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19. Jahrhundert

GZ Plus IconSpurensuche eines Brasilianers führt zu Oberharzer Bergleuten

Louis Buchmann, Sohn des ausgewanderten Bergmanns Carl Christian Friedrich Buchmann, lässt sich 1910 mit einigen seiner Kinder fotografieren. Er war der Ur-Großvater des Ahnenforschers.

Louis Buchmann, Sohn des ausgewanderten Bergmanns Carl Christian Friedrich Buchmann, lässt sich 1910 mit einigen seiner Kinder fotografieren. Er war der Ur-Großvater des Ahnenforschers. Foto: Privat

Der Brasilianer Daniel Buchmann stößt bei der Ahnenforschung auf Oberharzer Bergleute aus dem 19. Jahrhundert. Jetzt sucht er in Clausthal-Zellerfeld lebende Verwandte.

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Von Robin Raksch
Donnerstag, 22.01.2026, 19:45 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Eine kleine Stadt im Oberharz und ein weit entferntes Land in Südamerika: Der Brasilianer Daniel Buchmann erforscht bereits seit Jahrzehnten, wie diese beiden Orte durch seine Familie verbunden sind. Er stieß bei der Ahnenforschung auf Spuren, die bis zu Clausthal-Zellerfelder Bergmännern aus dem 19. Jahrhundert zurückführen. Nun will er noch lebende Verwandte im Oberharz finden oder Experten, die ihm bei der Suche nach seinen Wurzeln helfen können.

Daniel Buchmann hat eine Frau und zwei Kinder. Auf dem Bild machen Sie Urlaub in Florianópolis, der Hauptstadt ihres Bundesstaats Santa Catarina.

Daniel Buchmann hat eine Frau und zwei Kinder. Auf dem Bild machen Sie Urlaub in Florianópolis, der Hauptstadt ihres Bundesstaats Santa Catarina. Foto: Privat

Der 52-jährige Familienvater aus São Bento do Sul im Norden von Santa Catarina hatte zunächst in einer Oberharzer Facebook-Gruppe um Hilfe bei seiner Spurensuche gebeten. „Ich erforsche die Wurzeln der Familie Buchmann und die Verbindung zwischen Clausthal und Südbrasilien“, schrieb er dort und fragte nach Informationen über die in Clausthal verbliebenen Familienmitglieder. Später erklärt Buchmann im Austausch mit der GZ, er setze bereits seit 1994 die Forschung fort, die vor ihm ein Cousin seines Vaters begonnen habe.

Jahrelange Quellenrecherche

Bei seiner jahrelangen Recherche nutzte er unter anderem Plattformen wie die Online-Datenbank Family Search, Google und online verfügbare historische Archive in Deutschland. Durch Einwandererlisten, Aufzeichnungen der lutherischen Kirche im brasilianischen Joinville und Passagierlisten der Schiffe sei es letztlich möglich gewesen, den Namen Buchmann auf einen bestimmten Herkunftsort zurückzuführen: Und das war Clausthal. Überrascht sei er bei seiner Recherche auch auf mindestens zehn bis zwölf weitere ausgewanderte Familien gestoßen, die aus demselben Ort stammten. „Dies deutet darauf hin, dass es ab den 1850er Jahren eine intensive Medienstimulation in der Region gab“, die durch Kolonialbestrebungen aus Hamburg gefördert worden sein könnten, schätzt er.

In Kirchenbüchern fand der Familienforscher Hinweise zur Eheschließung seiner Vorfahren, des Bergmanns Johann Gottlob Buchmann, und seiner Frau Philippina Henrietta Bär 1813: Sie waren Schlüsselfiguren für die weitere Spurensuche. Zwischen 1813 und 1822 waren die beiden aus dem ehemaligen Dorf Crostewitz bei Leipzig nach Clausthal gekommen, um in den Bergwerken zu arbeiten. Nähere Details ihrer Arbeit sind Buchmann allerdings unbekannt.

Die Auswanderer der Familie

Fast alle ihrer sieben Kinder wurden zwischen 1822 und 1839 in Clausthal geboren. Zwei Söhne wanderten nach Brasilien aus. Den Beginn machte der Erstgeborene Johann Heinrich Buchmann, ebenfalls ein Bergmann. „Ein Buch von 1861 über den fünfzigsten Jahrestag der Königlichen Bergschule Clausthal listet einen Schüler mit dem Nachnamen Buchmann aus dem Jahrgang 1841 auf, der sich in Brasilien befand“, so der Familienforscher. Angesichts des Alters habe es sich höchstwahrscheinlich um ihn gehandelt.

Der einzige historische Gegenstand aus der Zeit der Umsiedlung, den die Familie Buchmann noch heute besitzt, ist eine Taschenuhr von Louis Buchmann.

Der einzige historische Gegenstand aus der Zeit der Umsiedlung, den die Familie Buchmann noch heute besitzt, ist eine Taschenuhr von Louis Buchmann. Foto: Privat

1854 kam er laut dem Spurensucher mit der Hoffnung auf Land und ein besseres Leben für seine Familie mit seiner Frau und drei Kindern in Südbrasilien an. „Er war der Begründer des Buchmann-Zweigs von Guaratuba, sehr erfolgreich (fast ein Großgrundbesitzer) und einer der Gründer der Freimaurerloge Cruzeiro do Sul, einer der ersten im Bundesstaat Santa Catarina.“

Der vierte Sohn der beiden Clausthaler, der 1830 geborene Carl Christian Friedrich Buchmann, kam 1856 nach. „Mein direkter Vorfahre“, erklärt der Ahnenforscher. Er sei zuvor als Pocharbeiter tätig gewesen. Angekommen im brasilianischen Joinville habe er zwei Grundstücke erhalten und 1856 eine Schweizerin geheiratet. 1857 sei dort sein Urgroßvater Louis zur Welt gekommen. Von diesem stamme auch das einzige historische Stück, das die Familie aus dieser Zeit besitze: eine Taschenuhr. Zuletzt sei ebenfalls der damals mittlerweile verwitwete Johann Gottlob 1860 seinen Söhnen nach Brasilien gefolgt.

Kulturelle Spuren des Harzer Bergbaus

In Brasilien übten die drei in Clausthal geborenen Buchmanns keine Bergbautätigkeiten mehr aus. In der Region habe es schlichtweg keine Bergwerke gegeben, sagt Daniel Buchmann. Daher hätten sie auch Praktiken und Bräuche des Harzer Bergbaus weitgehend abgelegt. Sie wurden Landwirte und Schreiner.

Aber „der Erfolg der Familie beruhte auf ihrer Fähigkeit, sich an die neue Umgebung und neue Berufe anzupassen, und auf Fähigkeiten, die im Bergbau erworben wurden, wie Disziplin und Organisation“, räumt er ein.

600 Nachfahren in Brasilien

Heute sei die Familie Buchmann im ganzen Land verteilt. Insgesamt seien dort etwa 600 Nachfahren auf diese Auswandererfamilie aus Clausthal zurückführbar. „Wir veranstalten alle zwei Jahre ein Familienfest namens ‚Conbuca‘ (Nationaler Konvent der Buchmanns von Campo Alegre), das die Buchmanns aus Brasilien zusammenbringt“, erklärt Daniel Buchmann. Das Zusammentreffen finde nun seit mehr als 50 Jahren regelmäßig statt, das nächste Mal im Oktober oder November in der Stadt Curitiba (Paraná).

Wie alle zwei Jahre kommt die Familie Buchmann auch 2024 in der Stadt Canoinhas zur Familienfeier „Conbuca“ zusammen. Gern wollen sie dazu künftig auch Familienmitglieder aus Deutschland einladen.

Wie alle zwei Jahre kommt die Familie Buchmann auch 2024 in der Stadt Canoinhas zur Familienfeier „Conbuca“ zusammen. Gern wollen sie dazu künftig auch Familienmitglieder aus Deutschland einladen. Foto: Privat

Die Familie habe den großen Wunsch, irgendwann einmal auch die Verwandten in Deutschland kennenzulernen und einzuladen. Und womöglich könnten diese auch Näheres über die Familiengeschichte erzählen. Zudem habe er selbst seit den 90er Jahren den immensen Wunsch, einmal Clausthal-Zellerfeld zu besuchen. Auch sein Deutsch sei passabel. Leider kenne er noch niemanden in der Stadt. Doch er hoffe, das könne sich im Laufe seiner Recherchen ändern.

Die Buchmanns in Deutschland

Was weiß man über die Familie in Deutschland? Die Spur der fünf dort verbliebenen Kinder von Johann Gottlob Buchmann verläuft sich schnell: Zwei von ihnen starben bereits im Kleinkindalter oder bei der Geburt. Der drittgeborene Sohn, Johann Georg Carl Wilhelm Buchmann, heiratete 1865 Clara Luise Lehmann in Prüm, wo sie mindestens zwei Söhne hatten: Georg Wilhelm Ferdinand und Gustav Carl Robert Alexander. Daniel Buchmann habe bisher aber keinen Kontakt zu Nachkommen. Ganz im Gegenteil sogar: „Wir wissen nicht einmal, ob sie existieren.“

Nur ein einziger Johann-Gottlob-Sohn, der ebenfalls den Namen Louis trägt, wurde außerhalb von Clausthal geboren, und zwar in Hannover. Allerdings fehlen Details über seine eventuellen Nachfahren. Und auch über Nachkommen des letzten Kindes, der 1839 in Clausthal geborenen Johanne Friederike Elisabeth Buchmann, gibt es keine weiteren Details.

Kontaktsuche in Clausthal

„Ich möchte sehr gerne mehr Informationen erhalten und den Kontakt zu den Verwandten wiederherstellen, die in Deutschland geblieben sind und die wir noch nicht kennen“, fasst Daniel Buchmann zusammen. Alle, die ihm weiterhelfen können, bittet er, über die Webseite seiner Firma unter www.bcbuchmann.com.br oder über sein Linkedin-Profil „danielbuchmann“ Kontakt aufzunehmen.

Die gesamte Geschichte seiner Familie sowie Dokumente und alte Fotos dokumentiert er übrigens online unter https://familiabuchmann.blogspot.com/ in einem portugiesischsprachigen Blog.

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