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Schulzentrum in Langelsheim

GZ Plus IconDebatte um Wartehäuschen: „Das Placebo kostet 20.000 Euro“

Haltestellenschild mit der Aufschrift 'Schulbus' an einem Gehweg mit weißen Metallzäunen und kahlen Bäumen im Hintergrund

Für die knapp 200 Schüler will die Stadt Langelsheim an der Bushaltestelle Wartehäuschen einrichten. Wahrscheinlich werden es aber weniger Unterstände, als erwartet. Foto: Heinemann

Wie viele Schüler warten eigentlich am Schulzentrum in Langelsheim auf den Bus? Genau diese Frage führt zu einer Debatte um die geplanten Wartehäuschen.

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Von Ronja Heinemann
Montag, 16.03.2026, 04:00 Uhr

Langelsheim. Aus drei geplanten Wartehäuschen wird vorerst nur eines – zumindest nach dem jüngsten Vorschlag der Stadtverwaltung. Mit dieser Idee hat sich der Bauausschuss der Stadt Langelsheim in seiner Sitzung beschäftigt. Dabei ging es um die neuen Wetterschutzhäuschen an der Bushaltestelle am Schulzentrum. Einigkeit herrschte unter den Ausschussmitgliedern allerdings nicht darüber, ob eine einzelne Wartehalle tatsächlich ausreichen würde.

Bereits in der November-Sitzung hatte die Verwaltung zwei mögliche Varianten vorgestellt. Die erste sah drei kleinere Wartehäuschen mit einer Gesamtfläche von 27 Quadratmetern vor. Jedes einzelne hätte damit rund neun Quadratmeter Platz geboten. Nach Berechnungen des beauftragten Ingenieurbüros liege die mögliche Nutzungsdichte bei etwa vier Schülern pro Quadratmeter. Für diese Lösung wurden Kosten von rund 55.000 Euro kalkuliert. Darin enthalten wären neben den Unterständen auch Sitzgelegenheiten, Mülleimer sowie sämtliche Erd- und Pflasterarbeiten gewesen.

Die zweite Variante hätte deutlich mehr Platz geschaffen: Vorgeschlagen wurde ein durchgängiges Wartehäuschen mit knapp 50 Quadratmetern Fläche. Allerdings wäre diese Lösung auch erheblich teurer ausgefallen. Nach Berechnungen der Verwaltung hätten sich die Kosten auf rund 100.000 Euro belaufen.

In der damaligen Sitzung brachte Ausschussmitglied Arne Niestroj (CDU) noch eine weitere Idee ins Spiel. Er schlug vor, zusätzlich eine Art Carport-Lösung zu prüfen – also ein verlängertes Dach an den Wartehäuschen, das mehr Schülern Schutz vor Regen bieten könnte. In der jüngsten Sitzung tauchte dieser Vorschlag jedoch nicht mehr auf, was Niestroj deutlich kritisierte.

Um eine bessere Entscheidungsgrundlage zu bekommen, hatten die Mitglieder des Bauausschusses außerdem angeregt, das tatsächliche Spitzenaufkommen an der Bushaltestelle zu ermitteln. Dazu nahm die Verwaltung Kontakt mit dem Busunternehmen auf. Nach dessen Angaben steigen am Schulzentrum zwischen 15 und 30 Schüler in insgesamt fünf Busse ein. Weitere 10 bis 25 Schüler nutzen die Haltestelle zum Umsteigen. Besonders nach der fünften und vor allem nach der sechsten Schulstunde sei das Aufkommen am größten. Exakte Zahlen könne das Busunternehmen jedoch nicht liefern.

Abweichende Schülerzahlen

Eine andere Perspektive ergibt sich aus den Schülerzahlen: Im Jahr 2025 kamen demnach rund 177 Schüler mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Schulzentrum. Diese Zahl weicht deutlich von den Angaben des Busunternehmens ab.

Vor diesem Hintergrund schlägt die Verwaltung nun einen deutlich abgespeckten Einstieg vor. Demnach soll nur eine Wartehäuschen errichtet werden, die bei Bedarf modular erweitert werden kann. Die Kosten werden auf rund 20.000 Euro geschätzt.

Mehrere Ausschussmitglieder zeigten sich von dieser Empfehlung jedoch nicht überzeugt. Vor allem, weil der Vorschlag deutlich kleiner ausfällt als die ursprünglich diskutierten Lösungen. „Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes“, kritisierte CDU-Politiker Niestroj. Auch andere Mitglieder äußerten die Sorge, dass die Planung zu knapp bemessen sein könnte und später doch noch mindestens ein zweiter Unterstand gebaut werden müsste.

Eine andere Einschätzung vertrat hingegen Hartmut Richter (SPD). Er und seine Fraktion sprachen sich dafür aus, zunächst mit einer kleineren Lösung zu starten. Wenn gleich deutlich größer gebaut werde und sich später herausstelle, dass die Fläche gar nicht benötigt werde, entstünden unnötige Mehrkosten, argumentierte er.

„Aber dieses Placebo“, entgegnete Niestroj, „kostet 20.000 Euro.“ Richter hielt dagegen, dass auch das größte Schulzentrum im Landkreis Goslar lediglich über zwei Wartehäuschen verfüge – und die Schüler dort offenbar gut damit zurechtkämen. Beschwerden seien ihm zumindest nicht bekannt.

Drei Mitglieder stimmten am Ende für den Vorschlag der Verwaltung, drei dagegen, ein weiteres enthielt sich. Damit gilt der Vorschlag als abgelehnt und wird als Empfehlung an den Stadtrat weitergegeben. Dort soll am Donnerstag, 19. März, entschieden werden, wie die Stadt mit den geplanten Wartehäuschen verfährt.

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