Gandersheimer Bürger schafften Blühbänke wieder ab
Die letzte ihrer Art: Kindergartenkinder pflanzen im Frühjahr Samen in das Beet, damit die grüne Bank ihren Zweck beibehält. Foto: Heinemann
Die Stadt Goslar will für 60.000 Euro begrünte Bänke für die Innenstadt anschaffen. Ob die Gelder nicht an anderer Stelle besser aufgehoben seien, stand im Raum. Im Nachbarlandkreis Northeim gab es ein ähnliches Projekt schon, mit mäßigem Erfolg.
Bad Gandersheim/Goslar. Für 60.000 Euro will die Stadt Goslar drei begrünte Doppel-Bänke kaufen. Ob das eine zu hohe Investitionssumme ist oder tatsächlich eine Aufwertung der Innenstadt, bei der Frage scheiden sich die Geister. Im Nachbarlandkreis Northeim hatte die Kurstadt Bad Gandersheim 2022 ähnliche Bänke angeschafft. Sie behielten ihren Charme aber nur ein knappes Jahr.
Zur Landesgartenschau wollte die Stadt Bad Gandersheim, damals unter der Bürgermeisterin Franziska Schwarz (SPD), die Innenstadt aufwerten, grüne Akzente setzen und Sitzmöglichkeiten schaffen. Ein großer Punkt war damals aber auch: Leerstände verstecken. Denn davon gab es in der Moritzstraße einige.
Fünf große Bänke stellte die Stadt damals auf. Die Sitzmöglichkeiten aus Holz waren nach hinten erweitert mit einem Beet und darin war ein Rankgitter befestigt. Gleich nachdem die Bänke ihren Platz gefunden hatten, wurden sie mit einigen kleinen Blumen bepflanzt und setzten einen bunten Akzent in der Innenstadt.
Falsch bepflanzt
Nur einen knappen Monat nach dem Aufstellen gab es erste Kritik: Das angebrachte Rankgitter sollte dazu beitragen, die Leerstände zu verdecken und die Bank natürlich noch grüner machen. Doch keine der gesetzten Pflanzen brauchte ein Rankgitter und wuchs auch nicht in die Höhe. Privatleute, denen das ein Dorn im Auge war, machten sich damals auf den Weg und pflanzten Tomaten und Bohnen in die Beete, die an den Gittern hochwuchsen.

Bepflanzte blaue Tonnen stehen nun in der Fußgängerzone und setzen einen farblichen Akzent. Foto: Heinemann
Um ein Jahr ist die Landesgartenschau damals verschoben worden – von 2022 auf 2023. Bis zum Beginn des Großevents hielten die Blühbänke aber nicht durch. Sie wurden nicht richtig gepflegt, die Blumen hörten nach kurzer Zeit auf zu blühen und es sammelte sich der Müll um die Bänke und in den Beeten selbst. Viele Gandersheimer fanden sie auch einfach zu groß. Mitglieder der „Moritzsträter Nachbarschaft“, die sich um eine schöne Innenstadt bemühen, meinten, sie würden eher die Blicke auf sich ziehen und auf die Leerstände dahinter, als sie zu verstecken.
Tonnen statt Bänke
Die Vertreter der Moritzsträter Nachbarschaft hatten eine andere Idee, um die Innenstadt zu begrünen. Sie besorgten sich blaue Tonnen, stellten sie an mehreren Orten auf und ließen sie von einem örtlichen Gärtner bepflanzen. Zu jeder Jahreszeit sind darin die passenden Pflanzen zu finden. Doch die Blühbänke mussten für dieses Vorhaben weichen. In einem Brief an die Bürgermeisterin erklärten die Vertreter der Verschönerungsaktion ihr Anliegen. Anfang 2023 verschwanden die Bänke und die Tonnen zieren nun die Straße. Eine der Bänke ist noch an einem Kindergarten zu sehen und wird von den kleinen Gärtnern dort jedes Jahr wieder bepflanzt.
In der Moritzstraße stehen seitdem fast zehn blaue, bepflanzte Tonnen. Ob diese mehr zu der Verschönerung der Innenstadt beitragen, als die Blühbänke, entscheidet jeder selber. Zumindest halten sie ihre Plätze schon länger als die Bänke.