„Das war episch“: Salzgitteraner kitet durch den Oberharzer Winter
2008 hat Julian Tobias Stumpf einen Anfängerkurs im Kiten am Meer absolviert. Seitdem ist er mit seinem Schirm auch im Oberharzer Schnee unterwegs. Foto: Neuendorf
Mit Kite und Snowboard gleitet Julian Tobias Stumpf durch den Oberharzer Winter. Für den 50-jährigen Salzgitteraner ist das ein Gefühl, das man kaum beschreiben kann.
Clausthal-Zellerfeld. Julian Tobias Stumpf zog am Wochenende mit seinem Kite über verschneite Wiesen in Clausthal-Zellerfeld und Braunlage. Der Schnee knirschte unter dem Snowboard, der Wind zog kräftig an der Leine, die Sonne schien ihm ins Gesicht. „Solche Bedingungen hat man nicht oft“, sagt der 50-jährige Salzgitteraner. Es passte alles: „Das war episch.“
Wenn Julian Tobias Stumpf in Clausthal-Zellerfeld, wie hier auf der Bockswieser Höhe, mit seinem Kite unterwegs ist, zieht er die Blicke auf sich. Foto: Neuendorf
Was für Außenstehende spektakulär aussieht, ist für Stumpf das Ergebnis einer langen Leidenschaft. Zum Kiten kam er 2008 im Urlaub an der See. Das bloße Liegen am Strand sei nie sein Ding gewesen, erinnert er sich. Also kaufte er sich einen Lenkdrachen, nur um dann zu erfahren, dass diese dort gar nicht erlaubt waren. In der Ferne sah er andere Drachen am Himmel. „Das sind Kites“, erklärte ihm eine Frau am Kassenhäuschen. Damit kann man sich auf einem Brett über Wasser – oder eben über Schnee – ziehen lassen. Noch im selben Jahr absolvierte er einen Anfängerkurs am Steinhuder Meer. „Danach war ich vom Kite-Virus infiziert.“
„Wer im Harz kiten kann, kann es überall“
Zunächst legte er sich günstig gebrauchtes Equipment zu, trainierte und lernte dazu. Heute besitzt Stumpf acht Schirme und zwei Boards. Er macht inzwischen sogar die Kite-Lehrer-Ausbildung. Dabei bezeichnet er sich selbst nicht als Profi, sondern als „guten Aufsteiger“. Der VW-Mitarbeiter kann sich vorstellen, bald selbst Kurse zu geben, in Ägypten oder auf Fehmarn vielleicht. Sein Arbeitgeber würde ihn dafür freistellen.

Wasser ist sein Element: Julian Tobias Stumpf liebt das Kitesurfen in Ägypten und kann sich vorstellen, dort selbst Kurse zu geben. Foto: Privat
Der Harz gilt dabei als besondere Schule. „Wer im Harz kiten kann, kann es überall“, sagt Stumpf. Die Berge sorgen für überraschende Böen, aber auch für tückische Windlöcher. Fällt der Wind plötzlich weg, sackt die Matte zusammen. „Dann muss man sofort reagieren, sich nach hinten legen, ausgleichen.“ Vorbereitung sei alles.
Respekt gehört für den Salzgitteraner dazu, insbesondere im Winter, den er schnell für das Schnee-Kiten entdeckte. Denn anders als auf dem Wasser ist das Snowboard fest am Fuß. Wegwerfen kann man es nicht so schnell. „Das muss man immer im Kopf haben.“ Einmal blieb Stumpf in Clausthal-Zellerfeld mit der Leine an einem Baum hängen und stürzte. Seitdem achtet er noch konsequenter auf den doppelten Sicherheitsabstand: mindestens 50 Meter zu Menschen oder Objekten. Ernsthaft verletzt hat sich der 50-Jährige bislang nicht, abgesehen von ein paar Zerrungen.
Schnee und Wind müssen passen
Wenn Stumpf erzählt, klingt das Schnee-Kiten nach einer Wissenschaft. Es braucht genug Schnee, und dieser muss bestimmte Eigenschaften haben. Zu nass, zu pappig, und es lässt sich nicht richtig gleiten. Stumpf spricht von mindestens 15 bis 20 Zentimetern Schnee. Sonst leidet der Untergrund, oder es lauern Risiken wie Maulwurfshügel, die nach einem Sprung zum Verhängnis werden können. Auch der Wind ist entscheidend. Sturm ist für ihn ein klares No-Go. Windrichtung und -stärke müssen konstant neu eingeschätzt werden, genauso wie die passende Größe des Schirms, die etwa auch vom eigenen Körpergewicht abhängig ist. Zuletzt ging er mit einer elf Quadratmeter großen Matte auf Tour.

Elf Quadratmeter groß ist die Matte, mit der Julian Tobias Stumpf in Clausthal-Zellerfeld im Schnee kitet. Foto: Neuendorf
Wie flexibel er sein muss, zeigte sich am vergangenen Wochenende. Am Freitag war Stumpf zunächst in der Nähe des Rehazentrums Oberharz unterwegs, merkte aber schnell, dass der Wind dort nicht optimal war. Ein paar Kilometer weiter, an der Bockswieser Höhe in Clausthal-Zellerfeld, sah das schon anders aus. Am Samstag ging es dann nach Braunlage in Richtung des Hasselkopftunnels. Während der Freitag noch grau war, wurde Stumpf am Samstag mit Sonne belohnt. Mit seiner GPS-Uhr misst er Strecke und Geschwindigkeit: In Braunlage erreichte er bis zu 48 Kilometer pro Stunde und legte rund 25 Kilometer zurück. „Wenn man mit dem Tempo aufs Wasser knallt, tut das richtig weh“, weiß er aus Erfahrung.

Um sich nach Sprüngen nicht zu verletzen, sollte der Schnee mindestens 15 bis 20 Zentimeter tief sein. Foto: Neuendorf
Highlight: Schnee-Kiten in Norwegen
Seine Faszination für das Schnee-Kiten hat Stumpf auch weit über den Harz hinausgeführt. Besonders Norwegen ist ihm im Gedächtnis geblieben. Dort sei es gewesen, als würde man auf dem Mond unterwegs sein: endlose weiße Flächen und keine Grenzen. Sonne und Nebel hätten die Landschaft in ein unwirkliches Licht getaucht, fast holografisch. Erst habe er gedacht, es liege an der Sonnenbrille, doch das Leuchten blieb. Wenn dann noch der Pulverschnee aufwirbelt, sei das ein Gefühl, das sich kaum in Worte fassen lasse.

Wie auf dem Mond: Julian Tobias Stumpf schätzt beim Schneekiten in Norwegen die unendlichen Weiten. Foto: Privat
Trotz dieser Erlebnisse bleibt Stumpfs erste Liebe das Wasser. „Da ist es wärmer, und man ist auch nicht so dick angezogen.“ Gern denkt er an Tage in Ägypten zurück, an denen er stundenlang nur in Badehose über das Meer surfte. „Am Ende war ich rot wie ein Krebs“, sagt er lachend. Bei all den Inseln, die er so erkunden konnte, war ihm das den Sonnenbrand wert.
Wenn Stumpf auf den schneebedeckten Wiesen im Oberharz kitet, bleibt das nicht unbemerkt. Die Loipen sind nicht weit, der Kite ist groß. Neugierige Spaziergänger bleiben stehen und stellen Fragen. Stumpf erklärt gern sein Hobby. „Es sieht ja auch cool aus“, sagt er. „Und es macht Spaß – wenn man es kann.“
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