Diese Bad Harzburger Gestütspferde schrieben Geschichte
Hymenaeus, der erste Harzburger Derbysieger, präsentiert sich 1872 nach seinem Rennen. Foto: Privat
Zwölf Granitsteine im Bad Harzburger Schlosspark erinnern an außergewöhnliche Hengste des Gestüts. Welche Geschichten verbergen sich hinter den eingravierten Namen?
Bad Harzburg. Wer durch den Schlosspark in Bündheim spaziert, stößt dort an mehreren Stellen auf Granitsteine mit eingravierten Namen. Sie erinnern an Hengste des Harzburger Gestüts, die Geschichte schrieben. Im vergangenen Jahr wurden die Denkmäler umfassend erneuert. Der Gestütsexperte Egon Knof nennt sie liebevoll „Ring der Legenden“. Im GZ-Gespräch sowie in seinem Buch „Gestüt Harzburg“ berichtet er, welche Geschichten sich hinter den zwölf Namen verbergen. Hier also Teil eins der neuen GZ-Serie „Galopp-Legenden“.
Heute ist das Gestüt Veranstaltungsort für verschiedene große Feste wie „Advent im Gestüt“. Foto: Helan GmbH
Das entscheidende Kapitel der Legenden auf den Gedenksteinen begann im 19. Jahrhundert unter Herzog Wilhelm, der von 1831 bis 1884 das Braunschweiger Land regierte, und dessen Namen bis heute auch eine zentrale Straße in der Bad Harzburger Innenstadt trägt. Ihm ist laut Knof unter anderem die Umwandlung der Anlage in ein „Herzoglich Braunschweigisches Vollblut-Gestüt“ zuzuschreiben. Darauf folgte eine Zeit herausragender Deckhengste und namenhafter Nachkommen.
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Herzog Wilhelm ist die Umwandlung des Gestüts zu einem „Herzoglich Braunschweigischen Vollblut-Gestüt“ zuzuschreiben. Foto: Privat
Hymenaeus: Ein erstes gutes Omen
Ab 1869 begann das Gestüt, neben Hengsten auch gezielt hochwertige Stuten zu erwerben. Eine besondere Rolle habe dabei die Engländerin Cantata gespielt, sagt Knof. Nicht nur brachten ihre Nachkommen sehr viel Geld ein. Sie führte beim Kauf auch ein Hengstfohlen bei Fuß: Hymenaeus.
1872 gewann er für seinen Besitzer Ulrich von Oertzen das Norddeutsche Derby in Hamburg-Horn, den Vorläufer des Deutschen Derbys. Mit etwas Wohlwollen könne Hymenaeus, obwohl er in England geboren wurde, also als erster Derbysieger aus Harzburg bezeichnet werden, sagt Knof. Von 1877 bis zu seinem Tod 1887 wirkte er als Deckhengst im Heimatgestüt, allerdings ohne in der Zucht große Akzente zu setzen.
Sein Andenken ist bis heute im Schlosspark zu sehen. Unter seinem Granitfindling, ebenso wie unter denen der Hengste Kisbér, Savernake und Emilius, sind laut Knof tatsächlich seine Gebeine bestattet. Später seien nur noch die Herzen der Pferde beigesetzt worden, bei den jüngsten Pferden habe man es dann bei den Gedenksteinen belassen.
Unterschätzter Champion Savernake
Zu den besonders erfolgreichen Deckhengsten zählte indes der aus England importierte Savernake. Groß, bildschön und mächtig wurde er beschrieben. Zahlreiche Rennsieger entstammten seiner Linie, obwohl Züchter ihm zunächst wenig Vertrauen entgegenbrachten.
Sein Trainer Alex Taylor hatte den 1863 geborenen Savernake laut Knof zu einem erstklassigen Rennpferd geformt. Doch in seinem Jahrgang habe es einen überragenden Gegner gegeben. Sowohl bei seinem Rennbahn-Debüt im Epsom-Derby 1866 als auch im Galopprennen St. Leger in Doncaster habe Savernake seinem Konkurrenten Lord Lyon um einen „kurzen Kopf“ unterlegen.

Ein Bild hält das knappe Rennen beim Epsom-Derby fest, bei dem Savernake, um einen „kurzen Kopf“ verliert. Foto: Privat

Der legendäre Deckhengst Savernake lebt von 1863 bis 1889. 1873 kommt er ins Gestüt. Foto: Raksch
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In Harzburg blühte Savernake plötzlich auf. 1873, 1874, 1879 und 1881 wurde er Deutscher Deckhengst-Champion. Unter anderem siegten seine Söhne Paul, Hochstapler, Brocken und Nickel im Gallopprennen „Großer Preis von Baden“. Allein die von ihm gedeckten Stuten aus dem Harzburger Gestüt zeugten etwa 60 Sieger mit 382 Siegen und 66 Ehrenpreisen. Savernake wirkte im Harzburger Gestüt als Deckhengst, bis er am 18. März 1889 einem Herzschlag erlag. Einer seiner Nachkommen erhielt im Schlosspark ebenfalls ein Denkmal.
Der Überflieger Nickel
Der überragende Sportler und Savernake-Sohn Nickel wurde 1887 vom Gestüt Harzburg aus der Mutterstute Gold Dust gezogen. Die zeitgenössische Fachzeitschrift „Der Sporn“ schrieb seinerzeit, der Fuchshengst sei „heute das beste Pferd.“ Nickel bestritt laut Knof 37 Rennen, gewann 16 davon, wurde neunmal Zweiter und achtmal Dritter. Ein wahrer Champion also.
Auch für die Zucht sei er prädestiniert gewesen. Er galt als harmonischer Hengst mittlerer Größe mit „glasklaren“ – gesunden – Beinen, trotz seiner intensiven Rennkarriere. 1894 kaufte das Gestüt ihn für 50.000 Mark zurück und setzte ihn als Deckhengst ein.

Neben den Gedenksteinen von Savernake, Nickel und Hymenaeus gibt es im Schlosspark noch neun weitere. Foto: Raksch
Neben Hymenaeus, Savernake und Nickel erinnern im Schlosspark noch neun weitere Gedenksteine an legendäre Gestütspferde. Welche Geschichten sich hinter diesen Namen verbergen, beleuchtet die GZ in den kommenden Teilen der Serie.
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