Zähl Pixel
Bau- und Landmaschinenmechatroniker

GZ Plus IconVom Hobby zum Beruf: Beuchter schließt Ausbildung als Bester ab

Person in Arbeitskleidung schraubt an einem grünen Fendt-Traktor in einer Werkstatt

Er macht sein Hobby zum Beruf: Peer-Ole Demmler schraubt leidenschaftlich gerne an Traktoren herum. Foto: Heinemann

Ölverschmierte Hände, große Maschinen und viel Technik: Peer-Ole Demmler schraubt schon seit seiner Kindheit an Landmaschinen. Das macht den Beruf für ihn so schön.

author
Von Ronja Heinemann
Montag, 09.03.2026, 19:45 Uhr

Schladen/Beuchte. Mit ölverschmierten Händen steigt Peer-Ole Demmler vom Fendt-Traktor, wäscht sie sich und macht sich bereit für das GZ-Interview. Der 22-jährige Hornburger, der inzwischen in Beuchte lebt, hat sein Hobby direkt nach dem Abitur zum Beruf gemacht. Seine Gesellenprüfung schloss er als Jahrgangsbester im Kreis Wolfenbüttel ab. Was ihm an seiner Arbeit als Bau- und Landmaschinenmechatroniker so viel Spaß macht und warum sie aus weit mehr als nur ölverschmierten Händen besteht , erzählt er mit spürbarer Leidenschaft.

„Mache ich eine Ausbildung oder gehe ich studieren, wie viele andere aus meiner Klasse?“ Diese Frage stellte sich Demmler nach seinem Abitur vor knapp dreieinhalb Jahren. Doch ihm wurde schnell klar: „Ich wollte das machen, was mir gefällt und studieren kann ich ja immer noch.“ Ob ein Studium wirklich sein Ding ist, weiß der 22-Jährige noch nicht. An großen Maschinen zu schrauben hingegen macht ihm Spaß – und das kann er auch. „So stehe ich jetzt im Arbeitsleben, konnte schon viele Erfahrungen sammeln. Und falls ich doch einmal studieren sollte und merke, dass das nichts für mich ist, kann ich immer wieder in meinen Beruf zurückgehen“, erzählt Demmler.

In die Wiege gelegt

Ganz so einfach sei der Beruf allerdings nicht. Viele Dinge kenne er aber schon von klein auf. „Mein Hobby wurde mir in die Wiege gelegt“, sagt der Wahl-Beuchter. Sein Großvater hat vor 64 Jahren die gleiche Ausbildung gemacht wie er. Sein Vater sammelt außerdem Traktor-Oldtimer, vor allem Lanz Bulldogs. An Traktoren zu schrauben, tut Demmler schon, seit er denken kann. Und als er schließlich den Führerschein hatte, ließ auch die erste Fahrt nicht lange auf sich warten.

Seine Kindheit habe ihn also bestens auf den Beruf vorbereitet. Und nicht nur das: Demmler wurde sogar Jahrgangsbester. Seine Abschlussnote lag bei 2, in der dreitägigen Prüfung erreichte er 90 Prozent, zur Eins fehlte nicht mehr viel.

„Ich habe das vorher nicht gewusst“, erinnert sich Demmler an seine Freisprechung. „Das war schon ein schöner Moment.“ Auch sein Meister Henning Reinecke findet: „Darauf kannst du schon stolz sein.“ Zwar habe er vorher keine Bestätigung gehabt, doch eine gewisse Ahnung schon, gibt Demmler zu: „Man ist dreieinhalb Jahre mit den anderen Jungs in einer Klasse gewesen und kennt auch seine eigenen Leistungen. Ich konnte mir schon vorstellen, dass ich vielleicht die beste Note habe.“

Leicht sei die Prüfung trotzdem nicht gewesen. Am ersten Tag stand die Theorieprüfung an. Dort musste er unter anderem einen Arbeitsplan erstellen und die Funktionsweise verschiedener Bauteile erklären. In der zweitägigen praktischen Prüfung musste er beispielsweise eine Schaltwand aufbauen oder eine elektrische Fehlersuche durchführen. „Die Prüfung ist sehr umfangreich, und das alles ist nicht leicht“, fasst Demmler zusammen.

Erstes Jahr schulisch

Damit die Auszubildenden gut vorbereitet in die Betriebe gehen – in Demmlers Fall zur Agravis Technik in Schladen – beginnt die Ausbildung zum Bau- und Landmaschinenmechatroniker mit einem rein schulischen Jahr. Dort werden viele Grundlagen vermittelt. „Für all das hätten die Betriebe gar keine Zeit“, erklärt Meister Henning Reinecke. Dazu gehört etwa die Frage: Was ist eigentlich Strom? Oder wie liest man einen Schaltplan?

Einen typischen Arbeitstag gebe es bei ihm nicht, sagt Demmler. „Es gibt immer Abwechslung, und ich lerne viele Leute kennen.“ Seine Arbeit konzentriere sich vor allem auf Landmaschinen. Da aber jedes Fahrzeug und auch die Technik dahinter anders sei, bleibe der Beruf sehr vielseitig. „Das Ziel ist immer, dass am Ende wieder alles läuft“, sagt er.

Besonders viel Freude bereitet ihm der Moment, wenn er einem Landwirt in einer schwierigen Situation helfen kann. Manchmal bleiben Traktoren auf dem Feld stehen – dann muss Demmler schnell rausfahren. Auch Überstunden nimmt er dafür in Kauf. „Wenn ich sehe, dass ich dem Bauern helfen konnte, ist das für mich ein schöner Moment. Man weiß am Ende des Tages, was man geschafft hat, und kann stolz darauf sein“, sagt er.

Oft fühlt es sich für ihn gar nicht wie Arbeit an. „Manchmal ist es fast so, als würde ich mit Freunden herumschrauben“, erzählt der 22-Jährige lächelnd. Viele Menschen in der Region kenne er schon lange.

Das Vorurteil, der Beruf bestehe hauptsächlich aus Schrauben und ölverschmierten Händen, bezeichnet Demmler jedoch als Klischee. Vor allem durch Digitalisierung und moderne Technik habe sich der Beruf stark verändert. „Es gibt Tage, an denen ich mehr den Laptop als Werkzeug in der Hand habe“, sagt er. „Man ist nicht mehr der ‚dumme Schlosser‘ von früher. Wir müssen viel wissen. Es ist wirklich ein anspruchsvoller Beruf.“ Manchmal verbringe er einen ganzen Tag damit, einen Fehler in der Technik eines Fahrzeugs zu finden. Der technische Fortschritt mache den Job also nicht unbedingt leichter – eher müsse man immer mehr dazulernen.

Ausbildung im Wandel

Auch Meister Reinecke bestätigt, wie sehr sich die Ausbildung verändert hat. Seit seinen eigenen Anfängen habe sich der Beruf stark gewandelt. Das Aufgabenfeld habe sich deutlich in Richtung Elektronik verschoben. „Leichter oder einfacher ist es dadurch aber nicht geworden“, sagt der 56-Jährige. Ihm falle manche Arbeit heute sogar schwerer als früher. Junge Gesellen wie Demmler hätten es da leichter, weil sie mit der Technik aufgewachsen seien.

Um in diesem vielfältigen und anspruchsvollen Beruf voranzukommen, spiele auch der Betrieb eine große Rolle, sagt Demmler. „Vor allem die Gesellen“, ergänzt er. „Man muss Fragen stellen, damit sie einem helfen können.“ Auch Vertrauen sei wichtig. „Manche durften in den ersten Monaten noch nicht allein an eine Maschine gehen. Ich habe früh gezeigt, was ich kann, und deshalb wurde mir auch Verantwortung übertragen“, erzählt er.

Jetzt ist Demmler froh und stolz, seine Ausbildung so erfolgreich abgeschlossen zu haben. Sein Herzblut kann er nun nicht mehr nur in seiner Freizeit, sondern auch im Beruf ausleben. Für die Meisterschule hat er sich bereits für das kommende Jahr angemeldet. Dafür müsste er ein halbes Jahr nach Lüneburg gehen, wo sich die nächste Meisterschule befindet. Ob er diese Gelegenheit nutzt – oder vielleicht doch noch ein Studium beginnt –, lässt er sich allerdings noch offen.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region