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Ratssitzung wird zur Quizshow

GZ Plus IconNeues Logo: Bad Harzburgs Bürgermeister teilt gegen Kritiker aus

„Raten Sie doch mal, was das für ein Logo ist“ - Bürgermeister Ralf Abrahms macht die Ratssitzung zum Quiz. 

„Raten Sie doch mal, was das für ein Logo ist“ – Bürgermeister Ralf Abrahms macht die Ratssitzung zum Quiz. Foto: Exner

12.000 Euro hat Bad Harzburgs neues Logo gekostet. Bürgermeister Ralf Abrahms hat jetzt Kritik zurückgewiesen, die Hintergründe erklärt – und gegen die GZ ausgeteilt.

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Von Christoph Exner
Donnerstag, 05.03.2026, 16:00 Uhr

Bad Harzburg. Ende Januar hat die Stadt Bad Harzburg ihr neues Logo präsentiert, 12.000 Euro hat es gekostet. In der Öffentlichkeit gab es dafür wie berichtet viel Kritik. Während der Ratssitzung hat Bürgermeister Ralf Abrahms diese jetzt zurückgewiesen und das Logo vehement verteidigt. Dabei teilte er auch gegen die Goslarsche Zeitung aus.

Es war das erste Mal, das Bad Harzburgs Stadtoberhaupt sich überhaupt öffentlich zu dem Logo äußerte. Von den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses sei er darum gebeten worden, hatte er eingangs erklärt. Nicht etwa Erster Stadtrat Andreas Simon habe ihn bestellt. Der hatte das Logo in seiner Funktion als ranghöchster Verwaltungsbeamter nach Abrahms zwar der Öffentlichkeit präsentiert, dessen Einführung nach eigenen Angaben aber nicht alleinverantwortlich in der Hand gehabt. Es habe sich vielmehr um ein Projekt der städtischen Wirtschaftsförderung gehandelt, die ihrerseits freie Hand habe. Auch Abrahms betonte, selbst mit dem Projekt nichts zu tun gehabt zu haben.

Kosten

Trotzdem zeigte sich der Bürgermeister nun „angefasst“. Noch nie habe ihm in den 24 Jahren seiner Amtszeit zuvor jemand im Rat Steuerverschwendung vorgeworfen. Auch in der Berichterstattung der GZ sei von Steuerverschwendung die Rede gewesen. Zur Einordnung: Im ersten Bericht zum Logo war lediglich erklärt worden, dass dieses aus Steuergeldern finanziert wird. Im zweiten wurden Stimmen aus Internet und Rat gesammelt, in denen auch der Vorwurf der „Steuerverschwendung“ auftauchte. „Den Schuh möchte ich mir nicht anziehen“, betonte Abrahms. In den vergangenen Jahren habe man als Stadt nicht nur schon oft gute Geschäfte gemacht, sondern auch Geld eingespart. Beispiel: Dienstwagen. Der Bürgermeister verzichtet darauf. Er nimmt stets sein Privatauto, auch, wenn er dienstlich unterwegs ist. Abrahms rechnete vor: Angenommen, er sei in seiner bisherigen Dienstzeit insgesamt 60.000 Kilometer gefahren, sehr wahrscheinlich waren es sogar noch mehr, dann käme er auf 12.000 Euro Fahrtkostenerstattung, auf die er verzichtet habe. „Exakt so viel, wie das neue Logo gekostet hat“, so der Bürgermeister. Abgesehen davon sei das Bad Harzburger Logo vergleichsweise günstig gewesen.

Optik

Und das Aussehen? Manch einer sieht im neuen Logo Bad Harzburgs Ähnlichkeiten zu dem der Stadt Goslar. Andere können mit dem Symbol allein überhaupt nichts anfangen. Das sei aber ganz normal, sagte Abrahms. Deshalb gehöre zu den meisten Logos, so auch zu dem der Kurstadt, schließlich ein Schriftzug dazu. Via Power-Point-Präsentation zeigte der Bürgermeister Beispiele für andere Logos, die dem neuen der Kurstadt ähnlich sind, aber „deutlich teurer waren“. Das der Stadt Vechta beispielsweise, oder das von Halberstadt. Abrahms machte ein Ratespiel daraus, zeigte die Logos zunächst ohne und erst danach mit Schriftzug.
Das neue Logo der Stadt Bad Harzburg mit dazugehörigem Schriftzug.

Das neue Logo der Stadt Bad Harzburg mit dazugehörigem Schriftzug. Foto: (Grafik) design office

Die GZ habe sich bei der Berichterstattung zum neuen Logo „einen schlanken Fuß“ gemacht, den Vergleich mit anderen Logos komplett ausgelassen und aus seiner Sicht deshalb nicht umfassend genug recherchiert. Eine weitere Spitze verteilte Abrahms dann zum Ende der Sitzung, als er der Zeitung eine mit dem neuen Logo bedruckte Tüte überreichte. Darin befanden sich eine kleine Flasche Sekt sowie Naschereien aus Bad Harzburg. Die Tüte selbst allerdings wurde nicht von der heimischen Wirtschaft produziert – sie stammt aus den Niederlanden. Ungeachtet der Kritik werde das neue Logo ab sofort verwendet, kommentierte Abrahms trotzig. Die Presse dürfe immer kritisieren, aber nur selten traue sich jemand, mal die Presse zu kritisieren. Der Bürgermeister hatte dies nun getan.

Kommunikation

Und Bad Harzburgs Politiker? Die spendeten der Präsentation des Bürgermeisters zwar ein anerkennendes Tischklopfen, so richtig begeistert sind sie dem Vernehmen nach jedoch bis heute nicht von der Logo-Debatte. Schließlich war der Stadtrat bei der Entwicklung des Logos komplett außen vor gelassen worden. Mehr noch: Bad Harzburgs Politiker erfuhren im Grunde erst kurz vor der Veröffentlichung, dass das Logo überhaupt geändert werden soll. Auch der Zeitpunkt der Präsentation, so kurz vor den Kommunalwahlen im Herbst, wird nach GZ-Informationen von so manchem Ratsmitglied kritisch gesehen. Der Bürgermeister ging auf diesen Aspekt nur beiläufig ein: „Mag sein, dass Sie vorher nicht gut informiert wurden. Aber das kann ich jetzt nicht mehr ändern“, sagte er in Richtung der Ratsmitglieder. Dass solche Logo-Änderungen in kleinem Kreis passieren, sei übrigens nichts Ungewöhnliches. Der Niedersächsische Städtetag beispielsweise, dessen Mitglied Abrahms ist, bekomme in Kürze auch ein neues Logo. Die Umsetzung solle dabei vom geschäftsführenden Präsidium übernommen werden, das seien maximal fünf Leute.

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