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Moment mal: Politik in der Küche

GZ Plus IconKochen mit dem Landrat: Wie das wohl Goslars Schülern schmeckt?

Fünf Personen mit Schürzen stehen in einer Küchenzeile. Vier hören zu, wie einer spricht.

Kuscheln am Herd: Landrat Dr. Alexander Saipa (2.v.r.) und Erster Kreisrat Frank Dreßler (r.) kochen mit dem Kreisschülerrat. Foto: GZ-Screenshot

Heimelig am Herd: Landrat Saipa schwingt auf Instagram mit dem Kreisschülerrat den Kochlöffel. Was GZ-Redakteur Frank Heine nicht zum Kochen, aber zum Nachdenken bringt.

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Von Frank Heine
Mittwoch, 25.02.2026, 04:00 Uhr

Goslar. Was richtet denn Goslars Landrat Dr. Alexander Saipa zusammen mit seinem Stellvertreter Frank Dreßler da an? Der promovierte Chemiker schwingt auf Instagram aktuell den Kochlöffel und rührt gemeinsam mit dem Kreisschülerrat am Herd der Liebenburger Oberschule im Eintopf. Nun muss ein Journalist nicht immer in jede Suppe spucken – und das Ergebnis wird bestimmt lecker und schmeckt wahrscheinlich besser als so manch kilometerweit angeliefertes Mensaessen. Aber was lehrt uns die gutgemeinte und zweifelsohne dialogfördernde Aktion?

Erstens: Im Wahljahr darf der Chef auch mal die Teppichetage verlassen und sich im Küchenkeller blicken lassen. Kontakt zur jugendlichen Basis ist immer begrüßenswert und hat noch nie geschadet.

Die bayerische Carnivore

Zweitens: Es geht beim Thema Essen auch anders als in Bayern, wo ein raubauziger Ministerpräsident und Carnivore (Latein für Fleischfresser – wir sind ja im Bildungsprogramm) gern herzhaft unterwegs ist. Goslar kommt bei der Kulinarik kultivierter als der Süden der Republik daher. Aber irgendwo ist Markus Söder auch ein Stück weit authentischer und ehrlicher, wenn er mit seiner CSU den Kindern und Jugendlichen die digitalen Medien offenhalten will. Denn wenn es nach Saipas Bundes-SPD geht, stünde sein Kochkurs erst für Menschen ab 14 Jahren im Programm.

Drittens: Augen auf bei den Zutaten! Dieser Ratschlag geht in erster Linie an die Schülervertreter in der Küche, die sich durch gemeinsame Schnippel-Erlebnisse und lockeres Pfannenschwenken nicht einlullen lassen dürfen. Zwar sollte in der Kommunalpolitik, wo sich alle jeden Tag wieder in die Augen schauen müssen, schon immer die Regel gelten, dass nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Bei manchen Fragen darf aber auch gern die Küche kalt bleiben, wenn die Köche ganz unterschiedliche Menüvorstellungen haben.

Echte Besserwisser und lasche Korrekturen

Viertens: Wo das, bitte schön, vorkommen soll? Beispiele hat es zuletzt genug gehabt. Gerade an seiner alten Schule hatte der Wind dem CvD-Absolventen Saipa direkt ins Gesicht geblasen, als er zuerst im neuen Schulzentrum von Abiturienten organisierte Partys verbieten wollte und später seine Schulbehörde eine falsche CvD-Obergrenze durchpaukte. Da war es durchaus bemerkenswert, wie CvD-Schülersprecher wie Julian Heger und Amy Deetz beim Feiern oder der frühere CvD-Direktor Martin Ehrenberg beim Deckeln konsequentes Kontra gaben. Die unbequemen Rechthaber sind aber Schulvergangenheit. Jetzt steht Mohamed Rabhia vom CvD-Gymnasium mit in der Küche und ganz vorn am Herd – und behält bei den Landrat-Rezepten hoffentlich alle Augen offen. Wer etwa die Begründung zur aktuell neu festzulegenden CvD-Obergrenze liest, wünschte sich schon mehr Klarheit, weil die frühere Mengenangabe schlicht falsch gewählt war – das darf man auch mal so deutlich schreiben.

Kanzler-Taschen und Junks Frisiereinheiten

Fünftens: Digitale Medien werden sicherlich immer wichtiger, sind aber keine Garantie für einen Wahlsieg. Wer es nicht glaubt, kann gern die Aktentasche von Ex-Kanzler Olaf Scholz fragen oder sich vom früheren Goslarer Oberbürgermeister Oliver Junk frisieren lassen. Der Halberstädter Professor, der jetzt die Region Hannover als neue Herzensangelegenheit entdeckt hat und schon lächelnd 96-Heimspiele besucht, hatte 2021 auf Friseur-Weisheiten im Podcast gesetzt und Haar-Profi Sabine Kunze Goslars politische Welt erklärt, bevor er von seiner Gegenkandidatein Urte Schwerdtner glattrasiert wurde. Aber jeder verdient (s)eine zweite Chance im Leben, erstmals gegen eine SPD-Kandidatin zu gewinnen.

Mehr Dunkel ins Goslarer Bildungslicht

Sechstens: Kochen hilft dem Image, schnelles Handeln den Schulen. Nun ist dem Landkreis gewiss nicht vorzuwerfen, dass er zu wenig für Bildung ausgibt. Aber statt Gemüse in einen Topf zu werfen, sollte Saipa lieber ruckzuck für mehr Dunkel im Goslarer Schulalltag sorgen. Denn wo die Kreide- und Tafelzeit vorbei ist, stört ungehindert einströmendes helles Licht beim klaren Blick im Klassenzimmer. Ein weiteres Problem, das im Digitalzeitalter auftaucht.

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