Was nun im Kaiserpfalzquartier? Tessners Ausstieg als Investor
Blick auf die Brachfläche im Kaiserpfalzquartier: Wie es nach dem Tessner-Ausstieg weitergeht, steht in den Sternen. Foto: Privat
Im August steht das 70-Millionen-Euro-Projekt im Kaiserpfalzquartier vor dem Aus. Stadt und Politik halten an Hotel- und Stadthallenplänen fest
Die Bombe platzt am Ende der Sommerferien. Im August gibt Hans-Joachim Tessner bekannt, dass er als Investor beim Projekt Kaiserpfalzquartier aussteigt.
Damit löst der Ehrenbürger zunächst eine politische Schockstarre in Goslar aus. Seinen Rückzug aus dem 70-Millionen-Euro-Projekt begründet Tessner vor allem mit „Gräben in der Bürgerschaft“, die das Thema Pfalzquartier in einem Maße aufwerfe, mit der er niemals gerechnet habe.
Der eine Tropfen zuviel
Der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, ist demnach eine gemeinsame Pressemitteilung von vier Verbänden und Vereinen. Niedersächsischer Heimatbund (NHB), der BUND Westharz, der Naturschutzbund Goslar und der Goslarer Geschichtsverein hatten zuvor ihre Bedenken zum aktuellen Planungsstand mitgeteilt und unter anderem gemutmaßt, der Investor wälze die Kosten für den Bau eines neu ins Spiel gebrachten Parkwalls auf die Stadt Goslar und somit die Steuerzahler ab. Für Tessner ist damit „sichtbar eine Grenze überschritten“ worden. Er hat die Reißleine gezogen.
Dicke Brocken gibt es noch aus dem Weg zu räumen, wenn die Stadt einen neuen Investor finden will. Foto: Roß
13 lange Jahre der Planungen
Die meisten politischen Reaktionen brachten Bestürzung und Überraschung zum Ausdruck. Schließlich hatte das Projekt Pfalzquartier schon 13 Jahre Planung auf dem Buckel und 2024 einen Bürgerentscheid überstanden, der ein finanzielles Engagement der Stadt in eine neue Mehrzweckhalle auf dem Areal verhindern wollte. Doch alle Versuche, Tessner wieder ins Boot zu holen, bleiben erfolglos. Auch das Eingeständnis der Verfasser der ominösen Pressemitteilung, dass manche Formulierung wohl zu scharf gewählt war, und sie das Aus für das Projekt bedauern, ändert nichts an der Situation.
Die Stadtverwaltung entwirft schnell einen Krisenplan. Drei Tage nach Tessners Rückzug stecken Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner, Erster Stadtrat Dirk Becker und die politischen Fraktionsspitzen die Köpfe zusammen. Wo stehen wir? Was machen wir mit dem Grundstück, auf dem ursprünglich die Stadthalle, das Hotel und die Tiefgarage gebaut werden sollten? Was bedeutet das Aus der bisherigen Entwicklung des Kaiserpfalzquartiers entsprechend der bisherigen Planungen mit den Projektpartnern für die Städtebauförderung und den Bebauungsplan? Das sind die wichtigsten Fragen, die die Stadtverwaltung bis September klären will, um dann einen neuen Fahrplan vorzulegen.
Weiter auch ohne Investor
Nach mehreren Geheimrunden und einer Infoveranstaltung für den Goslarer Rat einwickelt die Verwaltung ein Strategiepapier: den Notfallplan fürs Pfalzquartier.
Das Multi-Millionen-Euro-Projekt soll auch ohne Investor nicht auf Null gesetzt werden. Vielmehr will die Stadt Baurecht für Hotel und Veranstaltungshalle schaffen und damit einen neuen Geldgeber suchen. Die Verwaltungsspitze spricht von ersten Kontakten und Ideen, wer wie an Tessners Stelle treten könnte. Doch konkreter wird es noch nicht.
Das Thema Parken bleibt heikel im Pfalzquartier. Foto: Roß
Mehr als Halle und Hotel
Allerdings betonen die Verantwortlichen, dass das Projekt Pfalzquartier mehr sei als nur Halle und Hotel. Das Baurecht solle auch für öffentliche Vorhaben in den Wallanlagen oder auf dem Domplatz gelten, der von einem Parkplatz in einen grünen Stiftsgarten umgebaut werden soll – mit reichlich Fördergeld. Die Rechnung der Stadtverwaltung: Mit 3,4 Millionen eigenen investierten Euro könnten Projekte im Wert von 10,8 Millionen Euro realisiert werden.
Die Goslarer Politik signalisiert im Oktober grünes Licht für den Verwaltungsplan. Doch es bleiben auch kontroverse Linien. Vor allem die Ratsgruppe Grüne Partei 42 und Bürgerlisten-Ratsherr Henning Wehrmann kritisieren die Pläne und hätten lieber einen Reset des gesamten Projekts. Der FDP fehlt das Tempo bei der Investorensuche, die Linke erinnert an unbeantwortete Fragen bei den Themen Parken und Baukosten für die Stadthalle. Trotzdem stimmt eine große Mehrheit des Rats im November für den neuen Bebauungsplan des Pfalzquartiers.
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