Zähl Pixel
Luftschutzanlage im Harz entdeckt

Relikt aus dem Weltkrieg: 20 Meter langer Deckungsgraben in Quedlinburg

Blick in einen Betongraben, der als Luftschutzbunker diente.

Blick in den Luftschutz-Deckungsgraben bei Quedlinburg. Am hinteren Bildrand ist unter der Decke ein Lüftungsschacht zu sehen. Foto: Landesamt für Denkmalpflege

Bei Arbeiten für ein Einfamilienhaus in Quedlinburg wurde ein Luftschutz-Deckungsgraben aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Die Anlage wurde dokumentiert und wird überbaut.

author
Von Oliver Stade
29.07.2026, 15:00 Uhr

Quedlinburg. Bei Erdarbeiten für den Bau eines Einfamilienhauses wurde in Quedlinburg ein Luftschutz-Deckungsgraben aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt nahm das massive Bauwerk in Augenschein und dokumentierte den Bau mit Fotos.

Der Bunker, der sich auf einem privaten Baugrundstück befindet und überbaut wird, nimmt inklusive Seitenarme eine Fläche von 20 mal 14 Metern ein, er befindet sich rund 600 Meter von der Altstadt entfernt und liegt an der Kante eines Bergsporns mit Blick auf die Altstadt.

20 Meter lang

Nach Beginn der Bodenarbeiten zeigte sich zunächst die Abdeckung eines rund 2,50 Meter breiten Betongewölbes. „Schnell wurde klar, dass es sich um einen ungefähr 20 Meter langen Deckungsgraben handelte“, schreibt das Landesamt in einer Mitteilung.

Das Bauwerk besteht aus Stampfbeton, der durch Druckstöße bearbeitet wird, und ist zwei Meter hoch. Fünf Öffnungen in der Decke sollten für die Belüftung sorgen. Als die Anlage genutzt wurde, war sie vermutlich durch Aufschüttungen verdeckt. Daraus ragten mit Metallrohren versehene Lüftungsschächte heraus, heißt es weiter.

Splittergräben, wie die Deckungsgräben auch genannt werden, sollten vor Trümmern, Splittern und Gaseinwirkung schützen. Unter günstigen Bedingungen konnten solche Gräben gegen verschiedene Bomben Sicherheit bieten, ist auf Wikipedia zu lesen. Die Gräben hätten aber nicht „die Sicherheit eines echten Luftschutzbunkers“ bieten können.

Zu DDR-Zeiten wurde der Graben größtenteils verfüllt, berichtet das Landesamt für Denkmalpflege. Auf dem Gelände entstand ein Spielplatz. „Die Anlage geriet in Vergessenheit“, heißt es weiter.

Nur etwas Schutz

Nach Einschätzung der Behörde ist der Deckungsgraben ein „weiteres Beispiel für die Organisation von Luftschutzmaßnahmen im Zweiten Weltkrieg“. Wörtlich schreibt die Pressestelle des Landesamtes: „Aus heutiger Sicht ist es schwer nachzuvollziehen, wie sich Menschen bei realen Bedrohungssituationen in einem solchen Deckungsgraben gefühlt haben müssen.“ Einerseits hätten sie „eingepfercht zumindest etwas Schutz“ gehabt, dennoch seien sie „Bombentreffern schutzlos ausgeliefert“ gewesen.

Blick auf eine Betonkonstruktion, einen Luftschutzbunker. Zu sehen ist eine Öffnung, die als Lüftungsschacht diente.

Das Bild zeigt einen der Lüftungsschächte der Luftschutzanlage. Foto: Landesamt für Denkmalpflege

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!