Zähl Pixel
Die HSB informiert

GZ Plus IconBraunlages Bahnanschluss: Land überrascht mit Förderantrag

Ein Zug fährt durch eine verschneite Winterlandschaft und kreuzt einen Weg.

Die Harzer Schmalspurbahnen gehen bei der Umsetzung des Bahnanschlusses Braunlages von zwei Überführungen über die B27 und die Große Wurmbergstraße sowie fünf Bahnübergängen aus, hieß es bei der Info-Veranstaltung. Foto: Bein

Die Teilnehmer der Info-Veranstaltung in Braunlage haben sich klar für den Bahnanschluss ausgesprochen. Unterdessen überrascht Hannover mit Fördermittelantrag beim Bund.

author
Von Michael Eggers
Donnerstag, 29.01.2026, 18:00 Uhr

Braunlage. Die Stimmung war schon euphorisch am Mittwochabend, als die Ein-Harz-Gesellschaft über Braunlages Bahnanschluss informieren wollte. Immer wieder gab es in der Gaststätte „Tenne“ in Braunlage Applaus von den mehr als 70 Besucherinnen und Besuchern, und es schien, als sei der Anschluss zum Greifen nah. Thomas Balcerowski, Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Harzer Schmalspurbahnen (HSB), sagte gar, dass in dreieinhalb Jahren der Baustart sein könne, „wenn alles gut geht“.

Ein Mann spricht vor einer Fernsehkamera in zwei Mikrofone.

Bürgermeister Wolfgang Langer erklärt vor laufender Fernsehkamera, warum der Bahnanschluss für Braunlage so wichtig ist. Foto: Eggers

Sowohl Dr. Oliver Junk als Aufsichtsratschef der Ein-Harz-Gesellschaft und Geschäftsführer Frank Uhlenhaut, der als Moderator fungierte, hatten sich ebenso wie Thomas Balcerowski und Bürgermeister Wolfgang Langer ein klares Bekenntnis zum Bahnanschluss gewünscht, und das sei bei dem Info-Abend schon zustande gekommen, war sich die Runde hinterher einig. Unter den mehr als 70 Besucherinnen und Besuchern waren viele Bürgermeister und Tourismusvertreter aus der Region, Hoteliers und weitere Gastgeber sowie Banker.
Ein Mann steht vor einer Leinwand und erklärt etwas.

Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Balcerowski fordert ein klares Bekenntnis vom Landkreis Goslar und dem Land Niedersachsen zum Bahnansschluss Braunlages. Foto: Eggers

Allerdings forderte der HSB-Aufsichtsratschef auch klare Bekenntnisse aus der Politik. Er wünsche sich entsprechende politische Signale vom Landkreis Goslar und dem Land Niedersachsen, betonte Balcerowski. Und Junk stieß ins gleiche Horn. Er wollte zudem wissen, warum kein Vertreter des Landkreises Goslar bei der Info-Veranstaltung war und wie die Behörde zu dem Bahnanschluss steht.
Das Foto zeigt einen Mann, der seine Worte mit seiner Hand unterstreicht.

Frank Uhlenhaut, der Geschäftsführer der Ein-Harz-Gesellschaft, moderiert in die Info-Veranstaltung. Foto: Eggers

Ein weiteres Zeichen

Braunlage Bürgermeister sagte, dass sich der Kreis für einen Bahnanschluss ausgesprochen habe und er nicht wisse, warum der Goslarer Landrat Dr. Alexander Saipa nicht gekommen sei. Weiter unterstrich Langer nach der Veranstaltung zusammen mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Albert Baumann, dass der Rat der Stadt Braunlage in seiner nächsten Sitzung erneut einen Grundsatzbeschluss für den Bahnanschluss fassen wolle. Diesen hatte der Braunlager Rat bereits im Juli 2022 einstimmig bei einer Enthaltung gefasst, aber es solle noch ein weiteres Zeichen gesetzt werden.

Das Foto zeigt eine Frau vor einer Leinwand, die etwas erklärt.

Geschäftsführerin Katrin Müller will die Harzer Schmalspurbahnen modernisieren. Foto: Eggers

Für eine positive Überraschung hatte das Land Niedersachsen laut Balcerowski gesorgt. Es habe den Bahnanschluss zur Fortschreibung im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) für die Jahre 2025 bis 2029 beim Bund angemeldet, ein Punkt, über den die GZ bereits berichtet hatte. Laut dem Aufsichtsratsvorsitzenden sei durch diese Anmeldung aber eine finanzielle Förderung des Bundes von bis zu 90 Prozent möglich. Das heißt, die HSB zahle bei Investitionen von 42 Millionen Euro im günstigsten Fall nur einen Eigenanteil von 4,2 Millionen Euro für den Anschluss.
Das Foto zeigt viele Menschen, die an Tischen sitzen.

Mehr als 70 Besucherinnen und Besucher kommen zur Info-Veranstaltung über den geplanten Bahn-Anschluss Braunlages. Foto: Eggers

Dr. Oliver Junk bat darum, die Investitionssumme von 42 Millionen Euro in Relationen zu setzen. „Ein neues Feuerwehrhaus für eine kleine Gemeinde kostet schon fünf Millionen Euro und eine Sporthalle für einen Landkreis 100 Millionen Euro“, sagt er. Die Betriebskosten müssten unter die Lupe genommen werden.
Das Foto zeigt ein Modell mit einer Bahnlinie.

So soll der Bahnhof im Bereich des Großparkplatzes in Braunlage aussehen, berichtet Geschäftsführerin Katrin Müller in ihrem Vortrag, im unteren Bildrand links das große weiße Gebäude ist übrigens die Talstation der Seilbahn. Foto: Eggers

Und die seien finanzierbar, erkärte HSB-Geschäftsführerin Katrin Müller. Sie hatte zu Beginn der Info-Veranstaltung die Machbarkeitsstudie ausführlich vorgestellt. In dem Papier gehen die Gutachter von bis zu 260.000 Fahrgästen und 4,4 Millionen Euro Einnahmen jährlich auf der dann neuen Strecke zwischen Braunlage und Elend aus. In dem Papier wird von einer Umsetzung des Bahnanschlusses von 96 Monaten, also acht Jahren ausgegangen.
Eine Frau steht vor einem Computer und blickt auf mehr als 70 Besucher.

Geschäftsführerin Katrin Müller stellt die Machbarkeitsstudie in der Tenne vor mehr als 70 Besucherinnen und Besuchern vor. Foto: Eggers

Hannover lädt ein

Insgesamt plant die HSB künftig mit 14 Triebwagen und sechs Dampfloks unterwegs zu sein. Dabei sollen viele Strecken elektrifiziert werden, um im öffentlichen Personennahverkehr auch gegenüber dem Bus konkurrenzfähig zu sein. Wenn die HSB beispielsweise auf der Selketalstrecke von Harzgerode nach Quedlinburg schneller als der Bus sei, würden viele Fahrgäste umsteigen, erklärte Balcerowski.

Und da werde geplant, auch auf dem Braunlager Anschluss die schnelleren und leichteren Elektro-Triebwagen zu nutzen. Mit dem jetzigen Fuhrpark wäre der Zug von Braunlage nach Wernigerode 60 bis 70 Minuten unterwegs, ein moderner Triebwagen könnte es in 45 Minuten schaffen. Zum Vergleich, der Linienbus benötigt derzeit 54 Minuten. Der Regionalverband jedenfalls engagiert sich für den Bahnanschluss Braunlages, wie Pressesprecherin Gisela Noske gestern auf GZ-Anfrage mitteilte. Sie bestätigte zudem, dass Niedersachsen die Mittel nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz beim Bund für den Bahnanschluss angemeldet habe. Und Bürgermeister Wolfgang Langer betonte, dass Landtagsabgeordnete durchaus gerne zu der Info-Veranstaltung nach Braunlage gekommen wären, weil aber in Hannover wichtige Plenarsitzungen anstanden, habe keiner kommen können. Weiter berichtete Braunlage Verwaltungschef, dass Ende Februar gemeinsam mit dem Land Niedersachsen über die Finanzierung und die Umsetzung des Bahnanschlusses gesprochen werden soll. Hannover lade dazu ein, derzeit laufe die Terminabstimmung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region