SPD bringt neues Winterangebot für Goslar ins Gespräch
Kann ein Wintermarkt ähnlich viele Besucher wie zum Weihnachtsmarkt nach Goslar locken? Die Skepsis bei Händlern, Gastronomen und Hoteliers ist groß. Foto: Epping
Nach dem erfolgreichen Weihnachtsmarkt prüft die SPD neue Impulse für den Winter. Ein mögliches Angebot ab Januar stößt in Handel und Gastronomie auf geteilte Meinungen.
Goslar. Ein voller Weihnachtsmarkt, zufriedene Besucher und neue Ideen für den Winter: Die SPD-Ratsfraktion regt an, in Goslar ein Winterangebot ab Januar zu prüfen. Der Vorschlag sorgt für Diskussionen – besonders bei Gastronomen, Hoteliers und Händlern.
Der Weihnachtsmarkt 2025 war erneut ein voller Erfolg – und könnte nach dem Willen der SPD-Ratsfraktion künftig der Auftakt für ein erweitertes Winterangebot sein. Mit einem Ratsantrag regen die SPD-Ratsmitglieder Martin Mahnkopf und Thorsten Röpke an, die Etablierung eines Goslarer Wintermarktes ab Januar zu prüfen.
Zunächst dankt die SPD allen Beteiligten für den guten Ablauf des Marktes. Besonderer Dank gilt der Goslarer-Marketing-Gesellschaft (GMG) für Organisation und Durchführung, der Stadt für das Sicherheitskonzept sowie der Polizei, die mit einer unaufgeregten Präsenz für Sicherheit gesorgt habe. Hohe Besucherzahlen, zufriedene Standbetreiber und positive Rückmeldungen belegten den Erfolg der Veranstaltung, die Besucher weit über die Region hinaus anziehe.Superlative mit viel Wetterglück
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Wunsch nach Programm im Januar
Gerade diese Strahlkraft habe viele Besucher zu einer Frage bewegt, berichten Mahnkopf und Röpke: „Bei vielen Gesprächen auf dem Weihnachtsmarkt wurden wir gefragt, ob der Markt denn auch im Januar noch geöffnet sei.“ Diese Nachfrage nahm die SPD zum Anlass, Gespräche mit Standbetreibern, Gastronomen und Gästen zu führen. Das Ergebnis sei eindeutig gewesen: Die Idee eines Winterangebotes ab Januar habe durchweg positive Resonanz erfahren. Ein solcher Wintermarkt soll bewusst losgelöst vom Weihnachtsmarkt konzipiert werden. Denkbar seien neue Elemente wie eine Eisfläche zum Schlittschuhlaufen und Eisstockschießen, die Einbindung karitativer Vereine sowie eine Lichtillumination. Ein Start Mitte Januar und zunächst verlängerten Wochenenden wird als Option genannt. Zudem könnten Standbetreiber und Vereine eingebunden werden. Aus Sicht der SPD bietet Goslars Lage Potenzial, auch in der Zeit von Januar bis Ostern zusätzliche Besucher in die Stadt zu ziehen. Im Rahmen des Masterplans Stadtillumination könne ein emotionales Lichtkonzept auf dem Marktplatz die Aufenthaltsqualität deutlich steigern.Handel kurz vor Weihnachten
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Machbarkeit, Konzeption, Finanzierung
Mit ihrem Ratsantrag schlagen Mahnkopf und Röpke vor, die Umsetzung federführend bei der GMG anzusiedeln. Diese solle einen Austausch mit Aufsichtsrat, Verwaltung, Politik, ausgewählten Standbetreibern, Vereinen sowie weiteren relevanten Akteuren organisieren. Ziel sei es, die Machbarkeit zu prüfen. „Wir wissen, welch ein zuverlässiges Schwergewicht die GMG in der Vermarktung der Stadt ist“, so Mahnkopf und Röpke und betonen, dass bei einer Finanzierung sich mehrere „Player“ beteiligen müssten.
Der Vorstoß der SPD, einen Wintermarkt ab Januar in Goslar zu prüfen, stößt in der Innenstadt auf ein geteiltes Echo. Während grundsätzlich begrüßt wird, dass neue Impulse für die Belebung der Innenstadt diskutiert werden, äußern Vertreter aus Gastronomie, Hotellerie und Handel deutliche Zweifel an der Umsetzbarkeit – insbesondere mit Blick auf Kosten und Wirkung.
Niklas Suliktsis von der Interessensgemeinschaft Goslarer Gastgeber (IGG) findet es richtig, über neue Ideen nachzudenken und findet diese durchaus positiv. Gleichzeitig sieht er die Debatte auch kritisch. „Ich glaube aber, dass jetzt schon begonnen wird, Wahlkampf für September mit solchen Themen zu betreiben“, erklärt Suliktsis. Vor allem die diskutierte Eisfläche hält er für unrealistisch. „Eine Eisbahn bekommen wir niemals finanziert, wir reden hier über Summen im sechsstelligen Bereich.“ Seine rhetorische Frage beantwortet er selbst: „Kann sich das die Stadt leisten? Nein, natürlich nicht.“ Auch einen Großsponsor hält er für kaum zu finden.Viertes Adventswochenende
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Ähnlich skeptisch äußert sich Hotelier Willi Robben vom Hotel „Die Tanne“. Er glaubt nicht, „dass sich ein Wintermarkt hier etablieren kann und extra Leute deswegen nach Goslar kommen“. Dafür brauche es ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Eine Eisbahn sei dafür ungeeignet, da es vergleichbare Angebote bereits in Bad Harzburg, Braunlage oder Schierke gebe. Zudem sei die Innenstadt derzeit ohnehin nur wenig frequentiert. „Die Leute, die momentan da sind, kommen auch wegen des Wetters“, so Robben. Gleichzeitig gebe es Wintermonate ganz ohne Schnee – ein weiteres Risiko für ein solches Angebot. Robben gibt der SPD jedoch in einem Punkt recht: Tagesgäste sollen nach Goslar gelockt werden. „Dafür brauchen wir aber keinen Wintermarkt, sondern eine andere gute Idee. Nach sechs Wochen Weihnachtsmarkt brauchen wir auch mal andere Impulse.“
Mittel gezielt einsetzen
Stephan Hoffmeister vom Café am Markt lobt ebenfalls den Ansatz, über neue Konzepte nachzudenken. „Ich finde es gut, dass darüber gesprochen wird. Aber wir sollten das mit Sinn und Verstand machen“, sagt er. Es sei nicht sinnvoll, „mit aller Gewalt einen Haufen Geld in die Hand zu nehmen für Projekte, die wahrscheinlich nicht zu realisieren sind“. Stattdessen schlägt Hoffmeister vor, vorhandene Mittel gezielt einzusetzen: „Vielleicht sollten wir uns darum kümmern, das Niveau unseres Weihnachtsmarktes weiter hochzuhalten, ihn weiterzuentwickeln und Neuerungen einzubringen.“ Das sei wichtig, damit Goslar im Wettbewerb mit anderen Märkten nicht zurückfalle.
Auch Tyark Breustedt von der Kaufmannsgilde zeigt sich zurückhaltend. „Ich weiß nicht, ob ein Wintermarkt den Handel wirklich belebt, das müsste man ausprobieren“, sagt er. Er regt an, Investitionen nicht in klassische „Saure-Gurken-Monate“ zu lenken, sondern eher in starke Zeiten wie September oder Dezember. Zudem solle vorrangig die Parkplatzsituation in Goslar verbessert werden. Grundsätzlich begrüßt Breustedt jedoch, dass darüber nachgedacht werde, wie die Innenstadt vorangebracht werden könne.
Offen für neue Ideen
Von Seiten der GMG betont Chefin Marina Vetter die grundsätzliche Offenheit für neue Ideen. „Gern prüfen wir zusätzliche Winterformate im Austausch mit den Beteiligten – auch mögliche Alternativen zu einem Wintermarkt“, sagt sie. Gleichzeitig erinnert Vetter daran, dass Ideen für einen Wintermarkt bereits in den vergangenen Jahren diskutiert worden seien. Für die GMG habe jedoch der Schutz des Goslarer Weihnachtsmarktes oberste Priorität. Er sei eines der wichtigsten Aushängeschilder der Stadt und lebe von seiner Qualität, Einzigartigkeit und einer klaren zeitlichen Begrenzung. Diese dürfe durch sich anschließende Formate nicht verwässert werden, vielmehr sollte jede Idee sinnvoll ergänzend und dabei realistisch und finanzierbar sein.
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