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Hochwasserschutz im Nordharz

GZ Plus IconNeile-Aufweitung in Neuwallmoden: Hoffnung in strittigem Punkt

An einem Flussufer ragen Baumstuken in den Himmel.

Die Ortsmitte von Neuwallmoden hat sich verändert nach der Fällaktion: Wo sich einst hohe Bäume in den Himmel reckten, stehen jetzt nur noch Stuken an der Neile. Im Mai sollen die Erdarbeiten zur Aufweitung des Flusses beginnen. Foto: Gereke

Die Bäume am Ufer der Neile in Neuwallmoden sind weg. So geht es jetzt weiter beim Hochwasserschutzprojekt – und vielleicht auch in einem strittigem Punkt.

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Von Andreas Gereke
Mittwoch, 11.02.2026, 04:00 Uhr

Neuwallmoden. Die Mitte des Dorfes hat nun ein anderes Gesicht: Die Baumfällarbeiten entlang der Neile sind abgeschlossen, um das Bett des Flusses innerhalb von Neuwallmoden für mehr Hochwasserschutz aufweiten zu können. In einem bislang strittigen Punkt gibt es dabei neue Hoffnung.

Für das Bauprojekt mussten entlang der Ortsdurchfahrt knapp 70 Bäume weichen. Nach Abschluss der Baggerarbeiten ist aber das Pflanzen dutzender hochstämmiger Bäume und Sträucher oberhalb der neuen Berme – das ist die Bezeichnung für den Absatz, der ins östliche Böschungsufer eingezogen wird – geplant. Sie sollen dem Fortbestand der Fledermausleitlinie und der Verschattung am Gewässer dienen. Weitere Bäume sollen zudem außerhalb der Ortslage im Zuge der Ausgleichsmaßnahmen gepflanzt werden.

Ein Baum wird gefällt und kippt zur Seite.

Um die Neile innerorts von Neuwallmoden aufweiten zu können, ist das Fällen von rund 70 Bäumen im Uferbereich notwendig. Foto: Gereke

„Die Rodung der Wurzelstubben kann aufgrund der Schonzeit für Bilche erst ab Mai erfolgen. Denn in Bodennestern rund um die Baumwurzeln werden Bilche im Winterschlaf vermutet“, teilte Julia Steins, zuständig für Unternehmenskommunikation beim Wasserverband Peine, der die Arbeiten koordiniert, auf GZ-Nachfrage mit. Die Bauzeiten seien durch den Planfeststellungsbeschluss fest vorgegeben. Ab Mai erfolgen dann die Erdarbeiten für die Neile-Aufweitung. „Bis dahin werden auch weitere planmäßige Arbeiten zum Beispiel die Erneuerung einer Stützwand ausgeführt“, ergänzte sie.

Aufweitung auf fast 300 Metern Länge

Die Pläne sehen vor, dass die Aufweitung 23 Meter nördlich der Brücke beginnt – und zwar am östlichen Ufer auf einer Länge von fast 300 Metern. Bagger erstellen eine Berme, die einen mittleren Wasserspiegel der Neile beachtet, sodass kein Eingriff ins Gewässer erfolgen soll. Die Abtragstiefen betragen zwischen einem und 1,40 Meter. „Insgesamt ergibt sich eine Verbreitung der Neile auf Höhe der Geländeoberkante im Schnitt von rund 7 Metern. Die Sohle der Neile wird durch das Vorhaben nicht berührt, das heißt eine Vertiefung findet nicht statt“, hatte Marieke Düber, Sprecherin des Landkreises Goslar, der Genehmigungsbehörde, zu Beginn der Bauarbeiten erklärt.

Julia Steins: „Bis Ende August sollen die Bauarbeiten an der Neile in Neuwallmoden abgeschlossen sein. Die Baukosten betragen rund 600.000 Euro.“ Laut früheren Aussagen des Wasserverbands Peine soll die Neile-Aufweitung einen deutlichen Effekt für den Hochwasserschutz bringen. Die Wasserstandsabsenkungen bei einem statistisch auftretenden 100-jährlichen Ereignis betrage sechs bis acht Zentimeter, hieß es.

Baumstuken ragen aus dem Schnee, im Vordergrund ein Gelände, im Hintergrund die Absperrung des Baufelds.

Das Roden der Stuken am Neileufer kann erst ab Mai erfolgen, denn in Bodennestern werden noch Bilche (also Schlafmäuse) in ihrem Winterschlaf vermutet. Foto: Gereke

In Neuwallmoden werden rund 2600 Kubikmeter Boden während der Maßnahme bewegt. Die Berme wird schließlich mit einer Blüh-Rasen-Mischung, einer sogenannten Ufersaum-Mischung, begrünt. „Der anfallende Bodenaushub könnte zum Bau des Damms für das künftige Hochwasserrückhaltebecken am Steimkerbach verwendet werden, das haben die Untersuchungen ergeben“, informierte Langelsheims Bürgermeister Ingo Henze am Rande der Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr in Neuwallmoden. „Wenn ich hier bin, komme ich ja nicht umhin, auch zum Thema Hochwasserschutz Stellung zu beziehen“, leitete er seine Worte ein. Denn auf die Umsetzung von Projekten, die den verbessern sollen, warten die Neuwallmodener seit Jahren.

Schnappatmung im Dorf an der Neile

Und so nannte er denn auch das ganze Prozedere ein „zähes Geschäft“. Das hatte, bei Vorstellung der aktuellen Pläne im vergangenen Sommer, in einem Punkt in Neuwallmoden allerdings für Schnappatmung gesorgt. Jetzt aber zeigte sich Henze „vorsichtig optimistisch“, dass es doch nicht so schlimm kommen könnte. Es geht um die Errichtung einer 2,50 Meter hohen und 120 Meter langen Lichtschutzwand entlang der Neile, die die Fledermäuse vor optischen Effekten von der Landesstraße schützen soll – es war eine Bedingung der zuständigen Behörde und ist planfestgestellt worden.

Das Problem sind dabei aber nicht die Scheinwerfer der Fahrzeuge, sondern die Straßenbeleuchtung. Die aber wird in nächster Zeit im Gebiet der ehemaligen Samtgemeinde Lutter auf LED-Technik umgerüstet. Heißt: Der Lichtkegel fällt punktgenauer nach unten, das Licht streut viel weniger. „Wir sind dazu in Gesprächen mit dem Landkreis und haben dort in dieser Frage einen Vorstoß gewagt“, erklärte Henze. Seine Hoffnung: Mit dem Einsatz von LED-Technik ließe sich die Lichtschutzwand von einer einst geforderten Höhe von 2,50 Meter auf nur noch 1,10 Meter schrumpfen. „Das wäre in etwa die Höhe des Geländers entlang der Neile an der Landesstraße.“

An einem Stamm hängt ein Fledermauskasten.

Um den Artenschutz beim Projekt Neile-Aufweitung zu gewährleisten, erfolgten schon viele Arbeiten – wie beispielsweise das Aufhängen von Fledermauskästen, um alternative Quartiere zu schaffen. Foto: Gereke

Die Neile-Aufweitung bezeichnete er als „einen von drei Bausteinen“ für mehr Hochwasserschutz für das von Fluten geplagte Neuwallmoden. Das zweite Projekt ist das geplante Hochwasserrückhaltebecken Steimkerbach südlich von Lutter. Der Wasserverband Harz-Heide hatte Ende vergangenen Jahres dem Landkreis Goslar den geplanten Antrag zur Vorabstimmung übersendet. „Der Landkreis prüft derzeit die Unterlagen. Wir warten täglich auf eine Rückmeldung“, erklärte Henze. Die Grundstücksfragen seien längst geklärt, „ich hoffe, dass wir nächstes Jahr ins Bauen kommen.“ Am Steimkerbach soll ein Hochwasserrückhaltebecken mit einem Volumen von 61.900 Kubikmeter bei Volleinstau werden. Der Damm soll 5,50 Meter hoch und 300 Meter lang werden. Die Fertigstellung soll spätestens Ende 2027 erfolgt sein.

Der dritte Hochwasserschutz-Baustein ist übrigens ein weiteres Rückhaltebecken – allerdings soll es an der Neile in Höhe Nauen entstehen. Bei diesem Projekt gibt es nichts Neues zu vermelden – es bleibt vorerst eine Vision. „Um das dritte Teilprojekt verwirklichen zu können, fehlen die Flächen – und es gibt derzeit auch keine Förderung“, erklärte Henze auf GZ-Nachfrage.

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