Zähl Pixel
Erfolgreiche Testphase

Göttinger Schule baut Gleitzeitmodell aus

Wann soll die Schule beginnen? Das können einige Schüler in Niedersachsen jetzt zum Teil selbst entscheiden. (Symbolbild)

Wann soll die Schule beginnen? Das können einige Schüler in Niedersachsen jetzt zum Teil selbst entscheiden. (Symbolbild) Foto: Annette Riedl/dpa

Nur wenige Schüler können den Start ihres Schultages selbst wählen. Seit dem vergangenen Jahr bietet eine Schule in Göttingen das als Modell an - und ist zufrieden. Nur in Rinteln geht das auch.

Von dpa 10.08.2026, 04:10 Uhr

Göttingen. Den Unterrichtsbeginn selbst festlegen - das können ab dem neuen Schuljahr noch mehr Schüler einer Göttinger Schule. Nach einem aus Sicht der Einrichtung erfolgreichem Test im vergangenen Jahr wird die Gleitzeitregelung vom 11. auf den 12. Jahrgang ausgeweitet, wie die berufsbildende Arnoldi-Schule mitteilte. Landesweit ist sie nach Angaben des Regionalen Landesamtes für Schule und Bildung nur eine von zwei Schulen, die so ein Modell anbietet.

„Die Jugendlichen melden zurück, dass sie die neuen Freiheiten schätzen. Sie fühlen sich motivierter, kommen lieber zur Schule und organisieren sich besser“, berichtete Lehrer Michael Mahl-Kipshagen. Er ist für das Projekt zuständig. Nach der Berufsbildenden Schule in Rinteln hat seine Schule als zweite in Niedersachsen das sogenannte Cool-flex-Modell eingeführt. Einige weitere Schulen haben noch ähnliche Modelle, etwa Betreuungsangebote am Morgen.

In Göttingen bedeutet „Cool-flex“, dass die ersten und teilweise letzten ein bis zwei Stunden im Stundenplan „Cool-Stunden“ sind. Welche dieser Stunden die Schülerinnen und Schüler besuchen, ist ihnen selbst überlassen - je nach Jahrgang und Fächerkombination ist der Besuch von vier bis sechs dieser Stunden aber Pflicht. Unter Aufsicht von Lehrkräften bearbeiten die Schüler in dieser Zeit Aufgaben in den Fächern Deutsch, Englisch oder Mathematik.

Gemeinsamer Unterricht 

Die Schule in Rinteln arbeitet im Großen und Ganzen bereits seit 2023 mit dem gleichen Modell. In Göttingen wurde „Cool-flex“ im vergangenen Schuljahr eingeführt - zunächst für den Jahrgang 11. Dieser behält das Modell nun auch im 12. Schuljahr; der neue Jahrgang 11 kommt hinzu. Um die Schulgemeinschaft zu stärken und voneinander zu lernen, besuchen die älteren und jüngeren Schüler dieselben Stunden.

Bei einer Befragung gaben den Angaben nach alle Schüler Fortschritte beim selbstorganisierten Lernen an. Mehr als 80 Prozent gaben an, mehr Motivation für die Teilnahme am Unterricht zu haben. Zudem lobten sie die hohe Ansprechbarkeit der Lehrkräfte. Die Lehrer wiederum hätten von einer überraschend ruhigen und konzentrierten Atmosphäre in den „Cool-Stunden“ berichtet.

Wissenschaft für späteren Schulstart

Bereits zum Start des Projektes vor einem Jahr hatte die Göttinger Schlafmedizinerin Elisabeth Yoshida-Stiksrud gesagt, dass wissenschaftlich bereits lange klar sei, dass ein späterer Schulbeginn hilfreich für ältere Schüler sei. Ihre Aktivität verlagere sich in der Pubertät in die Abendstunden, so dass am Morgen mehr Schlaf benötigt werde. 

Als Richtwerte für den Schulbeginn seien in der Wissenschaft bereits vor rund zehn Jahren 8.00 Uhr für die Grundschule, 9.00 Uhr für die Mittelstufe und 10.00 Uhr für die Oberstufe formuliert worden. Zudem sei ein gleichbleibender Schulbeginn wichtig. Das Kultusministerium macht dazu übrigens keine Vorgaben - in Niedersachsen ist lediglich festgelegt, dass der Unterricht nicht vor 7.30 Uhr beginnen darf.

Eltern: Flexibler Schulplan passt besser zum Alltag 

In Göttingen sind laut Lehrkraft Mahl-Kipshagen auch die Eltern zufrieden. Der Pädagoge berichtet von Rückmeldungen, bei denen Eltern bekräftigten, dass die Flexibilität besser zum Alltag ihrer Kinder passe. So hätten Schüler nun die Möglichkeit, vor der Schule Fahrstunden zu absolvieren oder nach der Schule pünktlich zum Vereinssport aufzubrechen. Auch längere Schulwege oder Nebenjobs seien nun besser mit dem Schulalltag vereinbar.

Probleme etwa bei der Abstimmung mit dem Schulbusverkehr oder Schülern, die das Angebot nutzten, um die Schule zu schwänzen, gebe es kaum. „Schwänzen ist durch die Pflicht zur Führung von Anwesenheitsjournalen nahezu ausgeschlossen“, sagte Mahl-Kipshagen. 

Tatsächlich biete „Cool-flex“ den Schülern auch die Möglichkeit, häufiger als nötig in die Schule zu kommen. Lehrkräfte könnten in den „Cool-Stunden“ als sogenannten bunte Stunden etwa Yoga-Kurse oder Fahrradreparatur-Kurse anbieten. Auch könnten die Stunden für Projekte, eine Schulredaktion oder Präventionsprogramme genutzt werden.

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!