Wie ein altes Harzer Traditions-Event wiederbelebt werden soll
Wie zum Harzer Tzscherper soll sich der Glückauf-Saal wieder füllen – nur eben nicht mit Politprominenz, sondern mit jedem, der darauf Lust hat. Foto: Neuendorf/Archiv
Im April wird es ein Harzer Tzscherper geben, das an alte Zeiten erinnern und die Tradition wieder aufleben lassen soll. Alles, was man dazu wissen sollte.
Clausthal-Zellerfeld. Ein Tzscherper für Jedermann: Diese Idee haben die Oberharzer Bergsänger zusammen mit Pastor Matthias Schlicht entwickelt. Keine Politprominenz, kein hohes Eintrittsgeld, sondern ein buntes Programm in Oberharzer Tradition. Am Samstag, 11. April, ist es so weit.
So ganz kann Matthias Schlicht den Oberharz nicht loslassen, auch wenn er mittlerweile seit mehreren Jahren auf dem platten Land lebt. 1997, erinnert der Theologe, war er als Studentenpastor nach Clausthal-Zellerfeld gekommen. Seit der damalige Bürgermeister festgestellt habe, „der macht auch Kabarett“, war Schlicht gern gesehener Tzscherper-Redner, ob im Glückauf-Saal oder bei den Zellerfelder Schützen.
Stetig in Kontakt
Die Harzer Bräuche faszinierten ihn, weil sie „die Menschen beim Herzen berühren“. Und so entstand auch ein enger Kontakt zu den Oberharzer Bergsängern, der bis heute anhält. Schon mehrfach, berichtet Jochen Niebaum von den Bergsängern, ist die Gruppe in den vergangenen Jahren zu Schlicht ins Alte Land gefahren, wo er mittlerweile lebt. „Ich habe noch nie in Gottesdiensten so gelacht“, meint Niebaum die humorige Art des Pastors, die sich mitnichten auf seine Kabarett-Auftritte beschränkt.

Matthias Schlicht Foto: Privat
In gemütlicher Runde, „aus einer Bierlaune heraus“, berichten die beiden, sei man auf die Idee gekommen, mal wieder ein Tzscherper wie früher zu machen. Denn seit den 2010er-Jahren, findet Matthias Schlicht, habe sich das Harzer Tzscherper, das die Stadt jährlich ausrichtet, dahin gewandelt, dass immer mehr Politiker aus Land und Bund zugegen seien, die aber mit den Harzer Traditionen gar nichts zu tun haben. Zudem sei der Preis „exorbitant in die Höhe“ gegangen. Es gehe ausdrücklich nicht darum, betont Schlicht, eine Konkurrenzveranstaltung zum Tzscherper der Stadt zu schaffen. Vielmehr soll es „ein großer bunter Abend“ sein, „so wie es früher einmal war“.
„Richtig gemütlicher Abend“
Das ist auch Jochen Niebaum wichtig: „Wir wollen die alte Tradition wieder der Bevölkerung nahebringen“. Er erwartet einen „richtig gemütlichen Abend“. Los geht es am 11. April um 19 Uhr. „Das ist ein Samstag, da sollten die meisten können“, sagt Niebaum augenzwinkernd.

Jochen Niebaum Foto: Skuza
Da es ein Tzscherper für alle werden soll, habe man versucht, den Preis so niedrig wie möglich zu halten. Für 15 Euro soll der ganze Abend abgedeckt sein, inklusive dem Tzscherper-Mahl. Wem die traditionelle Wurstplatte nicht zusagt, der werde auch satt, betont Niebaum. Dass das so günstig geht, sei aber auch Sponsoren wie der Volksbank im Harz zu verdanken, ebenso wie der Fleischerei Eine. Denn ansonsten sei die Veranstaltung rein privat organisiert, ohne eine Firma oder Organisation im Hintergrund.
Zackels und Daniel Fernholz
Das Programm gestalten die Oberharzer Bergsänger und Pastor Matthias Schlicht selbst. Aber sie haben sich zusätzliche Unterstützung geholt, um den Gästen ein rundes Programm im Glückauf-Saal bieten zu können. Auch die Zackels treten auf, die nach wie vor ungebrochen umtriebig sind, und dem Harzer Publikum wohl kaum mehr noch ausführlich vorgestellt werden müssen. Ein weiterer Gast ist der Musiker Daniel Fernholz. „Unheimlich gute Musik“, verspricht Jochen Niebaum.
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Karten sollen ab etwa vier Wochen vor der Veranstaltung in den Vorverkauf gehen. Sie sind dann erhältlich in der Tourist-Information Clausthal-Zellerfeld und bei der Fleischerei Eine an der Adolph-Roemer-Straße. Gegen 22 Uhr soll der Abend ausklingen. Ist das nicht ein bisschen früh, was ist denn mit dem Mitternachtsschrei? „Man kann ja auch einen Nachtschrei vorziehen, wir bekommen das schon hin“, meint Niebaum schmunzelnd. Das Ganze, sagt Matthias Schlicht, soll im Übrigen keine Einzelveranstaltung bleiben. Er wünsche sich, dass sich der Tzscherper für Jedermann als jährliche Tradition etablieren wird.
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