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Künstler Axel Laslo

GZ Plus IconVom Polizisten zum Maler: Harzer zeigt, dass Träume wahr werden

Dieses Bild nach der Bob-Ross-Technik hat der Künstler Axel Laslo in weniger als elf Minuten gemalt. 

Dieses Bild nach der Bob-Ross-Technik hat der Künstler Axel Laslo in weniger als elf Minuten gemalt. Foto: Knoke

Axel Laslo tauschte seine Polizeiuniform gegen Pinsel und Farbe. Durch seine Selbstständigkeit im Atelier entdeckte er eine Freiheit, die sein Leben komplett veränderte.

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Von Corinna Knoke
Donnerstag, 19.03.2026, 19:45 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Axel Laslo (38) sehnte sich nach Freiheit und ließ alles hinter sich: seine feste Arbeit als Polizist, das sichere Einkommen und den geregelten Alltag. Stattdessen eröffnete er sein Atelier in Clausthal-Zellerfeld und wagte den Sprung in die Selbstständigkeit. Heute, gut sechs Jahre später, bereut er diese Entscheidung keine Sekunde. Mit dem Wissen von heute hätte er diesen Schritt wohl sogar schon früher gemacht.

Ende 2019 ließ sich Laslo als Bob-Ross-Maler zertifizieren. Bob Ross, der aus den USA stammt, wurde in den 1980ern mit seiner speziellen Nass-in-Nass-Technik weltberühmt und präsentierte sie in seiner Fernsehsendung „The Joy of Painting“ (Die Freude am Malen). In mehr als 400 Folgen brachte er Menschen seine Landschaftsbilder näher und zeigte, dass jeder zum Künstler werden kann. Inzwischen hat Laslo sich aber weiterentwickelt. Er übernahm Techniken weiterer Künstler wie von Gary Jenkins und erschuf eine eigene Malweise. Seine Motive reichen längst über Landschaften hinaus: Auch Tiere und Blumen gehören zu seinem Repertoire. Vor einigen Wochen traute er sich auch erstmals ans Zeichnen von Menschen.

Während Axel Laslo früher ausschließlich Landschaften gemalt hat, sind mittlerweile Blumen, Tiere und sogar Menschen hinzugekommen. 

Während Axel Laslo früher ausschließlich Landschaften gemalt hat, sind mittlerweile Blumen, Tiere und sogar Menschen hinzugekommen. Foto: Knoke

Schlechte Kunstnoten in der Schule

„Dass sich das alles so entwickelt, war nie geplant“, erzählt Laslo. „Es war reine Neugier, einfach mal etwas anderes zu malen.“ Trotz seiner Experimente bleibt er der Bob-Ross-Technik treu. Er weiß noch, wie er als junger Axel nachts vor dem Fernseher saß und heimlich den digitalen Malkurs des US-Amerikaners schaute. Damals hätte niemand gedacht, dass aus dem Kind, dem die Kunst in der Schule kaum zugetraut wurde, einmal ein Lehrer für Bob-Ross-Malerei werden würde. „Kunst hat damals meinen Notendurchschnitt ganz schön heruntergezogen“, erinnert sich Laslo. Seine frühere Kunstlehrerin habe ihm gesagt, dass an ihm gewiss kein Künstler verloren gegangen sei. Als er vor einigen Jahren sein Atelier in der Goslarschen Straße eröffnete und mit seinen Bildern sogar im Fernsehen zu sehen war, konnte Laslo die Pädagogin vom Gegenteil überzeugen. „Kunst ist ein Handwerk, das kann jeder lernen. Ich bin das beste Beispiel dafür“, lautet daher sein Motto.

In seinem Atelier vermittelt er Kursteilnehmern nicht nur Maltechniken, sondern auch die Bob-Ross-Philosophie: „Es gibt keine Fehler, nur glückliche Zufälle.“ Einmal nahm einer von Laslos Schülern sein noch leicht nasses Bild mit nach Hause und sein Tier legte sich darauf. Der gebürtige Sachse lacht: „Auch das konnten wir retten.“ Ihm gefällt, dass die Kursteilnehmer am Ende des Tages mit einem individuellen Werk das Atelier verlassen, selbst wenn alle dasselbe Motiv malen. Laslo ermutigt seine Schüler, sich kreativ auszuleben und eigene Wege zu gehen, statt nur eins zu eins die Vorlage abzumalen. Er gibt eine 100-Prozent-Gelinggarantie.

Bild in elf Minuten: Schneller als das Vorbild

Seit sich der 38-Jährige der Malerei verschrieben hat, hat er bestimmt 1000 Bilder geschaffen. Das schätzt Laslo zumindest, gezählt hat er sie nicht. Bei sich zu Hause hängen allerdings keine seiner Bilder. Die schönsten will er im Atelier präsentieren, damit möglichst viele Menschen sie sehen können. Der Künstler erzählt, dass die Dauer eines Werks stets variiert. Für sein neuestes Porträt einer Frau im Wasser benötigte er eine ganze Woche. Kürzlich kreierte er jedoch ein Landschaftsbild nach der Bob-Ross-Technik in weniger als elf Minuten und forderte sich selbst heraus: Er wollte schneller als sein Vorbild sein. Mehr als 100.000 Menschen verfolgten auf Laslos Youtube-Kanal, wie er die Farben mit dem Pinsel schichtete, tupfte und mit einem Spachtel Dimensionen kreierte. Er hatte sogar noch Zeit für kleine Details. Am Ende sahen Berg, Wald und See aus wie auf einer kanadischen Postkarte, was auch die Kommentatoren des Videos lobten.

Malen ist für Laslo mehr als ein Hobby, wie er sagt. Nicht ohne Grund spricht er von „Seelenbalsam“. Er hat das Gefühl, dass Körper und Geist gleichermaßen trainiert werden. Denn er kann kreativ sein und sieht am Ende, was seine Hände erschaffen haben. Auch wenn es ungewöhnlich klingt, hört der 38-Jährige beim Malen Heavy-Metal-Musik. So kann er abtauchen und völlig zur Ruhe kommen.

Die zweite Leidenschaft des Künstlers

Musik ist übrigens Laslos zweite Leidenschaft, obwohl die Malerei bei ihm immer an erster Stelle steht. Vor anderthalb Jahren hat er angefangen, sich das Schlagzeugspielen beizubringen. Zunächst hatte er Sorge, dass es ihm nicht gelingen könnte, schließlich war er in der Schule auch im Fach Musik nie gut. Heute geht er aber darin völlig auf, entwickelt sich stetig weiter und träumt davon, einmal in einer Band zu spielen.

Im Atelier in der Goslarschen Straße stehen kleine Staffeleien, an denen sich die Kursteilnehmer von Axel Laslo austoben können. 

Im Atelier in der Goslarschen Straße stehen kleine Staffeleien, an denen sich die Kursteilnehmer von Axel Laslo austoben können. Foto: Knoke

„Mir hat in der Schule oft das Gefühl gefehlt, dass man alles schaffen kann, was man will. Ich will das weitergeben.“ Aus diesem Grund nimmt er seine Kursteilnehmer an die Hand, zeigt Schritt für Schritt, wie ein Bild entsteht, auch wenn sie vermeintlich nicht malen können. So möchte Axel Laslo beweisen, dass kein Ziel unerreichbar ist, wenn man bereit ist, dafür zu arbeiten.

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