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Winterspaß im Neiletal

GZ Plus IconWie ein alter Lutteraner Rodelhang wieder mit Leben erfüllt wird

Kinder und Jugendliche rodeln einen Hang hinab.

Piste frei, der Spaß beginnt: Bei strahlendem Sonnenschein geht es auf allerhand Gefährten den schneebedeckten Hang hinab. Foto: Biener

Zu einer gelungenen, spontanen Veranstaltung ohne große Vorbereitungszeit bedarf es nicht viel, wenn nur die Rahmenbedingungen stimmen – das zeigen die Lutteraner.

Von Andreas Gereke Dienstag, 13.01.2026, 13:03 Uhr

Lutter. Oh, wie war das schön, so etwas hatte Lutter lange nicht gesehen... Zu einem spontanen Rodel-Nachmittag fanden sich die Lutteraner am Sonntagnachmittag im Graffel ein. Ein Ereignis, das auf eine Idee aus den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr zurückging. Und die äußeren Bedingungen hätten besser nicht sein können, die Menschen strömten an die präparierte Piste.

Eine große Zuschauergruppe verfolgt vom Pistenrand das Geschehen.

Wintersportort Lutter: Eine große Zuschauergruppe verfolgt vom Pistenrand das Geschehen. Foto: Biener

Der Post im Internet zu der Veranstaltung verbreitete sich wie ein Lauffeuer – und der Winter-Traum-Tag mit Schnee, Sonne und Kälte bildete den Rahmen. „Eigentlich wollten wir im Rahmen eines Kameradschaftsabends nur ein bisschen rodeln gehen – und daraus entstand die Idee, doch ganz einfach etwas fürs Dorf zu machen“, berichtet Lutters Ortsbrandmeister Maxilian Seifert. Der Bodensteiner Landwirt, der die Rodelhang-Fläche gepachtet hat, gab grünes Licht, und tags zuvor, nachdem Wintersturm Elli abgeklungen war und reichlich Pulverschnee gebracht hatte, erfolgte zunächst das Verdichten der weißen Pracht auf dem Hang am Veilchenberg zwischen Lutter und Ostlutter mit dem Trecker.

Zwei Personen fahren auf einem aufblasbaren Flamingo talwärts.

Es muss nicht immer Schlitten oder Bob sein, um auf der Schneepiste den Hang hinunterzurutschen. Foto: Biener

Veilchenberg – schon der Klang des Namens war für einige ältere Lutteraner Musik in ihren Ohren... Denn als sie in den 1950er und 60er Jahren selbst Kinder waren, machten sie sich mit ihren Schlitten eben dorthin ebenfalls auf zum Rodeln. Doch irgendwann geriet die Rodelpiste bei vielen in Vergessenheit. Nun – nach so manchem ausgefallenen Winter ohne
Ein junges Mädchen fährt Snowboard.

Emma Klapproth saust mit ihrem Snowboard ins Tal. Foto: Biener

ausreichend Schnee – hieß es am legendären Hang wieder „Piste frei“. In Richtung Graffel setzte sich im Sonnenschein eine wahre Völkerwanderung in Gang. Über den Nachmittag verteilt dürften es mehrere Hundert gewesen sein, die dem Lockruf des Schneespaßes folgten. Vor Ort maßen sich bei Bilderbuchwetter die tollkühnen Piloten nicht nur mit Klassikern aus Holz auf Kufen. Zum Einsatz kamen ebenso Po-Rutscher, Bobs, aufblasbare Flamingos, Schwimmreifen, Snowboards oder Luftmatratzen. Den Weg zur Rodelgaudi im Lutteraner Winter-Wonderland hatte die Feuerwehr mit ihren Löschfahrzeugen geebnet, auf deren Rädern Schneeketten aufgezogen waren.
Vier Personen stürzen beim Rodeln.

Crash! Boom! Bang! So manch eine Fahrt endet für die Beteiligten im Schnee. Foto: Gereke

Dutzende stürzten sich in die Tiefe – noch viel mehr verfolgten an der Seite die rasanten Fahrten, wärmten sich mit Glühwein, Kinderpunsch oder an den aufgestellten Feuerkörben.
Schneeketten auf einem Fahrzeugrad.

Die Feuerwehr hat auf den Rädern ihrer Fahrzeuge Schneeketten aufgezogen. Foto: Gereke

Kleine Kollisionen im Zieleinlauf blieben folgenlos, berichtet der Ortsbrandmeister. Bis in den späten Nachmittag, als schon die Dämmerung hereinbrach, dauerte der Pistenspaß an. Für die, die gar nicht genug bekommen konnten, fuhr die Feuerwehr an einem ihrer Fahrzeuge sogar den Lichtmast aus, der einen Teil des Heimwegs beleuchtete.
Drei Personen rodeln auf einem Schlitten.

Testfahrten: Wie viele Personen finden auf einem Schlitten Platz? Foto: Gereke

Am Ende des Tages müssen dann wohl alle glücklich durch die Kälte nach Hause gestapft sein. Nach den unschönen Seiten des Wintereinbruchs von Verkehrsbehinderungen bis Räumpflicht kam die Kirsche auf die Sahne mit einem Wintertag aus dem Bilderbuch – auch ohne in höhere Gefilde fahren zu müssen. Der Lohn für die Mühe der Feuerwehrkameradinnen
Zwei Personen rodeln eine Schneepiste hinab.

Der Rodel-Nachmittag erfreut Klein und Groß. Foto: Biener

und -kameraden, in kurzer Zeit so etwas auf die Beine gestellt zu haben: Im Nachgang prasselten förmlich Lob und Daumen nach oben hernieder. „Ich fand die Aktion wirklich super. So etwas sollte es viel öfter geben – richtig schönes Dorfleben! Ich fand das großartig – und es war für Groß und Klein etwas dabei“, schwärmte die Lutteranerin Amelie Maryniok, die sich selbst auf dem Schlitten den Abhang hinabstürzte, noch am Montagmittag. Kein Wunder: Winterfreuden im Neiletal liegen lange zurück: Vor rund 15 Jahren sorgte eine Frostperiode mal dafür, dass der Mühlenteich für ein Eisvergnügen freigegeben werden konnte. Und bei einem Osterfeuer, als das Frühlingsfest im Schnee versank, bauten die Einsatzkräfte der Feuerwehr kurzerhand eine Eisbar.
Sonnenuntergang über schneebedeckter Landschaft.

Die Sonne verwandelt das Lutter-Becken in ein Winter-Wonderland. Foto: Gereke

Wer weiß, wann Lutter wieder einmal zu solch einem Pistenspaß zusammenkommen kann... Nach den Glatteis-Warnungen vom Montag soll es erst einmal wärmer werden – die weiße Pracht taut und ein erneuter Wintereinbruch dieser Dimension ist erst einmal nicht in Sicht. Aber wenn der Rahmen passt, würde die Feuerwehr wieder die Initiative ergreifen wollen. „Dann sind wir die letzten, die so etwas nicht unterstützen würden“, sagt Seifert und ergänzt: „Einige sprachen schon scherzhaft davon, dass wir uns im Dorf eine Schneekanone anschaffen sollten.“

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