Warum die TU Clausthal bei einem Millionenprojekt die Fäden zieht
Im Teilprojekt „ReTail“ geht es um das Recycling der kompletten Bergbau-Rückstände des Bergeteichs am Erzbergwerk Rammelsberg. Foto: TU Clausthal
Rückgewinnung von Rohstoffen aus bereits genutzter Infrastruktur ist das Ziel eines bundesweiten Projekts, das die TU Clausthal koordiniert.
Clausthal-Zellerfeld. Ressourcen in urbanen Regionen wiederverwenden: Darum geht es in einem millionenschweren Förderprojekt, das die TU Clausthal bundesweit koordiniert, wie die Oberharzer Universität in einer Pressemitteilung informiert.
Milliarden Tonnen an Materialien liegen demnach hierzulande brach: zum Beispiel in ungenutzten Gebäuden, Straßen und langlebigen Gütern sowie in Bauresten, Schlacken und bergbaulichen Rückständen. Jährlich kommen zu dieser gewaltigen Menge in Deutschland zehn Tonnen pro Einwohner hinzu. Diese Bestände an Sekundärrohstoffen gilt es volkswirtschaftlich zu nutzen. Das ist das Ziel der Fördermaßnahme „Urban Mining – Erschließung anthropogener Lager als Rohstoffquelle“ des Bundesforschungsministeriums. Das Vernetzungs- und Transfervorhaben zu Urban Mining – TUrMin – wird von der TU Clausthal geleitet. Partner ist das Öko-Institut. Die zweitägige Auftaktveranstaltung zu „TUrMin“ hat zu Beginn des Sommersemesters an der Harzer Universität stattgefunden.
Bundesweite Strategie
Die Initiative Urban Mining – wörtlich übersetzt: „städtischer Bergbau“ – ist Teil der Strategie „Forschung für Nachhaltigkeit“ (FONA) des Bundesforschungsministeriums. Grundidee ist es, die in Siedlungs- und Infrastrukturbeständen gebundenen Materialressourcen systematisch zu erschließen und wieder in wirtschaftliche Stoffkreisläufe zu integrieren. „Die Forschung der TU Clausthal beschäftigt sich mit Technologien und Methoden zum nachhaltigen Management der Ressourcen Material – Energie – Information und greift dabei das Konzept der Circular Economy, der Kreislaufwirtschaft, auf. Vor diesem Hintergrund passt das Vernetzungs- und Transferprojekt zu Urban Mining bestens an die TU Clausthal“, sagt Universitätspräsidentin Dr. Sylvia Schattauer.

Die Vorträge der Auftaktveranstaltung fanden im CUTEC-Gebäude der TU Clausthal statt. Foto: Ayke Bücher
Im Fokus der Förderung stehen innovative Ansätze zur Rückgewinnung, Aufbereitung und Wiedereinbindung mineralischer Stoffströme aus Bauwerken, Infrastrukturen und industriellen Ablagerungen. Durch interdisziplinäre Verbundprojekte aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis sollen neue Technologien und Methoden entwickelt werden, die die nachhaltige Nutzung dieser anthropogenen Rohstofflager ermöglichen. Zugleich wird die Versorgung mit inländischen Ressourcen gestärkt.
Förderprogramm läuft bis 2029
„Ihre Forschungsansätze und Projektideen haben die geförderten Verbundvorhaben bei der Auftaktveranstaltung im CUTEC-Gebäude der TU Clausthal vorgestellt“, berichtet Henrike Franke. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institute of Geotechnology and Mineral Resources (Department of Geosciences) koordiniert zusammen mit dem Öko-Institut das Urban-Mining-Begleitprojekt. Dazu zählt auch die Öffentlichkeitsarbeit, die Identifikation von Querschnittsfragen und die anschließende Ableitung von Handlungsempfehlungen.

Die Verantwortlichen der 14 Teilprojekte treffen sich zum Auftakt an der TU Clausthal. Foto: Ayke Bücher
Das Förderprogramm läuft bis Oktober 2029. Aufgeteilt sind die insgesamt 14 Einzelprojekte bei einer Gesamtfördersumme in Höhe von 19,4 Millionen Euro in drei Themenbereiche. Der erste widmet sich der wirtschaftlichen Erschließung ungenutzter Sekundärrohstoffpotenziale aus Bergbau- und Hüttenhalden, Schlacken, Müllverbrennungsaschen, Filterstäuben und -schlämmen. Zweiter Themenbereich ist die wirtschaftliche Erschließung ungenutzter Sekundärrohstoffpotentiale aus Gebäuden, Infrastruktur und langlebigen Gütern. Und im Dritten geht es um innovative Instrumente für die ressourceneffiziente Planung und Bewirtschaftung anthropogener Lager.
Einzelne Vorhaben sind zum Beispiel das mit Beteiligung der TU Clausthal durchgeführte Projekt „ReTail – Recycling der kompletten Tailings des Bergeteichs des Erzbergwerks Rammelsberg“ oder „Mixed-Reality- und vertrauenswürdiges KI-basiertes Assistenzsystem zur Einschätzung von Werten anthropogener Lager und Kosten von Erschließungsprozessen in der Kreislaufwirtschaft“.
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