto: Heine (Archiv)

Und nicht nur das. AfD-Ratsfraktionschef Straten kündigte am Montagmorgen an, zusammen mit Bender auf der Rathausdiele künftig eine gemeinsame Gruppe zu bilden. Der Antrag ans Ratsbüro sollte noch am selben Tag rausgehen. In der Vorwoche habe es am Dienstag ein Treffen mit Bender gegeben. Seitdem stehe die Zusammenarbeit fest. Einen Aufnahmeantrag in die AfD habe Bender nicht gestellt. Ob der wohl auch als Landrat kandidieren wolle? „Das glaube ich nicht, weiß es aber auch nicht“, gab Straten offenherzig Auskunft.

Als Parteiloser weiter Politik gestalten

Bender selbst wies eine solche Absicht wenige Minuten später am Telefon weit von sich: „Wer erzählt denn so was?“ Jetzt keiner mehr, weil Bender im gleichen Atemzug bekräftigte, auch weiterhin als Parteiloser, aber zusammen mit der AfD Politik machen zu wollen. „Ich will mich weiterhin politisch engagieren und politisch mitgestalten“, sagte Bender, „leider ist mir das anders nicht mehr möglich.“ Und warum teilt er ausgerechnet seinen alten Weggefährten seinen neuen Kurs brühwarm über Social Media mit? Dies sei ein Versehen gewesen, räumt Bender ein – verfluchte Technik sozusagen. Insofern hatte ein früherer Parteifreund nicht ganz unrecht mit der Frage zum Post: „Mit der Maus abgerutscht?“

„Passt nicht zu Axel Bender“

Wie auch immer: CDU-Kreisvorsitzender Ralph Bogisch zeigte sich am Montag nicht wirklich überrascht, dass Bender jetzt zusammen mit der AfD Politik machen will – obwohl er bis zuletzt erklärt habe, wie wichtig ihm die Christdemokraten und die Union seien. Zurückhaltung? Kürzer treten? „Das passt nicht zu Axel Bender“, sagt Bogisch als gebranntes Kind. Beim Kreisparteitag 2024 war Bender in Altenau in einem Überraschungscoup ohne vorherige Ankündigung als Bogischs Gegenkandidat angetreten. Die Art des Vorgehens war vielen sauer aufgestoßen. „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“, kontert Bender und hat offenkundig im Kopf, wie er den Goslarer Parteivorsitz am 17. Mai 2022 in einer denkwürdigen mehr als dreistündigen Versammlung im „Lindenhof“ an Mario Hoffmeister abgab.

Verzicht nach einem Telefonat

Bender, seit 2017 Parteichef, verzichtete damals letztlich auf eine erneute Kandidatur, nachdem er in einer fünfminütigen Pause telefonisch mit seiner Frau beratschlagt, aber wohl auch Mehrheitsverhältnisse im Saal (an-)erkannt hatte.

An diesem Abend waren auch sehr unterschiedliche Versionen zu seiner Landratskandidatur 2021 zu hören gewesen. War er der gefragte Retter in der Not, der der Partei aus einer personellen Klemme half? Oder hatte er sich schon vorher massiv selbst angedient? Wie auch immer: Im September 2021 schaffte es Bender gegen Wahlsieger Dr. Alexander Saipa (SPD) nicht einmal in die Stichwahl.

Austritt aus den Fraktionen und der Partei

Zuletzt war Bender in Ungnade gefallen, weil er im August des Vorjahres auf seiner Facebook-Seite AfD-Beiträge geteilt hatte, die Ressentiments gegen Ausländer schürten. Die Reaktion der CDU, der der frühere Hahnenkleer Hotelier und jetzt Goslarer Pensionär seit 30 Jahren angehört hatte, blieb nicht aus. Bender verließ die Fraktionen im Rat und Kreistag, noch ehe der Kreisvorstand im Herbst 2025 einen einstimmigen Beschluss fasste, ihn aus der Partei zu werfen. Bender rief das Kreisparteigericht an. Bevor diese Institution zu einer Entscheidung kam, einigten sich Bogisch und Bender gütlich. Bender trat aus freien Stücken aus. Als Bogisch dieses Ergebnis Anfang März auf GZ-Anfrage bestätigte, zeigte er sich erleichtert über die Einigung, sie sei „für alle am besten“. Er habe ein gutes und faires Gespräch mit Bender geführt. Bogisch sagt: „Ich rechne ihm das hoch an, dass wir zielführend zu einem Ergebnis gekommen sind.“

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