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FDP-Mann Stephan Kahl

GZ Plus IconTätigkeitsverbot als Anwalt und Verzicht aufs Goslarer Ratsmandat

Drei Männer stehen vor einer Wand mit einem großen Bild eines historischen Gebäudes, sie tragen jeweils ein rotes, weißes und kariertes Hemd.

Wechsel bei der FDP im Rat (v.l.): Fraktionschef Christian Rehse verliert Stephan Kahl als Mitstreiter, hat aber demnächst Parteichef Dieter Wolff an seiner Seite. Foto: GZ-Archiv

Der frühere OB-Kandidat und Ex-Kreisvorsitzende der Liberalen zieht die Reißleine. Stephan Kahl darf aktuell nicht als Anwalt arbeiten und verzichtet auf sein Ratsmandat.

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Von Frank Heine
Freitag, 09.01.2026, 13:30 Uhr
Sein Ratsmandat hat er am Donnerstag zurückgegeben, als Rechtsanwalt hat er seit dem 4. Dezember ein Tätigkeitsverbot: Der frühere Goslarer Oberbürgermeister-Kandidat Stephan Kahl (FDP) zieht nach eigenem Bekunden die Reißleine, nachdem ihm zuletzt offenkundig einige Dinge über den Kopf gewachsen sind. Im Rat rückt Ortsverbandschef Dieter Wolff nach. Gegen das Tätigkeitsverbot hat er Klage eingereicht und sieht beste Chancen, dass die Angelegenheit schon am 15. Januar vom Tisch sei.
Ein Mann mit Bart trägt ein weißes Hemd und ein dunkelblaues Sakko und steht vor einem Bücherregal mit juristischen Fachbüchern.

Oberbürgermeister-Kandidat Stephan Kahl gewährt der GZ auch private Einblicke bei einer Homestory vor der Wahl. Foto: Hartmann (Archiv)

Was ist passiert? Häufiges Zuspätkommen und frühes Gehen bei Fachausschusssitzungen, bei der dreieinhalbstündigen Ratssitzung im Dezember saßen zwei seiner Kinder hinten auf den Zuhörer-Bänken, nach nicht offiziell bestätigten GZ-Informationen soll er sogar seinen Nachwuchs in eine Sitzung des nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschusses mitgenommen haben. Dass FDP-Mann Kahl zuletzt für Gesprächsstoff nicht nur bei Politikern anderer Fraktionen sorgte, war ein offenes Geheimnis. Er selbst räumte am Freitag ein, dass er mit diesem Verhalten „unangenehm aufgefallen“ sei. Es habe aber bei ihm „privat und beruflich gebrannt“, weshalb er jetzt den notwendigen Schnitt vollzogen habe.

Gerüchte kurz vor Weihnachten

Auch zu seiner beruflichen Tätigkeit hatte es vor Weihnachten bereits Gerüchte gegeben, die er seinerzeit gegenüber der GZ aus der Welt räumen konnte. Allerdings informierte er auch nicht darüber, dass bereits seit dem 4. Dezember ein Tätigkeitsverbot für ihn besteht. Das weist das bundesweite amtliche Anwaltsverzeichnis aus, das über die Homepage der Bundesrechtsanwaltskammer öffentlich einsehbar ist. Ein Tätigkeitsverbot, so ist übereinstimmend aus Juristen-Kreisen zu erfahren, kann demnach die Vorstufe zu einem Entzug der Zulassung sein. Zu den Gründen für das Verbot sagte Kahl am Freitag, es seien „Sachen liegengeblieben, die nicht hätten liegenbleiben dürfen“. Mehr nicht. Er habe gegen dieses Verbot Klage eingereicht, lasse sich anwaltlich vertreten und gehe gemeinsam mit seinem Anwalt davon aus, dass es in seiner Kanzlei in Harlingerode zügig weitergehen könne.

Geschäftsführerin aus der Kurstadt eingesetzt

Nach GZ-Informationen ist dort erst seit wenigen Tagen zur Führung der Geschäfte die Bad Harzburger Rechtsanwältin Gudula Reinhardt eingesetzt. „Ich würde das jetzt nicht dementieren“, antwortete sie auf Anfrage. Ein wenig mehr ließ sich FDP-Fraktionschef Christian Rehse entlocken. Er bedauerte, dass Kahl zuletzt mit der Sorge für seine vier eigenen Kinder und zwei Pflegekinder zusätzlich zu einer Kanzlei, die Kahl allein ohne Angestellte geführt habe, offenbar zu viel um die Ohren gehabt habe. Darunter habe seine politische Arbeit gelitten. Die Liberalen seien einvernehmlich zu dem Ergebnis gekommen, dass Kahl zugunsten von Parteichef Wolff auf sein Ratsmandat verzichte. Der Schritt hat fürs neue Ratsduo zumindest kurze Wege zur Folge. Der 67-jährige Goslarer Wolff arbeitet als Vertriebsleiter in Rehses Jerstedter Unternehmen.
Acht Personen sitzen auf Stühlen auf einer Bühne mit zwei Bannern der "Goslarschen Zeitung" im Hintergrund.

Beim GZ-Podium zur Oberbürgermeisterwahl im September 2021 vertritt Stephan Kahl (3.v.r.) die liberalen Farben und sitzt neben der späteren Siegerin Urte Schwerdtner (SPD). Foto: Epping (Archiv)

Frühe Holprigkeiten in der Karriere

Für Kahl bedeutet der Verzicht vorerst das Ende einer kommunalpolitischen Karriere, die schon früh Holprigkeiten aufwies. Seine Zeit als Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes endete 2017 abrupt, als er den Laden wenig sortiert an seinen Nachfolger Florian Schmidt übergab. In einer denkwürdigen Sitzung präsentierten ihm etliche Altvordere eine Mängelliste seines Wirkens. Eine frühe Warnung? Spätestens als er im Sommer 2021 zum FDP-Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt antrat – mit 40 Jahren der jüngste im siebenköpfigen Feld –, schien diese Periode verziehen oder zumindest vergessen. Im ersten Wahlgang landete er auf Platz vier genau in der Mitte. Seit 2010 ist er als Jurist selbstständig und gab gegenüber der GZ Familien- und Erbrecht als liebste Betätigungsfelder an. Kurz vor seiner Kandidatur hatte sich Kahl den Traum von einem eigenen Haus erfüllt und lebte mit Familie, Hund und 19 Meerschweinchen in Immenrode.

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