200.000 demonstrieren in München für Freiheit im Iran
Bis zum Nachmittag zählte die Polizei bereits 200.000 Teilnehmer auf der Iran-Demo auf der Theresienwiese.. Foto: Felix Hörhager/dpa
Eine solche Demonstration hat es in München schon lange nicht mehr gegeben. Tausende verwandeln die Theresienwiese in ein Fahnenmeer und attackieren die politische Führung im fernen Iran.
München. Rund 200.000 Menschen haben nach Angaben der Polizei in München ihre Solidarität mit den Menschen im Iran gezeigt. Damit folgten doppelt so viele Menschen dem Aufruf zur Groß-Demonstration, wie der Verein The Munich Circle selbst erwartet hatte. Ursprünglich war von 100.000 Teilnehmern auf der Münchner Theresienwiese ausgegangen worden.
Friedman: Iranische Regierung missbraucht den Islam
Die Demonstranten unterstützen Reza Pahlavi, den Sohn des 1979 vertriebenen Schahs von Persien. Bis zum Nachmittag hatte er selbst jedoch noch keine Rede gehalten. Unter den Rednern war auch der Publizist Michel Friedman, der der iranischen Regierung vorwarf, „den Islam, den Koran zu missbrauchen“. Seit 47 Jahren würden im Iran im Namen Gottes Millionen Menschen unterdrückt.
Pahlavi weilte wegen der Münchner Sicherheitskonferenz in der bayerischen Landeshauptstadt. Dort sagte er vor Journalisten: „Heute stehen Tausende Menschen von München über Toronto bis Los Angeles im Rahmen meines Aufrufs zu einem globalen Aktionstag in Solidarität mit dem iranischen Volk. Sie senden eine klare Botschaft an die Führer der westlichen Demokratien, sich mit dem iranischen Volk zu solidarisieren.“
„Entscheidender Test für die globale Sicherheit“
Er sprach von einer „Stunde tiefer Gefahr“. Die Welt müsse sich entscheiden, ob sie sich mit dem iranischen Volk solidarisieren oder erneut von einer iranischen Führung beschwichtigen lasse, die über 40.000 ihrer eigenen Bürger massakriert habe. Wie viele Menschen bei der Niederschlagung der jüngsten Massenproteste im Iran ums Leben kamen, ist offiziell nicht bekannt. Aktivisten sprechen von mindestens 7.000 Opfern.
Pahlavi sagte, das Schicksal des Iran sei nicht nur eine iranische Angelegenheit. Es sei ein entscheidender Test für die globale Sicherheit in unserer Zeit. „Seit fast einem halben Jahrhundert agiert die Islamische Republik als revolutionäres Unternehmen, exportiert Instabilität durch Stellvertreter, untergräbt die Souveränität ihrer Nachbarn, schürt Konflikte in verschiedenen Regionen und treibt ihre nuklearen Ambitionen voran. Doch etwas Unumkehrbares hat sich verändert. Der Kampf in meinem Land ist heute kein Kampf zwischen Reform und Revolution.“ Es sei ein Kampf zwischen Besatzung und Befreiung.
Zahlreiche weitere Demos in München
Die Groß-Demo trägt den Titel „Menschenrechte und Freiheit für Iran. Internationale Solidarität mit dem iranischen Volk“. Der Zeitpunkt während der Münchner Sicherheitskonferenz sei für die Versammlung bewusst gewählt worden, teilten die Veranstalter mit. Da zu der Konferenz politische und sicherheitspolitische Entscheidungsträger aus aller Welt anreisten, hieß es als Begründung.
Für das Wochenende sind laut KVR mehr als 15 weitere Versammlungen in Zusammenhang mit der Sicherheitskonferenz angemeldet worden. Die Münchner Sicherheitskonferenz gilt als weltweit wichtigstes Expertentreffen zur Sicherheitspolitik. Nach Angaben der Konferenzleitung werden mehr als 60 Staats- und Regierungschefs sowie etwa 100 Außen- und Verteidigungsminister erwartet.