Zwei Wildkatzen aus Bad Harzburger Gehege sind jetzt in Freiheit
Vergangenen Sommer waren die drei verwaisten Wildkatzen-Geschwister im Gehege an der Marienteichbaude untergekommen. Damals noch ausgehungert und schwach, mittlerweile sind sie wieder topfit. Foto: Raksch/GZ-Archiv
Drei verwaiste Wildkatzenbabys kamen im Sommer 2025 ins Gehege bei Bad Harzburg. Zwei von ihnen wurden nun wieder in die Freiheit entlassen. So lief das Ganze ab.
Bad Harzburg. Zwei der vier Wildkatzen, die im vergangenen Jahr ins Gehege des Nabu an der Marienteichbaude eingezogen sind, wurden jetzt ausgewildert. Anfang der Woche, so teilt die Leiterin des Wildkatzen-Erlebniszentrums, Annett Jerke, mit, wurden sie in Boxen ins Gelände abseits der Straßen und Wege im Zuständigkeitsbereich des Forstamts Clausthal geführt und dort freigelassen. An welcher Stelle genau, bleibt bewusst ein Geheimnis.
Was war passiert? Vergangenen Juli hatte das Wildkatzengehege zunächst drei verwaiste Jungtiere aufgenommen, damals gerade einmal acht Wochen alt (die GZ berichtete). Sie waren ohne Mutter an der A1 gefunden worden, waren zu diesem Zeitpunkt bereits ausgehungert und schwach und wären wohl unweigerlich gestorben. Über Umwege landeten die Katzenkinder im Gehege bei Bad Harzburg.Rettung in Harzburgs Wildkatzengehege
Diese süßen Wildkatzenbabys lagen zum Sterben an der Autobahn
DNA-Test entlarvt Hybriden
DNA-Tests ergaben bald darauf, dass es sich um Geschwister, jedoch nicht um reine Wildkatzen handelte, sondern vielmehr um Hybride. Die Mutter der Kitten war eine Wildkatze, der Vater eine Hauskatze.
Auch Hybride sind laut Jerke jedoch keine Kuscheltiere. Äußerlich wirken sie zwar wie Wildkatzen, beim Umgang mit ihrer Beute kommen allerdings die Hauskatzen-Gene zum Vorschein. Auch die drei Findelkinder spielten eher mit ihrer Beute, wohingegen Wildkatzen mit einem gezielten Biss töten.
Mitten im Harz – die genaue Stelle bleibt geheim – werden die Wildkatzen in die Freiheit entlassen und sollen sich nun ein eigenes Revier suchen. Foto: Privat
Es stand dennoch schnell fest, dass die Tiere wieder in die Freiheit entlassen werden sollten. Da sich die hybriden Gene in der Natur aber nicht verbreiten sollen, wurden die drei kleinen Katzen sterilisiert. Jetzt können sie sich zwar nicht mehr fortpflanzen, aber Hormone produzieren und sich paaren. Nur halt, ohne Nachwuchs zu zeugen. Denn ansonsten könne es passieren, hatte Jerke erklärt, dass andere Wildkatzen sie nicht als solche akzeptieren würden.
Bestimmte Voraussetzungen nötig
Für die Auswilderung mussten aber auch andere Voraussetzungen erfüllt sein. Unter anderem musste das Körpergewicht der Tiere auf drei Kilogramm anwachsen und sie mussten eine gewisse Körpergröße sowie das typische Verhalten einer Wildkatze erreicht haben.
Jerke hatte den Speiseplan der Tiere dahingegend angepasst: Zuletzt gab es nur noch das, was sie später auch in der Natur erwartet: Fleisch von Mäusen und Rehen. Die Menge und Art des Futters variierte dabei täglich, sodass sich die kleinen Katzen auch daran gewöhnten, dass es in der Natur mal mehr und mal weniger zu futtern gibt.Happy End an der Marienteichbaude
Wildkatzenbaby entrinnt dem Tod und findet eine neue Mama
Zumindest bei zwei der drei Tiere seien die Bedingungen für eine Auswilderung nun erfüllt gewesen, berichtet Jerke. Sie seien topfit. Auch das dritte habe sich richtig gut entwickelt, doch bei ihm reiche es noch nicht für die Freiheit. Damit es nicht allein im Gehege bleibt, hatte man mit Wildkatze Maya aus dem Tierpark Thale eine Artgenossin ins Gehege an der Marienteichbaude geholt.
Noch etwas unter Beobachtung
Seine Geschwister wiederum können sich jetzt den Harz zur Heimat machen. Einen spezielllen Dank für die Auswilderungsaktion sowie die vergangenen Monate spricht Jerke dem Forstamt Clausthal und der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Goslar aus.
In den kommenden Tagen werden die freigelassenen Tiere laut Jerke noch mithilfe einer Wildtierkamera beobachtet. Es werde geschaut, wie es ihnen ergeht und wie sie sich verhalten. Und sie würden auch noch eine Zeit lang gefüttert, erklärt Jerke. Nach und nach sollen die Tiere davon jedoch abgewöhnt werden und sich dann bestenfalls ein eigenes Revier suchen.
Copyright © 2026 Goslarsche Zeitung | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.