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Spurensuche

GZ Plus IconWelche Netzwerke Exlibris-Künstler Nernst mit Bad Harzburg verbanden

Das Symbolbild zeigt eine kunstvoll verzierte Schnupftabakdose.

Hermann Nernst stammt aus einer Familie von Künstlern. Unter anderem stellten sie reich verzierte Schnupftabakdosen her. Foto: (Symbolbild) dpa/Balk

Goldschmiede, Emailleure und Künstler von Rang: Aus welchem Umfeld stammte der Exlibris-Künstler Hermann Nernst? Und wie führt dessen Spur nach Bad Harzburg?

Von Corinna Meiß Dienstag, 30.12.2025, 13:00 Uhr

Bad Harzburg. Neulich berichtete die GZ über das Leben des Exlibris-Künstlers Hermann Nernst, dessen Werke rund um 1900 jahrzehntelang über den Verlag des Bad Harzburgers Rudolf Stolle veröffentlicht wurden. Im zweiten Teil der Spurensuche richtet sich der Blick auf das familiäre und künstlerische Umfeld, aus dem Nernst hervorging, sowie auf mögliche Wege, über die er mit Stolle in Verbindung gekommen sein könnte.

Das Kunstwerk zeigt eine Schwarz-Weiß-Zeichnung mit einem Hund, der auf einem Buch sitzt.

Über Jahrzehnte veröffentlicht der Verlag von Rudolf Stolle die Exlibris-Kunstwerke von Hermann Nernst. Foto: Meiß

Wie und wann der Harzburger Verleger und der Kunstmaler in Kontakt gekommen sind, lässt viel Raum für Spekulationen. Schließlich waren die Berliner – Nernst lebte dort viele Jahre – die größte Gruppe unter den Harzburger Kurgästen und ihre Netzwerke waren weit verzweigt, möglicherweise auch im Exlibris-Verein zu Berlin. Wie berichtet, war auch Stolle ab 1904 Mitglied.

Zu den zahlreichen interessanten Persönlichkeiten im Verein zählte der Amtsrichter Richard Béringuier (1854–1916), der ein Mitglied der Französisch-Reformierten Gemeinde in Berlin und Mitbegründer der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft war. Zur französischen (Kirchen-)Gemeinde gehörte auch die illustre Familie von Hermann Nernst. Zwar wurde sein Vater 1819 in der St.-Marien-Kirche am Alexanderplatz und nicht in der Französisch-Reformierten Kirche getauft, doch unter den zehn Taufpaten befanden sich zahlreiche Verwandte und Mitglieder der französischen Kolonie Berlins.

Tabatièren für Friedrich den Großen

Seine Mutter, Fanny Théremin-Formey, stammte aus einer sehr bekannten hugenottischen Familie. Ihr Vater François Claude Théremin (1746–1809) und ihr mütterlicher Großvater Jean Guillaume George Krüger (1728–1791) entwarfen und fertigten als Goldschmiede und Emailleure zahlreiche Schnupftabakdosen (französisch Tabatièren) für die kostspielige Sammlung Friedrichs des Großen. Der Preußenkönig hegte eine Leidenschaft für prächtige Tabatièren und soll an die 400 davon besessen haben.

Der aus London stammende Krüger, der mutmaßlich in Paris im Bereich der Miniaturmalerei ausgebildet wurde, gehörte zum Umfeld der hugenottischen Kunsthandwerker beziehungsweise Bijoutiers, die vom König von Paris nach Berlin beziehungsweise Potsdam geholt wurden. Zwischen 1753 und 1774 entstanden Krügers kleine Meisterwerke, die mit Halbedelsteinen und Brillanten besetzt waren. 20 seiner Entwürfe sollen erhalten geblieben sein. Sie befinden sich unter anderem im Londoner Victoria and Albert Museum, im Rijksmuseum Amsterdam und im New Yorker Metropolitan Museum of Art. Sieben der erhalten gebliebenen Preziosen, die um 1763/65 entstanden, waren 2019 Gegenstand der Gespräche zwischen dem Haus Hohenzollern und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Der Haupteingang vom Rijksmuseum in Amsterdam, davor befindet sich ein Becken mit Wasser, an dem viele Menschen sitzen.

Einige Werke von Jean Guillaume George Krüger befinden sich heute unter anderem im Rijksmuseum in Amsterdam. Foto: dpa/Meier

Eine Familie voller Künstler

Nicht minder erfolgreich war der Juwelier François Claude Théremin. Er war 15 Jahre lang mit Mariane, der ältesten Tochter Krügers, verheiratet und hatte mit ihr mindestens drei Kinder, darunter Fanny, Hermann Nernsts Großmutter. Der Sohn eines Pfarrers aus der Uckermark absolvierte seine Ausbildung zum Goldschmied in Magdeburg. Anschließend folgten Stationen in London und Paris, wo er seine Fertigkeiten im Bereich der Bijouterie perfektionierte, bevor er sich in Berlin niederließ. Seine Spezialität wurde das transluzide (durchscheinende) Flächenemaillieren, und seine Tabatièren ziert ein „T“ als seine Meistermarke. Im Jahr 2017 erzielte eine Goldemail-Schnupftabakdose mit Camée-Portrait von ihm und den Brüdern André und Jean-Louis Jordan in einem deutschen Auktionshaus den Preis von 28.800 Euro.

Bis 1795 besaß François Claude Théremin mit den beiden Brüdern die Manufaktur „Fabrique de Joaillerie et de Bijouterie“ in Berlin. In dem Jahr verließ er Berlin und reiste mit seinem jüngeren Bruder nach St. Petersburg. Dort eröffnete dieser ein Juweliergeschäft und die beiden Brüder wurden mit ihren Goldarbeiten, darunter emaillierte Golddosen, Hoflieferanten von Katharina der Großen – und in Folge sehr wohlhabend.

Zu dieser Zeit war seine Ehe mit Mariane Krüger bereits zerrüttet und das Paar ließ sich scheiden. Ihre dreijährige Tochter Fanny wuchs bei ihrer Mutter und deren zweitem Ehemann, Dr. Johann Ludwig Formey, dem Arzt der französischen Kolonie, in Berlin auf. Anders verhielt es sich bei ihrem zehn Jahre älteren Bruder Carl Wilhelm, der auch im Ausland lebte und ausgebildet wurde. Der Kaufmann hatte in den 1820er Jahren mit seiner Familie fast ein Jahrzehnt lang als preußischer Konsul in Brasilien gelebt und war – wie konnte es anders sein – ebenfalls ein begabter Zeichner und Maler.

Ein Besuch in Goslar

Der Architekturfotograf Ernst von Brauchitsch (1856-1932), der mit Carl Wilhelms Enkelin Wanda Ismailia Thérémin verheiratet war, saß übrigens im Vorstand des Exlibris-Vereins zu Berlin und war Ende der 1890er Jahre zu Fotoaufnahmen in Goslar gewesen. Somit schließt sich erneut der Kreis zum Atelier Rudolf Stolle und Hermann Nernsts Exlibris.

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