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Werlaburgdorf feiert

GZ Plus IconPferdespritze nimmt ihren Platz im Kleinen Spritzenhaus ein

Menschen stehen und sitzen vor einem Fachwerkhaus mit offenem roten Tor an einem sonnigen Tag

Feierlich eröffnen die Werlaburgdorfer ihr neues Spritzenhaus (l.). Foto: Heinemann

Mit Fackeln, Spielmannszug und von Pferden gezogen rollte die historische Spritze erstmals seit Jahrzehnten durch Werlaburgdorf. So viel Arbeit steckt dahinter.

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Von Ronja Heinemann
Dienstag, 10.03.2026, 09:00 Uhr

Werlaburgdorf. Viel Schweiß, Nerven und Herzblut sowie mehr als 1200 ehrenamtliche Arbeitsstunden sind in das kleine Spritzenhaus für die historische Pferdespritze in Werlaburgdorf geflossen. Im Juli 2025 erfolgte der erste Spatenstich, am vergangenen Freitag konnte das Gebäude schließlich feierlich eröffnet werden.

Am Nachmittag versammelten sich zahlreiche Werlaburgdorfer am Feuerwehrhaus, um bei Kaffee und Kuchen mehr über die Geschichte hinter dem neuen Gebäude zu erfahren, und sich das kleine Spritzenhaus natürlich auch selbst anzusehen. Die historische Pferdespritze stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht an ihrem Platz, wodurch die Besucher das Gebäude zunächst in Ruhe besichtigen konnten.

Pferdespritze aus 1896

Seit der ersten Planung hat sich viel getan. Die historische Pferdespritze der Freiwilligen Feuerwehr stammt aus dem Jahr 1896 und war bis 1942 im Einsatz. Damals stellte sie einen großen Fortschritt in der Brandbekämpfung dar, denn zuvor wurden Brände meist mit einfachen Eimern gelöscht. Ursprünglich war die Spritze im historischen Spritzenhaus am Lahberg untergebracht, das 1974 abgerissen wurde. Seitdem fristete das Fahrzeug über Jahrzehnte ein eher unscheinbares Dasein in Schuppen und Unterständen.
Zwei schwarze Pferde ziehen eine rote Kutsche mit vier uniformierten Männern. Nach einer Fahrt durchs Dorf bringen die Pferde die historische Spritze zum neuen Unterstand.

Nach einer Fahrt durchs Dorf bringen die Pferde die historische Spritze zum neuen Unterstand. Foto: Heinemann

Die Idee für ein eigenes kleines Spritzenhaus ist allerdings nicht neu. Schon vor Jahren gab es erste Überlegungen, der alten Spritze wieder eine angemessene und sichere Unterbringung zu geben. Henning Plumeyer fertigte damals sogar eine erste Zeichnung für ein Gebäude auf dem Feuerwehrgelände an. Doch das Vorhaben geriet zunächst wieder in Vergessenheit.

Erst 2023 nahm das Projekt wieder Fahrt auf. Innerhalb der Feuerwehr fand sich eine Gruppe von Kameraden zusammen, die sich augenzwinkernd „Uhus“ nennt – in Anlehnung an die jüngsten Mitglieder der Wehr, die Löschadler. Bei einem Dienstabend stellten sie schließlich die entscheidende Frage: Ob es nicht an der Zeit sei, endlich eine würdige Unterbringung für die alte Spritze zu schaffen. Damit war der Grundstein für das Projekt „Kleines Spritzenhaus“ gelegt.

Uhus stellen Projekt vor

Den offiziellen Startschuss gab es beim 130-jährigen Jahrestag der Feuerwehr im Jahr 2024. Im Festzelt stand auch die historische Spritze und zog zahlreiche neugierige Blicke auf sich. Gleichzeitig stellten die „Uhus“ erstmals öffentlich ihr Bauprojekt vor. Eine spontane Sammlung unter den Gästen des Festfrühstücks brachte bereits rund 1400 Euro ein – ein erstes Startkapital für das Vorhaben.
Offene rote Doppeltore führen zu einem Hof mit historischen roten Feuerwehrwagen unter einem Holzdach vor einem Fachwerkhaus.

Alles passt: Die Spritze steht an ihrem neuen Platz. Foto: Heinemann

Bevor gebaut werden konnte, mussten jedoch zunächst zahlreiche Formalitäten erledigt werden. Der alte Plan wurde überarbeitet, der Standort auf dem Feuerwehrgelände angepasst und die nötigen Genehmigungen der Gemeinde sowie des Landkreises eingeholt. Die Bauleitung übernahm Ortsbrandmeister Matthias Hartlich, während Frank Oesterhelweg sich um Anträge und Öffentlichkeitsarbeit kümmerte und Bernd Isaak die Verpflegung der Helfer organisierte.

Nachdem alle Genehmigungen vorlagen, erfolgte am 11. Juli 2025 schließlich der erste Spatenstich. In den folgenden Wochen arbeiteten die Kameraden an vielen Wochenenden am Bau des kleinen Hauses. So kamen mehr als 1200 ehrenamtliche Arbeitsstunden zusammen – und das werden nicht die letzten gewesen sein. Einige Restarbeiten stünden noch an, sagt Hartlich.
Eine Person in Uniform übergibt ein Dokument an eine Gruppe von Erwachsenen und ein Kind im Freien vor einem Fachwerkhaus.

Ortsbrandmeister Matthias Hartlich erzählt den Besuchern alles Wissenswerte zu dem neuen Gebäude. Foto: Heinemann

Der Eröffnungstag selbst wurde für viele Werlaburgdorfer zu einem besonderen Moment. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit wurde die historische Spritze auf einer von Pferden gezogenen Kutsche durch das Dorf gefahren. Vorweg zogen der Spielmannszug sowie Feuerwehrleute mit Fackeln. Ein eindrucksvolles Bild, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verband. Schließlich brachten die Pferde die Spritze direkt vor ihr neues Zuhause, wo sie unter dem Applaus der Zuschauer ihren Platz einnahm.

„Wohl kein heute lebender Einwohner dürfte die Spritze je im aktiven Dienst mit Pferden bespannt erlebt haben“, vermutet Hartlich. Mit der Fahrt durchs Dorf und der Einweihung des Hauses sei ein Stück Ortsgeschichte wieder lebendig geworden.

Besondere Bedeutung

Auch für die Feuerwehr selbst habe das Projekt eine besondere Bedeutung gehabt. Die gemeinsame Arbeit habe die Ehrenamtlichen noch enger zusammengeschweißt. „Nicht einmal hat es Streit gegeben“, sagt Hartlich mit einem Schmunzeln. Sein Dank gilt den zahlreichen Helfern, denn ohne ihr Engagement wäre das Spritzenhaus nicht entstanden. Wo heute das Gebäude steht, seien zuvor lediglich Sträucher und Wiese gewesen.
Fünf Personen stehen in einem Raum mit Holzbalkendecke vor einer großen schwarz-weißen Wandzeichnung, eine Person zeigt darauf

Die Werlaburgdorfer nutzen die Gelegenheit, um sich das neue Domizil anzusehen. Emilia Basilius hat für eine Wand ein Bild des alten Hauses gezeichnet, das in den 70ern abgerissen wurde. Foto: Heinemann

Während der Bauphase entwickelten sich zudem immer neue Ideen für die Gestaltung des Hauses. Die roten Sprossenfenster etwa seien ursprünglich gar nicht geplant gewesen, erzählt Hartlich. Auch die Verglasung auf der Rückseite entstand erst während der Arbeiten. Dort haben sich auch die „Uhus“ verewigt.

Besonders beeindruckt zeigten sich viele Besucher zudem von einer Zeichnung der jungen Künstlerin Emilia Basilius. Sie zeigt das historische Spritzenhaus, das einst am Lahberg stand und später abgerissen wurde. Erst einen Tag vor der Eröffnung kam das Bild aus dem Druck und konnte gerade noch rechtzeitig angebracht werden.

Zur Einweihung des kleinen Spritzenhauses waren neben zahlreichen Dorfbewohnern auch Vertreter aus Feuerwehr und Politik gekommen. Unter ihnen Gemeindebürgermeister Martin Schulze, Landrätin und Vertreterin des Zukunftsfonds Asse Christina Steinbrügge, Regierungsbrandmeister Tobias Thurau sowie Kreisbrandmeister Florian Graf. Sie alle zeigten sich beeindruckt von dem, was in Werlaburgdorf in ehrenamtlicher Arbeit entstanden ist – und davon, wie ein Dorf gemeinsam ein Stück seiner Geschichte bewahrt hat.

Gruppenfoto von Feuerwehrleuten und Jugendfeuerwehrmitgliedern in Uniform vor einem Fachwerkhaus mit Fahnen

Die Mitglieder der Feuerwehr sind stolz und positionieren sich für ein erstes Foto vor dem Gebäude. Foto: Heinemann

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