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Rat verweist auf frühere Erfahrungen

GZ Plus IconGoslarer Klima-Personalie: Verbranntes oder gut angelegtes Geld?

Ein Mädchen sitzt auf einer Holzbank mit grün bewachsenen Seitenwänden in einem belebten Innenhof

„Vertikale Gärten“ im Goslarer Sommer: Drei Exemplare fürs Zentrum kosten die Stadt wenig, den Steuerzahler insgesamt viel Geld. Foto: Hartmann (Archiv)

Goslar sucht einen Klimaanpassungsmanager. Der Rat stimmte für die geförderte Stelle. Mit Bauchschmerzen deshalb, weil frühere Erfahrungen ungute Gefühle wecken.

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Von Frank Heine
Donnerstag, 29.01.2026, 13:00 Uhr
Die Stadt Goslar will einen Klimaanpassungsmanager einstellen. Der Arbeitsplatz ist bis Ende 2028 befristet und wird mit fast 90 Prozent Fördergeld aus dem Bundesumweltministerium gefördert. Der Rat stimmte am Dienstagabend nach langer Debatte und viel Bauchschmerzen zu. Nur die AfD und die Bürgerliste votierten mit Nein.

„Dummheit“ und „Ausreißer“

Warum die Bauchschmerzen? Auf den Punkt gebracht: Weil eine Stelle (Steuer-)Geld kostet, der Haushalt tiefrote Zahlen schreibt und ein vormaliger Klimaschutzmanager für die Politik offenkundig als abschreckendes Beispiel gilt, wie man seine Arbeit verrichten kann. Dirk Straten (AfD) erkannte „zu viele Schulden“ und in der Verwaltung „genug Stellen, die das machen können.“ Sabine Seifarth (Grüne Partei 42) bescheinigte Stratens Änderungsantrag „Dummheit“, sah aber auch Stefan Eble als „SPD-Ausreißer“ und einen „unsinnigen“ Antrag zur Berichtspflicht.

Henning Wehrmann (Bürgerliste) wähnte den Klimaschutz schon abgeschrieben, wenn man nur noch anpassen könne. Der Bau-Apparat in der Verwaltung werde aufgebläht und Geld der Steuerzahler verbrannt. Klimaschutz sei mehr als „begrünte Sitzbänke oder Stadtradeln.“ Die Stadt hatte drei „vertikale Gärten“ fürs Zentrum gekauft. Kostenpunkt: 60.000 Euro, von denen 90 Prozent der Bund zahlte.

„Unrühmliche Erfahrungen“

Letzter Wehrmann-Hinweis zielte auf den früheren Klimamanager. „Unrühmliche Erfahrungen“ hatte auch Christian Rehse (FDP) an dieser Stelle ausgemacht und bestätigte Wehrmanns Ausführungen einen „ernsten Kern, wenn man die Polemik weglässt“. Eble erklärte, man könne in Zukunft Geld sparen, und die Berichtspflicht sei notwendig – eben wegen der Erfahrungen mit der vorherigen Stelle. Die von Gerichten als „gesichert rechtsextrem“ eingestufte AfD lehne Klimaschutz im Bundesprogramm ab, die Goslarer Alternative solle deshalb nicht Geldsorgen vorschützen.

„Antwort ist lächerlich“

Mehr als die Bänke in der Fußgängerzone mahnte auch Norbert Schecke (CDU) an, bevor Bau-Geschäftsbereichsleiter Thomas Malnati und Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner (SPD) einsprangen und den früheren Mitarbeiter in Schutz nahmen. Er habe Erfolge erreicht – „definitiv mehr als die drei Bänke“, sagte Schwerdtner und verwies auf eine schriftliche Antwort auf eine Grünen-Anfrage. Was wiederum Rüdiger Wohltmann (Linke) von seinem Sitz abheben ließ: „Diese Antwort ist wirklich lächerlich und alles völlig unzureichend.“ Die Überschrift könnte lauten: „Wir haben schon mal von Klimaschutz gehört.“

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