Zukunftslabor: Der Startschuss für ein fröhliches Arbeiten
In Präsenz und am Bildschirm: Professor Dr. Andreas Rausch (2.v.r.) und der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Willeke (4.v.r.) gestalten den Kick-off fürs Zukunftslabor. Foto: Heine
Gesucht werden nachhaltige, digitale Lösungen für eine effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen. Auf dem Goslarer Energie-Campus legt das Zukunftslabor für Kreislaufwirtschaft unter der Leitung von Professor Dr. Andreas Rausch los.
Goslar. „Wir haben ein bisschen was zu feiern – nämlich anstehende Arbeit, und die machen wir mit Freude.“ Professor Dr. Andreas Rausch hat am Mittwoch um acht Uhr im Gotec-Tagungszentrum am Stollen den frühen Startschuss für das neue Zukunftslabor für Kreislaufwirtschaft gegeben. Oder den Kick-off fürs neue Zukunftslabor Circular Economy gestaltet, um es internationaler auszudrücken. Wie auch immer: Mit Fördergeld in Höhe von 3,7 Millionen Euro, die Niedersachsens Wissenschaftsministerium und die Volkswagen-Stiftung geben, widmet sich das Forschungslabor der Entwicklung nachhaltiger, digitaler Lösungen für eine effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen.
„Wir bedanken uns vorneweg bei unseren vielen Mitinitiatoren aus Universitäten, Forschung und Industrie“, erklärte Rausch, Sprecher des Zukunftslabors und Leiter des Instituts für Software & Systems Engineering sowie Vorstandsvorsitzender des Centers für Digital Technologies (Digit) an der TU Clausthal. Persönlichen Dank bekam Christoph Willeke ab. Der SPD-Landtagsabgeordnete aus Harlingerode hatte das Projekt früh begleitet und schon bei seiner ersten Tour für Rausch ein Apfelbäumchen mitgebracht. „Ich habe tatsächlich schon Äpfel gegessen“, sagte Rausch und hofft, mit dem neuen Labor jetzt andere fruchtbare Samen zu säen.
Leise „Ode an die Freude“
Willeke hatte anfangs am Flügel passend eine leise „Ode an die Freude“ gespielt, dem Projekt ein großes Potenzial zugesprochen sowie Nachhaltigkeit und Digitalisierung als „echte Hingucker“ und Chancen auf eine Zukunft in Wohlstand gekennzeichnet. Wobei Wohlstand nicht gleichzusetzen mit Reichtum sei, sondern eher einen besseren Zugriff auf Angebote und einen besseren Standard meine.
Was ist die Motivation für Kreislaufwirtschaft? Der wie viele andere Teilnehmer auch digital zugeschaltete VW-Sprecher Dr. Marko Gernuks vom Wolfsburger Open Hybrid Lab Factory kreiste die drei Punkte Klimawandel, strategische Wertstoffe und eine künftige (erwartete) Gesetzgebung ein. Die Kreislaufwirtschaft sei Bestandteil der Konzern-Nachhaltigkeitsstrategie. Bis 2024 will Volkswagen den Bedarf an primären Rohstoffen immer weiter reduzieren und 40 Prozent seiner Materialien aus dem Recycling gewinnen. „Wir brauchen Methoden, Tools und Projekte“, sagte Gernuks.
Was bleibt tatsächlich im System?
Eine Schwierigkeit im System kreiste Rausch ein. Wenn nur unter zehn Prozent der (Alt-)Autos tatsächlich im Kreislauf blieben, der Rest aber später ins Ausland zum Weiterfahren verkauft werde, sei dies eine Herausforderung. Sein persönliches Beispiel, warum und wie Dinge aus emotionalen, sentimentalen oder welchen Gründen auch immer dem System vorenthalten blieben, ist der Rausch`sche Hochzeitstoaster. Er funktioniere schon seit zehn Jahren nicht mehr richtig. Aber gibt man ihn deshalb weg? Bisher nicht, obwohl nach Hochladen eines Bildes und Nachforschen mit künstlicher Intelligenz ein Wert zwischen 60 bis 80 Euro für ein kaputtes Gerät herauskam. Fazit: „Wir müssen durch Digitalisierung die Circular Economy in die Mitte der Gesellschaft holen“, sagte Rausch, „es liegt an uns allen.“

Das Ja und Nein in den Kreisläufen: Ein Schaubild zeigt, wie und wo es beim Benutzen nachhaltig rundgeht. Foto: Heine
Das Zukunftslabor soll speziell die Möglichkeiten der Digitalisierung erforschen, um die Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Zu den Kernbereichen gehören die Verbesserung der Transparenz über die Nachhaltigkeit von Produkten und deren Nutzung, die Förderung von Sharing-, Wiederverwendungs- und Reparaturdienstleistungen sowie die Automatisierung und Informationsanalyse im gesamten Lebenszyklus von Produkten. „Durch die Digitalisierung entlang aller Kreisläufe als Innovationstreiber steigern wir nicht nur die Transparenz über Stoffströme und Komponentenzustände, sondern ermöglichen auch neue digitale Service- und Geschäftsmodelle, die eine nachhaltigere Produktnutzung fördern“, erklärte Rausch, der in der Nacht um zwei Uhr von einer Konferenz in Graz heimgekehrt war und am Donnerstag bereits wieder mit Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und Vertretern der Automobilwirtschaft diskutiert.
Drei große Teilkreisläufe
Im Projekt werden drei große Teilkreisläufe der Kreislaufwirtschaft erforscht: Der Nutzungs- und Produktkreislauf, der Produktdesign- und Komponentenkreislauf sowie der Recycling- und Stoffkreislauf. „Die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Forschung und Politik ist entscheidend für eine nachhaltige Zukunft“, kommentierte Tristan Niewisch, Geschäftsführer der Pdv-Software, einem der Praxispartner des Projekts. Er freue sich auf die gemeinsamen Projekte und Innovationen. Das Projektkonsortium wiederum freut sich über die rege Beteiligung der bereits aktiven Praxispartner und steht neuen Interessenten aus der Region, aus Niedersachsen und ganz Deutschland offen gegenüber.
Am interdisziplinären Konsortium beteiligen sich neben der TU Clausthal auch die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, das Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik, die Leibniz-Universität Hannover, das OFFIS-Institut für Informatik, die Ostfalia-Hochschule für angewandte Wissenschaften und die Technische Universität Braunschweig.
Die Partner mit Praxis
Beteiligte Praxispartner sind unter anderem Ceconsoft GmbH, Electrocycling GmbH, Glaub Automation & Engineering GmbH, Grean GmbH, Hellmann Process Management GmbH & Co. KG, „Henze das Rad“, das Mittelstand-Digital-Zentrum Bremen-Oldenburg, OHLF, die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer, Rewimet, Siemens AG, die Stadt Goslar, die Stiftung digitale Chancen, SWMS Consulting GmbH, Volkswagen AG, WasteAnt GmbH und die Zentegra gGmbH.