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Tourismusstatistik 2025 liegt vor

GZ Plus IconKommen auch künftig noch so viele Urlauber nach Bad Harzburg?

Mehr als 600.000 Übernachtungen wurden 2025 in Bad Harzburg registriert. Das ist ein Rekord.

Mehr als 600.000 Übernachtungen wurden 2025 in Bad Harzburg registriert. Das ist ein Rekord. Foto: picture alliance / dpa

Harzburgs Tourismusbranche hat 2025 Rekorde gebrochen, nie waren die Übernachtungszahlen höher. Die Frage ist, wie sich nun der Krieg auf den Fremdenverkehr auswirkt.

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Von Holger Schlegel
Dienstag, 24.03.2026, 04:00 Uhr

Bad Harzburg. Der Tourismus in Bad Harzburg hat im vergangenen Jahr einen Rekord gebrochen, auf den Christian Klamt sehr stolz ist: Erstmals überschritten die Übernachtungszahlen die 600.000er-Marke. Allerdings ändert sich auch das Urlaubsverhalten: Bad Harzburg ist beliebt für Kurztrips. Für Klamt als Geschäftsführer der Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsbetriebe ein Indiz dafür, dass Bad Harzburg in Sachen Fremdenverkehr auf dem richtigen Weg ist. Aber was steckt hinter den Zahlen? Und wie sieht die Zukunft aus?

Wie sind die Zahlen?

Christian Klamt.

Christian Klamt. Foto: Schlegel

In den Jahren nach Corona waren die Übernachtungszahlen langsam aber stetig nach oben gegangen und hatten das Vor-Pandemie-Niveau erreicht. Nun haben sie eine magische Marke überschritten. 605.554 Übernachtungen (15.000 mehr als im Jahr zuvor) im Jahr 2025 sagen aber noch nichts über die Aufenthaltsdauer und die Zahl der Gäste aus. Letztere ist mit 168.091 auch auf einem hohen Niveau und der Trend geht ebenfalls nach oben.

Die Aufenthaltsdauer (im vergangenen Jahr 3,61 Tage) hat sich indes nicht großartig verändert, ist sogar von 4,28 Tagen im Jahr 2016 langsam gesunken. Die durchschnittliche Verweildauer dürfte in Wirklichkeit sogar noch etwas unter 3,61 liegen, da in den Zahlen auch die Kurkliniken einbezogen sind.

Wie werden die Zahlen gedeutet?

Wie deutet Klamt nun diese Zahlen? Zum einen, mit Blick auf die Aufenthaltsdauer, als Beleg dafür, dass Bad Harzburg ein beliebter Ferienort für Kurztrips geworden ist. Zweiwöchige Urlaube, früher der Klassiker, sind eher die Seltenheit geworden. Die Gästeklientel besteht laut Klamt mittlerweile in erster Linie aus Familien mit Kindern, was auch der Blick auf die urlauberstärksten Monate bestätigt: Das ist der Oktober, also die Zeit der Herbstferien, dann sind es die Sommermonate, die sich gut entwickeln, und im vergangenen Jahr der Mai – also auch die Zeit um die Osterferien.

Und woran liegt das?

In Klamts Augen gibt es mehrere Ursachen für den Erfolg. In erster Linie natürlich das in den vergangenen Jahren veränderte und ausgebaute Angebot Bad Harzburgs, also die vielen Attraktionen rund um Burgberg und Baumwipfelpfad. Allein aus diesem Grund dürfte sich auch die Zahl der Tagesgäste, die in der Statistik nicht erfasst sind, im mittleren Hunderttausenderbereich bewegen. Die muss man zu den eigentlichen Gästezahlen hinzurechnen. Bad Harzburg habe darüber hinaus eine intakte Natur „die Bäume sind noch da“, wie Klamt es ausdrückt.
Die Angebote rund um den Burgberg sorgen für steigende Besucherzahlen.

Die Angebote rund um den Burgberg sorgen für steigende Besucherzahlen. Foto: Schlegel

Auch biete Bad Harzburg eine gute Verkehrsanbindung sowohl für die Anreise als auch für Ausflüge in den Harz und den Vorharz. Ein gutes und sauberes Stadtbild spiele ebenfalls eine Rolle. Last but not least leide Bad Harzburg noch nicht unter „Overtourism“, also einem irgendwann anstrengenden Andrang. „Wenn am Ende noch ‚Bad‘ dransteht und die Preise stimmen, zahlt alles aufs gute Image von Bad Harzburg ein.“

Wer profitiert?

Was bedeuten die Zahlen für Bad Harzburg? Die Gäste bringen Geld in die Stadt. Die KTW profitieren von der Tourismusabgabe. Und die Betriebe, die direkt oder indirekt mit den Urlaubern zu tun haben, haben natürlich Einnahmen. Es wird also Kaufkraft generiert und Umsatz gemacht. Und nicht zuletzt bedeutet da die gute Frequenz einen zusätzlichen Imagegewinn.

Wie geht es weiter?

Zum einen dürfe sich Bad Harzburg in Sachen Tourismus nun nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern müsse weiter am Angebot arbeiten, sagt der KTW-Chef.
Das neue „B&B“-Hotel auf dem Kurhausgelände (hier eine Visualisierung) dürfte die Gästezahlen in Zukunft beeinflussen.  

Das neue „B&B“-Hotel auf dem Kurhausgelände (hier eine Visualisierung) dürfte die Gästezahlen in Zukunft beeinflussen. Foto: Privat

Die Erweiterung des Baumwipfelpfads spiele eine wichtige Rolle. Auch das im Bau befindliche „B&B“-Hotel dürfte in Zukunft die Gästezahlen beeinflussen. Denn dieser Betrieb passe mit seiner Angebotsstruktur genau zur Klientel und deren Ansprüche an einen Kurzurlaub mit Familie. Unkalkulierbar ist jedoch die Entwicklung angesichts der Kriege im Nahen Osten. Für Klamt stehen gerade da viele Fragen im Raum: Wird sich der Umstand, dass einige Urlaubsregionen im östlichen Mittelmeer aktuell und womöglich auch längerfristig nicht mehr besucht werden (können), auf den Inlandstourismus auswirken? Sind umgekehrt die Menschen angesichts gestiegener und womöglich noch steigender Kosten überhaupt noch willens und in der Lage, sich ins Auto zu setzen, um in den Urlaub zu fahren? Können sie sich noch Tagesausflüge leisten?

Was ist noch möglich?

Die Frage ist auch, was überhaupt noch möglich ist. Welche Kapazitäten hat Bad Harzburg? Einfach ausgedrückt, könnte man den besucherstärksten Monat, in diesem Fall also den Oktober, nehmen, und ihn aufs Jahr hochrechnen. Heraus käme eine (theoretische) Zahl von 850.000 Übernachtungen. Aber das ist Wunschdenken. Jetzt gilt es für die KTW erst einmal, das hohe Niveau zu halten. Und im Idealfall nach und nach auszubauen. Erste Anhaltspunkte, wie die Saison 2026 verläuft, dürfte es in einigen Wochen geben, wenn die Osterferien ausgewertet sind.

TOURISMUS IN ZAHLEN

Übernachtungen:

2025: 605.554

2024: 590.410

2023: 574.386

2022: 523.689

2021: 414.358

2020: 401.287

2019: 528.231

Anreisen/Gäste:

2025: 168.091

2024: 165.740

2023: 160.177

2022: 145.906

2021: 99.539

2020: 103.624

2019: 142.023

Aufenthaltsdauer:

Die Aufenhaltsdauer von durchschnittlich 3,61 Tagen im Jahr 2025 liegt im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Vor Corona wurden auch Werte über 4 Tage erreicht.

Unterkunftsart 2025:

Campingplatz: 44.142

Ferienhaus: 9769

Ferienwohnung: 168.438

Gästehaus: 5966

Hotel: 186.188

Kurklinik: 176.604

Pension: 7499

Privatzimmer: 384

ohne Angabe: 6564

Stärkste Monate 2025:

Oktober: 70.199 Übernachtungen

August: 65.033

Juli: 58.449

Mai: 55.382

Schwächster Monat war der November mit 36.308 Übernachtungen.

Wo die Gäste herkommen

Deutschland, Dänemark und die Niederlande sind die Hauptherkunftsländer der Urlauber, wobei Deutschland da den Löwenanteil ausmacht. Nach Bundesländern geordnet reisen die meisten Gäste aus Niedersachsen an, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

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