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GZ Plus IconHeizen im Winter: So geht es richtig und das sind die No-Gos

Eine Person dreht am Thermostat eines Heizkörpers.

Die richtige Einstellung am Thermostat ist entscheidend für einen möglichst geringen Energieverbrauch. Foto: Hauke-Christian Dittrich/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa

Wenn es draußen kalt wird, steigt der Energieverbrauch an. Dabei ließen sich Heizkosten oft ganz einfach reduzieren, mit diesen Tipps.

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Von Ronja Heinemann
Sonntag, 28.12.2025, 16:00 Uhr

Nordharz. Wenn im Winter die Temperaturen fallen, steigt in den Haushalten der Heizbedarf. Doch teilweise besteht Unsicherheit darüber, wie man als Eigentümer oder Mieter richtig heizt, ohne Energie zu verschwenden. Dabei zeigt sich immer wieder, dass sich viele Missverständnisse rund um Thermostate, Heizkörper und das richtige Lüften hartnäckig halten.

Beate Engel von der Energie-Ressourcen-Agentur Goslar zeigt, dass das richtige Heizen kein Hexenwerk ist. Schon kleine Veränderungen im Alltag können helfen, den Verbrauch deutlich zu senken, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.

Irrtum über Thermostat

Ein zentrales Thema dabei ist das Thermostat. Die Zahlen darauf sind keine Regelung dafür, wie heiß der Heizkörper wird, sondern geben an, welche Raumtemperatur erreicht werden soll. Die Skala ist grob abgestuft: Stufe 1 steht für etwa 12 Grad Celsius, Stufe 2 für rund 16 Grad, Stufe 3 für ungefähr 20 Grad, Stufe 4 für etwa 24 Grad und Stufe 5 schließlich für um die 28 Grad.

Viele Menschen drehen das Thermostat irrtümlich höher, weil sie glauben, so werde der Raum schneller warm.

„Das ist ein No-Go“, sagt Engel. Die Zahl am Thermostat bestimmt lediglich, wann das Ventil schließt. Wer also bei Kälte gleich auf Stufe 5 dreht, erreicht nicht schneller die Wunschtemperatur – er heizt nur über das Ziel hinaus und verbraucht unnötig Energie. „Wenn der Raum auf Stufe 5 nicht warm wird, dann muss es dafür eine Ursache geben.“

Wem Stufe 4 als Wohlfühltemperatur nicht reicht, der könne versuchen, sich mehr in der Wohnung zu bewegen, oder sich wärmer anzuziehen. Doch der Fehler kann auch leicht in der Wohnung oder im Haus liegen. Eventuell müssen die Heizkörper entlüftet werden. Schon ein wenig Luft im System kann die Wärmeleistung deutlich verringern und den Energieverbrauch erhöhen. Das Entlüften selbst dauert nur wenige Minuten, wird aber von vielen Haushalten vernachlässigt.

Gleichmäßig heizen

Empfohlen wird ein möglichst gleichmäßiges Heizen. Das starke Auf- und Abregeln über den Tag verteilt sei ineffizient, weil ausgekühlte Räume mehr Energie benötigen, um wieder warmzuwerden. Zudem speichern Wände und Möbel Kälte und sorgen dafür, dass sich der Raum trotz warmem Heizkörper nicht richtig behaglich anfühlt. Engel rät deshalb, die Temperatur nur moderat abzusenken, etwa nachts oder wenn niemand zu Hause ist.

In Wohnräumen gelten rund 20 Grad als guter Richtwert, in Schlafzimmern dürfen es etwas weniger sein, während Bäder nur zu den Nutzungszeiten wärmer eingestellt werden sollten. Der Flur sollte als Durchlaufzone gelten und nicht beheizt werden. Außerdem sollten die Türen zu den einzelnen Räumen geschlossen bleiben, damit sich die Luft nicht vermischt, so Engel.

Ein weiteres wichtiges Thema ist das Lüften. Besonders im Winter führt falsches Lüften häufig zu Energieverlusten und zu Feuchtigkeitsproblemen, die langfristig sogar Schimmel begünstigen können. Engel empfiehlt, regelmäßig stoßzulüften: mehrere Minuten bei weit geöffnetem Fenster, am besten zwei- bis viermal täglich. Auf diese Weise wird die feuchte Innenluft rasch ausgetauscht, während die Wände nicht vollständig auskühlen. Während des Lüftens sollte das Thermostat kurz heruntergedreht werden, damit die Heizung nicht gegen den Luftaustausch „anarbeitet“.

No-Go: Fenster auf Kipp

Das Fenster im Winter auf Kipp zu lassen, ist für Engel ein No-Go. So komme es zu einem Wärmeverlust, nicht zu einem Luftaustausch. Vor der Heizperiode sollte zusätzlich überprüft werden, ob die Fensterdichtungen in Takt sind, oder ob es an einer Stelle zieht. Außerdem können Rollläden an den Fenstern einen temporären Wärmeschutz in der Nacht bieten. Auch Vorhänge an einer älteren Haustür können Wunder wirken.

Die Platzierung der Möbel spielt beim Heizen eine größere Rolle, als vielen bewusst ist. Heizkörper können nur effizient arbeiten, wenn die Luft um sie herum frei zirkuliert. Auch auf die Gitter sollte nichts gelegt werden. Engel empfiehlt, nach oben und vorne einen Abstand von zehn Zentimetern einzuhalten.

Wer seine Heizgewohnheiten optimieren möchte, kann zudem von modernen Thermostatlösungen profitieren. Digitale und smarte Thermostate ermöglichen es, Temperaturen und Heizzeiten exakt auf den Tagesablauf abzustimmen. Das kann gerade in Haushalten hilfreich sein, in denen tagsüber niemand anwesend ist. Ein Thermostat, das die Wohnung aufwärmt, obwohl niemand Zuhause ist, verbraucht unnötig Energie. Gute Planung und ein Blick auf eigene Gewohnheiten sind entscheidend. Hauseigentümer könnten zum Beispiel die Heizkurve bei einer Wartung mit dem Zuständigen besprechen und eventuell anpassen.

Am Ende zeigt sich: Richtiges Heizen im Winter erfordert kein Spezialwissen. Wer bewusst heizt, regelmäßig lüftet und einfache Regeln berücksichtigt, schafft nicht nur ein angenehmes Raumklima, sondern kann seine Heizkosten reduzieren. Für individuelle Einschätzungen lohnt sich ein Gespräch mit einem Heizungsbauer. Besonders dann, wenn die Kosten ungewöhnlich hoch erscheinen oder die Heizungsanlage schon viele Jahre auf dem Buckel hat. Engel empfiehlt auch, sich Tipps oder eine Beratung bei der Verbraucherzentrale zu sichern.

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