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Krebsmedikament

Neue Therapie gegen tödliche Krebsform – Was bringt sie?

Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat eine Empfehlung ausgesprochen. (Archivbild)

Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat eine Empfehlung ausgesprochen. (Archivbild) Foto: Peter Dejong/AP/dpa

Ein neues Medikament verlängert laut einer Studie das Leben von Menschen mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs, verspricht aber keine Heilung. Nun ist die Zulassung in Europa ein Stück näher.

Von Christina Sticht, dpa 15.10.2026, 16:20 Uhr

Berlin. Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine gefürchtete Diagnose – er wird oft spät erkannt und dann sind die Überlebenschancen schlecht. Ein neues Medikament weckt Hoffnung für Menschen mit der Krankheit in einem fortgeschrittenen Stadium. Das Mittel Daraxonrasib verspricht keine Heilung, aber soll das Überleben im Vergleich zu einer Chemotherapie verlängern. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA empfiehlt nun die Zulassung in der EU für Erwachsene mit Pankreaskarzinom mit Metastasen, die schon mindestens eine vorherige Behandlung hatten. Die Behörde hat den Wirkstoff mit dem Handelsnamen „Rasonque“ in einem beschleunigten Verfahren geprüft. 

Worum geht es bei dem neuen Medikament? 

Daraxonrasib ist ein Wirkstoff gegen Tumore, bei denen ein bestimmtes Steuerprotein der Zelle dauerhaft aktiv ist. In einer Phase-III-Studie mit 500 Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs lebten Betroffene, die das Mittel erhielten, im Median laut EMA noch 12,4 Monate. In der Vergleichsgruppe mit Chemotherapie waren es 6,7 Monate. Alle Patienten hatten bereits einen ersten Durchgang Chemotherapie hinter sich. Mit dem neuen Medikament lebten sie 7,2 Monate ohne Verschlechterung, mit Chemotherapie 3,6 Monate.

„Das Medikament ist ein „Gamechanger“ im Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs, nicht nur für die jetzt zugelassene Indikation“, sagte der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), Thomas Seufferlein der dpa.

Wie häufig ist Bauchspeicheldrüsenkrebs in Deutschland? 

Er gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts. In Deutschland erkranken dem Krebsinformationsdienst und dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge jedes Jahr rund 20.000 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom). Damit ist die Zahl deutlich kleiner als bei Brust- oder Prostatakrebs, die Erkrankung ist aber besonders gefährlich.

Warum ist die Prognose so ungünstig? 

Bauchspeicheldrüsenkrebs verursacht lange keine oder nur unspezifische Beschwerden wie Gewichtsverlust oder Schmerzen im Oberbauch oder Rücken. Der Tumor wird deshalb oft spät entdeckt, häufig erst, wenn er bereits gestreut hat. Deshalb ist diese Krebsart für die meisten Erkrankten in kurzer Zeit tödlich. Nur etwa jeder Zehnte lebt fünf Jahre nach der Diagnose noch, so die Krebsregisterdaten des RKI. Die Erkrankung tritt meist im Alter von über 70 auf.

Welche Heilungschancen gibt es? 

Eine Heilung ist aktuell nur möglich, wenn der Tumor früh entdeckt und vollständig operativ entfernt werden kann. Das betrifft nur einen kleinen Teil der Betroffenen. Bei metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs ist die Behandlung palliativ. Ziel ist, die Überlebenszeit zu verlängern und die Lebensqualität zu erhalten. Schreitet die Erkrankung nach einer ersten Therapie fort, sind die Optionen bislang begrenzt. „Daraxonrasib eröffnet ein Fenster für neue Therapiemöglichkeiten in Kombination mit der Substanz“, sagte Matthias Ebert von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten der dpa. 

Wie wirkt Daraxonrasib? 

Daraxonrasib gehört zu einer neuen Klasse von Wirkstoffen, den sogenannten RAS(ON)-Inhibitoren. RAS ist ein sogenanntes Protoonkogen. Es enthält die Bauanleitung für ein Protein, das in Zellen Wachstums- und Teilungsprozesse anstößt. Normalerweise ist dieses Protein nur zeitweise aktiv und schaltet sich selbst wieder ab. Durch Mutationen bleibt es dauerhaft aktiv und begünstigt das Tumorwachstum. „Dann ist das so wie ein durchgetretenes Gaspedal. Dann ist der Signalweg die ganz Zeit aktiv“, erläutert Ebert. Bei rund 90 Prozent der Bauchspeicheldrüsenkrebs-Fälle liegen solche Mutationen vor.

Daraxonrasib hemmt das Zusammenspiel des RAS-Proteins mit nachgeschalteten Signalwegen. Ebert vergleicht dies mit einer Kugel, die hinter das Gaspedal gelegt wird, so dass es nicht mehr durchgetreten werden kann. Das neue Mittel wirkt – anders als bisherige Hemmer – nicht nur gegen eine bestimmte Mutation, sondern verschiedene RAS-Varianten. 

Welche Nebenwirkungen treten auf? 

Nebenwirkungen traten bei allen Patientinnen und Patienten auf, häufig sind Hautausschlag, Durchfall und Entzündungen der Mundschleimhaut. Schwere Nebenwirkungen traten mit 61,8 Prozent seltener auf als unter Chemotherapie mit 69,6 Prozent. Therapieabbrüche lagen nur bei 1,2 Prozent gegenüber 11,2 Prozent. Lebensbedrohliche Nebenwirkungen traten nicht auf. 

Wann wird das Medikament verfügbar sein? 

Seit Ende August ist das Medikament in den USA zugelassen, und zwar für Erwachsene mit metastasiertem Pankreasadenokarzinom, die bereits eine erste Chemotherapie hatten. Wann es in Deutschland erhältlich ist, ist noch unklar. Viele Patienten fragten schon danach, sagt Ebert, der an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg zu Tumorerkrankungen des Verdauungstrakts forscht. 

Wie schnell das Mittel tatsächlich in Deutschland zum Einsatz kommen kann, hängt nun von der EU ab. Die Europäische Kommission muss nach der Empfehlung der EMA die offizielle Marktzulassung erteilen.

Könnte das Mittel auch bei anderen Diagnosen helfen?

Laut Ebert haben auch manche Bronchialkarzinome sowie ungefähr die Hälfte aller Dickdarmkrebse die gleiche Mutation. Es laufen Studien zu dem Wirkstoff bei anderen Krebsarten, noch liegen keine Ergebnisse vor. 

Daraxonrasib ist nicht das erste zielgerichtete Krebsmedikament, das sogenannte Wachstumstreiber-Gene angreift. Ähnliche Medikamente funktionieren laut Ebert etwa schon bei bestimmten Lungentumoren.

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