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Gesellschaft geht mit der Zeit

GZ Plus IconBraunlage: KI koloriert historische Fotos für neuen Kalender 2026

Jörg Kühnhold, Vorsitzender der Museumsgesellschaft Braunlage, lächelt in die Kamera, während er den mit KI erstellten Kalender hochhält.

Vorsitzender Jörg Kühnhold zeigt das Monatsblatt März des Kalenders der Museumsgesellschaft. Foto: Eggers

Bei der Erstellung des Kalenders greift die Museumsgesellschaft auch auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz zurück. In welcher Form erklärte jetzt der Vorsitzende.

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Von Michael Eggers
Mittwoch, 05.11.2025, 04:00 Uhr

Braunlage. Ein altes Schwarz-Weiß-Foto erwacht zu neuem Leben: Wo früher graue Schienen und blasse Häuser die Braunlager Bode säumten, leuchten nun warme Farben – so, als hätte jemand der Vergangenheit einen frischen Anstrich verpasst. Jörg Kühnhold, Vorsitzender der Museumsgesellschaft Braunlage, blättert im neuen Jahreskalender 2026 und staunt: „Die Künstliche Intelligenz (KI) hat das Bild in einer Qualität koloriert, die uns wirklich überrascht hat.“ Der Verein hat bei der Erstellung dieses Kalenders die KI gleich mehrfach eingesetzt. Am Dienstag wird er öffentlich vorgestellt.

An diesem Tag lädt die Gesellschaft wahrscheinlich erstmals zu einer abendlichen Öffnung ins Heimat- und Skimuseum ein. Von 17 bis 20 Uhr ist die Einrichtung geöffnet. „Wir wollen damit vor allem die Einheimischen erreichen“, sagt Kühnhold, der unter anderem eben den neuen Kalender präsentieren und zum Kauf anbieten will.

Fotos nicht verfälschen

Erstmals hat der Verein die KI bei der Erstellung des Druckwerks eingesetzt. Im Fall des März-Bilds ist ein historisches Schwarz-Weiß-Foto von der Bode, der oberen Harzburger Straße und der Wurmbergstrecke der Südharzeisenbahn koloriert worden. Doch der Einsatz der KI lief nicht immer reibungslos. Beispielsweise ist im Oktober-Bild eine Dampflok der Südharzeisenbahn zu sehen, die rückwärts mehrere Güterwaggons an den Bodewiesen vorbeizieht. „Die KI dachte dabei wahrscheinlich, irgendwas stimmt da nicht“, erzählt der Vorsitzende. Denn plötzlich fuhr die Lok vorwärts. Doch die Museumsgesellschaft wollte das Bild so nicht haben. Das, was auf dem Foto zu sehen sei, sollte nicht verfälscht werden, sondern nur koloriert.

Farbfotos waren aber auch schon vor dem Ersten Weltkrieg beliebt, und so hatten auch die Fotografen zu der Zeit schon ihre Bilder koloriert, wie auf dem Juli-Bild am Platz vor dem ehemaligen Hotel „Brauner Hirsch“ zu sehen ist. Weitere Fotos in dem Kalender zeigen Skispringen von der Wurmbergschanze, die Braunlager Wintersportwochen, die Trinitatiskirche in den 1930ern, das einstige Brunnenausschank-Häuschen im Kurpark, das Pensionshaus von Oberförster und Museumsgründer Arthur Ulrichs in der Lauterberger Straße, einen Holzkohlenmeiler in den 1920ern, ein Foto vom Kartoffelroden aus dem September 1951, die Kamelfichte an der Achtermannshöhe und vom Skijöring an der Wiethfelder Straße.

Tee und Gebäck am Abend

Und die Gesellschaft hat die KI nicht nur die Fotos bearbeiten, sondern auch den Grußtext schreiben lassen. „Das klingt zwar ein wenig schwülstig“, findet Kühnhold, aber man müsse mit der Zeit gehen. Der Kalender ist zum Preis von 14,90 Euro am Dienstag, 11. November, während der abendlichen Öffnungszeit im Heimat- und Skimuseum sowie in der Buchhandlung Bonewitz, der Stadtbücherei und der Tourist-Info erhältlich.

Das Foto zeigt den Stempel unter dem Original-Motiv Bild der Ortsmuseums Braunlage.

Der Heimatmaler Ferdinand Thomas gehört neben Oberförster Arthur Ulrichs zu den Gründern des Museums und hat dazu 1916 ein Bild gemalt, das auch auf dem Sonderstempel zu finden ist. Foto: Eggers

Und bei der abendlichen Öffnungszeit gibt es nicht nur den neuen Kalender, sondern auch einen Sonderstempel aus dem Jahr 1916 nach einem Bild, das der Braunlager Heimatmaler und Mitgründer des Museums, Ferdinand Thomas, von der Achtermannshöhe gemalt hat. Außerdem können sich die Besucher bei Kerzenschein, Tee und Gebäck die Ausstellungen im Museum ansehen und sich über die Geschichte informieren. Der Eintritt ist an diesem Abend übrigens frei.

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