Clausthaler Studenten schicken Brandbrief an die Landesregierung
Mehr Qualität statt Quantität fordern die Clausthaler Studentinnen und Studenten. Foto: Vennenbernd/dpa
Studenten der TU Clausthal wenden sich in einem offenen Brief an die Landespolitik. Sie sehen den Wissenschaftsstandort Niedersachsen in Gefahr und fordern besseren ÖPNV.
Clausthal-Zellerfeld/Hannover. Hohe Kosten im Studium, keine Bahn-Anbindung in den Oberharz und allgemein Sorgen um die Zukunftsfähigkeit des Wissenschaftsstandortes Niedersachsen: Die Studentinnen und Studenten der TU Clausthal treibt einiges um. Jetzt hat die studentische Vollversammlung ein durchaus als Brandbrief zu bezeichnendes Schreiben an die Politik in Hannover geschickt.
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Der Offene Brief ist adressiert an Ministerpräsident Olaf Lies, die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und Grünen sowie Wissenschaftsminister Falko Mohrs und Prof. Joachim Schachtner, Staatssekretär im Wissenschaftsministerium und ehemaliger Präsident der TU Clausthal.
Finanzielle Belastungen
„Mit großer Sorge blicken wir Studierenden in die Zukunft der eigenen akademischen Ausbildung und in die Zukunft des Wissenschaftsstandortes Niedersachsen“, heißt es in dem Schreiben. „Die Zukunftssorgen um die eigene akademische Ausbildung resultieren in den stark steigenden finanziellen Belastungen, die mit dem Studium verbunden sind. Dies liegt zum einen an den vom Land Niedersachsen direkt gesetzten Rahmenbedingungen, wie dem Verwaltungskostenbeitrag von 75 Euro in den Semesterbeiträgen. Andere Bundesländer haben diese versteckten Studiengebühren bereits abgeschafft. Niedersachsen muss sich dieser Entwicklung anschließen!“

Ministerpräsident Olaf Lies ist regelmäßig im Oberharz zu Gast, auch beim Festakt zum 250-jährigen Bestehen. Foto: Neuendorf/Archiv
Zum anderen gebe es aber auch Rahmenbedingungen, die das Land indirekt beeinflussen könne, etwa durch eine stärkere finanzielle Unterstützung der Studierendenwerke. „In den kommenden Semestern werden die Beiträge zum Studierendenwerk Ostniedersachsen von 114 Euro im Wintersemester 2024/2025 auf 246 Euro zum Wintersemester 2034/2035 ansteigen“, schreiben die TU-Studenten weiter. Die hohen Kosten, die das Studierendenwerk hat, um Auflagen des Landes – etwa beim klimagerechten Bauen – würden aktuell „an die junge Generation durchgereicht“.
Vorbild: Baden-Württemberg
Weiter heißt es: „Auch hier zeigen andere Bundesländer, wie es besser geht. Beispielsweise bezuschusste das Land Baden-Württemberg seine Studierendenwerke im Jahr 2024 mit über 30 Millionen Euro. Bildung darf nicht vom Geldbeutel abhängen! In Niedersachsen ist dies zukünftig der Fall! Daher fordern wir die sofortige Abschaffung des Verwaltungskostenbeitrags und eine stärkere Bezuschussung der Studierendenwerke, damit Niedersachsen im Bundesvergleich wieder finanziell attraktiv zum Studieren wird.“

Zum 250-jährigen Bestehen steht ein Schild mit der Aufschrift „I love TU Clausthal“ steht vor der Aula Academica. Foto: Pförtner/dpa
Weiterhin kritisieren die Studentinnen und Studenten, das Land Niedersachsen verfolge in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses den Ansatz „Masse statt Klasse“. Immer mehr von ihnen seien darauf angewiesen, neben dem Studium zu arbeiten, trügen somit zur lokalen Wertschöpfung und dem Bruttoinlandsprodukt bei. Ein Abschluss in Regelstudienzeit sei somit oft nicht möglich. Gleichzeitig würden Universitäten finanziell bestraft, wenn ihre Studierenden das Studium nicht in Regelstudienzeit abschließen. In dem Schreiben fordern sie, Abstand von der Abschlussdauer „als das zentrale Bewertungskriterium in der leistungsorientierten Mittelvergabe“ zu nehmen.
Quantität statt Qualität
„Niedersachsen kann zu DEM Industriestandort der nächsten 20 Jahre in der Bundesrepublik Deutschland aufsteigen, aufgrund der Verfügbarkeit günstiger nachhaltiger Energie, der Nähe zu großen Energieimporthäfen und einer guten Exportinfrastruktur mit dem einzigen Tiefseehafen in Deutschland. Das ‚Kartoffelacker-Image‘ können wir hinter uns lassen!“ Dafür brauche es aber gut ausgebildete Nachwuchskräfte. Statt auf viele davon zu setzen, die in Regelstudienzeit den Abschluss machen, solle vielmehr die Qualität das entscheidende Kriterium sein. Konkreter Vorschlag: „Eine Möglichkeit kann sein, zukünftig die Abschlussnote in der leistungsorientierten Mittelvergabe zu berücksichtigen.“
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Eine „ausreichende Finanzierung der Universitäten“ sei auch ein Zeichen der „Anerkennung des Zukunftspotenzials der jungen Generation“. „Pauschale Sparzwänge“ seien das Gegenteil. „Wir fordern, dass in Zusammenarbeit mit der niedersächsischen Wirtschaft das Land die Haushalte der Universitäten, mindestens auf dem aktuellen Niveau, über das Jahr 2027 hinaus sichert“, heißt es in dem Schreiben.

Der Bus ist das einzige öffentliche Verkehrsmittel, dass Studenten nach Clausthal bringt. Foto: Neuendorf/Archiv
Weiterhin fordern die Studenten „individuelle Mobilität für alle“, in Form eines „vergünstigten Deutschlandtickets für Studierende in Niedersachsen nach bayerischem Vorbild, damit zukünftig jeder für sich entscheiden kann, welche Mobilitätsform zur eigenen Lebenssituation passt“. Damit das auch ausreichend genutzt werden kann, fordert die Clausthaler Studierendenschaft zudem den Ausbau der Infrastruktur für den Öffentlichen Personennahverkehr. Ganz konkret: „indem ein Anschluss Clausthals an das Eisenbahnnetz wiederhergestellt wird. Dies wird nicht nur dem Bedürfnis nach öffentlicher Mobilität gerecht, sondern fördert zudem die Sichtbarkeit des Oberharzes im Bereich der Wirtschaft und des Tourismus und kann die Region so zukunftssicher aufstellen.“
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