Instrumentenbauer aus dem Harz erhält den Bayerischen Staatspreis
Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt (l.) übergibt den Staatspreis an den Clausthaler Bassgitarrenhersteller Gerald Marleaux. Foto: Heddergott/StMWi
Ein Bass aus Clausthal-Zellerfeld sorgt bundesweit für Aufmerksamkeit: Gerald Marleaux erhält für sein innovatives Modell Spock den Bayerischen Staatspreis.
Clausthal-Zellerfeld/München. Mit seinem neuen Instrument hat Bassgitarrenhersteller Gerald Marleaux aus Clausthal-Zellerfeld die Jury der Internationalen Handwerksmesse in München überzeugt. Der Spock-Bass erhielt den Bayerischen Staatspreis 2026, eine der renommiertesten Auszeichnungen für handwerkliche Innovation in Deutschland. Doch was genau macht diesen Bass so besonders?
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Auf den ersten Blick ist der Spock eine Bassgitarre wie viele andere: ein solider Korpus, Saiten, Hals und Elektronik. Wer sich jedoch näher damit beschäftigt, entdeckt die Mischung aus traditionellem Handwerk und wissenschaftlicher Forschung, die dieses Instrument auszeichnet. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Polymerwerkstoffe der TU Clausthal war es dem Instrumentenhersteller Marleaux erstmals gelungen, Naturfaser-Verbundwerkstoffe für den Bau zu verwenden.
„Paukenschlag in der Instrumentenbau-Szene“
Konkret werden bei den Spock-Bässen ausgesuchte Stofffasern zusammen mit Harz im Vakuum gepresst. Denn die neuartigen Instrumente sollen nicht nur ressourcenschonend in der Herstellung sein, sondern auch mit ihrem Klang, ihrer Leichtigkeit und einem hohen Maß an Individualität überzeugen. Marleaux-Kunden könnten sich die verwendeten Stoffe selbst aussuchen. Wenn also ein Bassist auf der Bühne das gleiche T-Shirt tragen wolle wie sein Instrument, dann könne der Oberharzer das in seiner Werkstatt in der Sägemüllerstraße möglich machen. Einen „Paukenschlag in der Instrumentenbau-Szene“, nennt Marleaux diese Technik. Auch die Jury der Messe lobte die gelungene Verbindung von traditioneller Handwerkskunst, innovativem Design und technischer Forschung. Seit 1952 wird der Bayerische Staatspreis anlässlich der Internationalen Handwerksmesse verliehen.

Dr. Thomas Schirmer vom Institut für Endlagerforschung entlockt dem ultraleichten Bass beim TU-Geburtstag im vorigen Jahr eindrucksvolle Klänge. Foto: Neuendorf/Archiv
Für Gerald Marleaux kam die Auszeichnung überraschend, wie er gegenüber der GZ betont. Er musste sich zwar mit seinem Unternehmen darauf bewerben, um sich am Stand des Bundeswirtschaftsministeriums präsentieren zu dürfen. Aber dass er tatsächlich den Preis, der mit 5000 Euro dotiert ist, gewinnen würde, war eine große Ehre für ihn: „Das bestätigt unseren Anspruch, hochwertige Instrumente zu bauen und gleichzeitig neue Wege im Instrumentenbau zu gehen. Die Zusammenarbeit mit der TU Clausthal hat dabei entscheidende Impulse geliefert.“
Prominente Politiker bewundern Oberharzer Bass
Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass der Spock-Bass eine Auszeichnung erhält: Bereits 2025 gewann Marleaux zusammen mit der TU Clausthal den Technologietransferpreis der Industrie- und Handelskammer. Weil im vorigen Jahr auch der 35. Firmengeburtstag des Bassgitarrenherstellers anstand, gab es gleich doppelten Grund zum Feiern. Mit 20 Jahren wagte Gerald Marleaux schon den Schritt in die Selbstständigkeit und verkauft seitdem Unikate der Premiumklasse, die speziell auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind.
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Besonders interessant war für Marleaux die Atmosphäre auf der Messe in München: Anders als erwartet lag der Schwerpunkt nicht auf großen Maschinen oder Werkzeugen, sondern auf wirtschaftlicher Innovationskraft. Neben ihm am Stand des Bundesministeriums stellten sich weitere Unternehmen aus ganz Deutschland vor. Sogar prominente Politiker wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schauten kurz bei den Instrumenten aus dem Oberharz vorbei. Leider hatten sie nicht die Zeit, damit Marleaux mit den beiden ins Gespräch kommen konnte.
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Zunächst gab es laut dem Instrumentenbauer sogar Überlegungen des Bundeskanzleramts, den Spock-Bass prominent auf der Bühne zu präsentieren. Gerald Marleaux sollte dabei gemeinsam mit dem Bundeskanzler auftreten und sein Instrument persönlich vorstellen. Die Idee: Der Kanzler sollte innerhalb weniger Minuten „Another One Bites the Dust“ von Queen lernen und live anspielen. Auch wenn es letztlich nicht dazu kam, ist der Clausthal-Zellerfelder stolz, überhaupt für einen solchen Auftritt in Betracht gezogen zu werden.
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