Wie die Nazis in Goslar die deutschen Bauern feierten
Der Marktplatz ist voll von Gästen und Einheimischen: Tausende Teilnehmer sind zum Reichsbauerntag nach Goslar gekommen. Foto: Hermann Stumm/Stadtarchiv Goslar
Oliver Turk erforscht den Nachlass von Nazi-Reichsbauernführer Darré im Goslarer Stadtarchiv. Der Spurensuche-Vorsitzende hat erstaunliches Material zu Tage gefördert.

In Zivil: Reichsbauernführer Richard Walther Darré kommt in Goslar an. Er wird am Vorabend des Reichsbauerntags im Festsaal des Hotels „Der Achtermann“ zu Goslars Ehrenbürger ernannt. Foto: Hermann Stumm/Stadtarchiv Goslar
Symbolisches Zentrum der NS-Agrarpolitik
Zum historischen Hintergrund: Bereits 1934 wurde Goslar zum Sitz des Reichsnährstands bestimmt und rückte damit in den Fokus der nationalsozialistischen Agrarpolitik. Zwei Jahre später folgte 1936 die offizielle Ernennung zur „Reichsbauernstadt“. Bis 1938 blieb Goslar Austragungsort der Reichsbauerntage und festigte seine Rolle als symbolisches Zentrum der NS-Agrarpolitik.ZUR PERSON: OLIVER TURK
Autor der dreiteiligen GZ-Serie zum zweiten Reichsbauerntag, den die Nazis 1934 in Goslar abhielten, ist der Jerstedter Oliver Turk. Er ist 50 Jahre alt und seit Frühjahr 2022 Vorsitzender des Vereins Spurensuche Harzregion. Er folgte im Amt auf den Goslarer Geschichtspreisträger Dr. Peter Schyga, der im Mai 2008 an die Spitze des Vereins gewählt worden war.
Einer breiten Öffentlichkeit dürfte er durch die Friedhofsführungen bekannt sein, die er mit Erika Hauff-Cramer für den Verein organisiert. Seine Spezialthemen sind die Reichsbauernstadt Goslar, vor allem wenn es um die Hauptperson Walther Darré geht, den sogenannten Reichsnährstand und generell die Blut-und-Boden-Ideologie des Regimes.

Oliver Turk Foto: Heine (Archiv)
Neben seinem Spurensuche-Engagement ist Turk auch beim Goslarer Bündnis gegen Rechtsextremismus aktiv. Geboren und zur Schule gegangen ist er in Bad Harzburg.
Beruflich ist Turk in der freien Wirtschaft unterwegs und als Ausbilder stellvertretender Vorsitzender im Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer Braunschweig für Fachlageristen und Fachkräfte für Lagerlogistik. fh

Worte und Musik: Vor dem heutigen Hotel „Schiefer“ steht die Tribüne, auf der die Nazi-Oberen ihre Reden schwingen. Die Kapelle der SS-Leibstandarte Adolf Hitler spielt zwischendurch. Foto: Hermann Stumm/Stadtarchiv Goslar
Hakenkreuzflaggen prägen das Stadtbild
Während der Veranstaltung präsentierte sich Goslar im nationalsozialistischen Festgewand. Grüne Tannenzweige und zahlreiche Hakenkreuzflaggen prägten das Stadtbild. Am Eingang zur damaligen Adolf-Hitler-Straße (Rosentorstraße) entstand ein großer Torbogen, der die Bedeutung des Ereignisses zusätzlich betonte.
Durch diesen Bogen sollen sie kommen: Der Eingang zur Adolf-Hitler-Straße – heute Rosentorstraße – ist mit Tannengrün und Hakenkreuzen geschmückt. Foto: Hermann Stumm/Stadtarchiv Goslar

Parade auf der Adolf-Hitler-Straße: Auch das staatliche Militär wirkt im Programm mit. Foto: Hermann Stumm/Stadtarchiv Goslar
Weimar? Zu stark intellektuell
Die Wahl Goslars als Austragungsort erfolgte keineswegs zufällig. Nachdem der erste Reichsbauerntag noch in Weimar stattgefunden hatte und Darré diese Stadt als zu intellektuell und zu stark von der Goethe-Tradition geprägt empfand, suchte er gezielt nach einem Ort, der aus seiner Sicht „germanische Tradition, provinziellen Charakter und eine tiefe historische Verwurzelung“ vereinte.

Girlanden und Hakenkreuze: Auch der Bahnhof putzt sich zum Reichsbauerntag heraus. Foto: Hermann Stumm/Stadtarchiv Goslar

Mit Hitler-Gruß und in Uniform: Richard Walther Darré spricht als Reichsbauernführer auf dem Goslarer Marktplatz. Foto: Hermann Stumm/Stadtarchiv Goslar
Ehrenbürger und Kriegsverbrecher
Goslar bezahlt das Begräbnis von Nazi-Führer Richard Walther Darré
GZ-Serie zum Goslarer Kriegsende 1945
Wie die Deutschen mit den Kriegsverbrechen konfrontiert werden
Buch veröffentlicht
Die Bauernhochschule in Goslar: Ein Elite-Projekt der Nazis
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