Plus in der Pfalz, aber ein dickes Minus für das Goslarer Museum
Wahrzeichen, Schmuckstück und begehrte Kulisse: Im Rücken von Kaiser Friedrich Barbarossa nutzt nicht nur der Verkehrsgerichtstag liebend gern den historischen Charme der Goslarer Kaiserpfalz. Foto: Swen Pförtner/dpa
Leicht nach oben in der Pfalz, tief nach unten im Museum: 2025 entwickelten sich die Besucherzahlen unterschiedlich. Wie das kommt und was Hoffnung gibt, weiß die GZ.
Goslar. Ein leichtes Besucher-Plus in der Kaiserpfalz und ein dickes Minus im Goslarer Museum: Die Zahlen für zwei Goslarer Kultureinrichtungen fallen 2025 ganz unterschiedlich aus. Woran liegt das? Und was verspricht das neue Jahr?
Für Kultur-Fachdienstleiterin Marleen Mützlaff zeigen die Zahlen fürs Goslarer Wahrzeichen eine „stetige Entwicklung bergauf“ und einen weiteren Schritt in der „fortlaufenden Erholungsphase nach Corona“. 77.387 Menschen besuchten im Vorjahr die Kaiserpfalz – das waren noch einmal 1,8 Prozent oder 1385 Personen mehr als im Jahr davor, als 76.002 kamen. Da war die Steigerung zu 2023 mit mehr als 11.000 Menschen oder 17 Prozent aber auch üppig ausgefallen. Zum Vergleich: 2019 hatten sich vor Corona 72.752 Menschen bei Goslars Kaisern daheim angemeldet.Galaktische Nacht für Star-Wars-Fans
Goslarer Museum und Kaiserpfalz melden hohe Besucherzahlen
Abhängigkeit vom Tagestourismus
Vielleicht stößt Goslar an dieser Stelle an Grenzen, weil die Pfalz an sich ein Schmuckstück ist, das für viele Veranstaltungen gebraucht wird, aber zahlenden Besuchern innen selten Neues bieten kann? Für Mützlaff gibt es jedenfalls eine enge Abhängigkeit vom Tagestourismus, die sich etwa auch am Rammelsberg absehen lasse. Das Welterbebergwerk, das gerade erst für 2026 einen neuen Besucherrekord mit 125.681 Gäste und ein Plus von 2,4 Prozent vermeldet hat, aktuell aber personell an allen Fronten gefordert ist, kann aus Sicht von Mützlaff aber noch mehr mit seinem Erlebnis-Charakter punkten.
Welterbe-Museum auf Kurs
Besucherrekord am Rammelsberg in Goslar
Grundsätzlich gilt aber: Wenn viele Menschen in der Stadt sind – und das gerade zu Ferienzeiten –, herrscht hier wie dort auch viel Betrieb. Am Welterbetag und zum Tag des offenen Denkmals mit teils kostenlosen Führungen und Vorträgen gehen die Pfalz-Zahlen in die Höhe. Sonst sind in erster Linie der Oktober und die Sommermonate von Mai bis August die besucherstärksten Zeiten. Zu Jahresbeginn ist im Januar und Februar eher Flaute angesagt – auch keine ganz neue Erfahrung.
Satte 41 Prozent weniger
Übrigens gilt diese Tendenz auch für das Goslarer Museum. In dessen Räume im Kulturmarktplatz verirrten sich im Vorjahr nur 4880 Besucher. 2024 hatten noch stolze 8265 Gäste vorbeigeschaut. Ein Minus von 3385 Personen oder 41 Prozent. Der Vergleich ist aber nicht nur deshalb unfair, weil von Mai bis Oktober 2024 das galaktische Goslar alle Erwartungen übertraf. Die Sonderausstellung ließ viele Star-Wars-Fans nach Goslar pilgern und war ein echter Besucher-Magnet. Auch hier keine wirklich neue Erkenntnis: Ist das Sonder-Programm stark, steigen die Zahlen – der vor gut fünf Jahren verstorbene Cartoonist und Goslar-Fan Uli Stein lässt grüßen. Er war mehrfach mit Arbeiten im Museum präsent.
Mit dem Mäuse-Zeichner und den Sternenkriegern jedenfalls konnte die 2025er Ausstellung „Teekultur und Bürgerlichkeit im 19. Jahrhundert“ bei weitem nicht mithalten. Da ging es zum einen um Tee-Gewohnheiten an, aber eben auch eine gelebte Demokratiekultur. Früher waren die von Frauen geführten Teesalons nämlich oft das Umfeld für politische Diskussionen des Bürgertums. „Wir wollten da Flagge zeigen, und ich halte das Thema persönlich auch für sehr wichtig“, erklärt Mützlaff und meint die Ansage ausdrücklich nicht parteipolitisch. Bei allen hehren Vorsätzen: Das Thema erwies sich als schwergängig.
Die neue Sonderausstellung öffnet am 6. Juni: Dr. Jan Habermann, Marvin Voges, Amelie Heger, Kai Wilhelm und Marleen Mützlaff (v.l.) freuen sich auf besondere musikalische Zeiten im Museum. Foto: Büsching (Archiv)
Eine handsignierte Gitarre von Iron Maiden
Das soll sich in diesem Jahr aber schon wieder ändern. Mützlaff verbindet mit der neuen Ausstellung „Kaiser, Kult & Krach“ jede Menge Hoffnungen auf eine ausgeprägte Publikumswirksamkeit. Nicht nur, weil Macher wie Marvin Voges und Dr. Jan Habermann als städtische Kulturverantwortliche tiefe Verbindungen in die Hardrock- und Metal-Szene haben. Sondern weil sich ganz viele Menschen mit ihren Geschichten und ihren Stücken einbringen konnten. So viel sei verraten: Wer kann schon mit einer handsignierten Iron-Maiden-Gitarre aufwarten?
Die neue Präsentation bringt Geschichte und Gegenwart des Hardrock und Metal auf die Bühne im Kulturmarktplatz und erzählt in 66 Geschichten Entwicklung und Faszination dieser Musik. Sie hat Generationen geprägt und bewegt – auch in Goslar und im Harz. Die Eröffnung ist – na klar – am 6.6.26. Was passte besser? Mützlaff freut sich jedenfalls schon auf den Juni.Galaktische Nacht für Star-Wars-Fans
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Brandschutz und (k)ein Ende
Im Sommer sollen übrigens auch und jetzt wirklich die Arbeiten rund um den Brandschutz im Museum beendet sein. Seit zwei Jahren haben sie – bei aller unbestrittenen Notwendigkeit – auch den Betrieb des Hauses räumlich und zeitlich eingeschränkt. Einzelne Räume waren nicht immer erreichbar, manchmal musste das Haus aber auch zusätzliche Schließtage einlegen. Im letzten Punkt tat die (dünne) Personaldecke ihr Übriges.
Neue Sonderausstellung ab Juni 2026
„Kaiser, Kultur & Krach“: Der Sommer in Goslar wird lauter denn je
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