Heiko Rataj wird 60: Der Mann, der nicht erwachsen sein will
Ganz oben auf dem Bocksberg: Heiko Rataj hat erst zu Pfingsten mit seinem Drachenblitz eine neue Sommerrodelbahn-Attraktion auf dem Hahnenkleer Hausberg etabliert. Foto: Epping (Archiv)
Heiko Rataj hat nach Gold in Alaska geschürft und ist im Winter mit dem Heißluftballon über die Alpen gefahren. Er hat Hahnenklee gerade erst einen Drachenblitz beschert und will mit seinem Leben Spuren hinterlassen. Am 25. Juli wird er 60 Jahre alt.
Hahnenklee. „Und ich will immer noch nicht erwachsen sein ...“ Wer dieses Bekenntnis neben die Bilder von Heißluftballon, Kleinflugzeug und Segelschiff auf seine Einladung zum 60. Geburtstag schreibt, verspricht indirekt, dass von ihm auch künftig noch einiges zu erwarten ist. Und das ist gut so.
Heute aber ist erst einmal nur eine garantiert ausgelassene Fete angesagt, wenn Unternehmer, Abenteurer und Freigeist Heiko Rataj zusammen mit seinen Gästen in der Festscheune auf dem Bocksberg die Vollendung von sechs Lebensjahrzehnten feiert.

Wer erinnert sich noch? Vor der Weltmeisterschaft in Südafrika 2010 wirbt Heiko Rataj mit WM-Sonderseiten der GZ von 2006 fürs geplante Public Viewing im Zelt auf dem Blauen Haufen. Foto: Epping (Archiv)
Was der Abend genau bringt, weiß vermutlich nur Rataj selbst. „Ich werde ein bisschen erzählen, es gibt nette Musik und zu essen und zu trinken“, lässt er sich nicht wirklich tief in die Karten blicken. Überraschungen sind angekündigt. Und klar ist: Seine Gäste dürfen mit seinem zu Pfingsten an den Start gegangenen Drachenblitz fahren. Und sie können sich darauf verlassen, dass sie keine Feier am weiß gedeckten Tisch erleben werden. Das ist nämlich nicht so Ratajs Ding. Wie schon vor zehn Jahren, als er seinen 50. Geburtstag im Zirkuszelt in Goslar (nach-)feierte, hat er schon jetzt den Überblick verloren, wen genau er alles eingeladen hat und wie viele ungefähr da sein werden. Mitte August 2015 waren es rund 500 Menschen, schätzt er im Nachhinein. Und sie hatten viel Spaß, mit Musik von DDR-Legende und Rataj-Lieblingsband City, einer Menge Ostalgie sowie Gastgeber-Geschichten von Hühnern, denen das junge Unternehmer-Talent die Schnäbel breit geklopft habe, um sie als Enten zu verkaufen.

City im Zirkuszelt: Die Band, zu DDR-Zeiten eine Legende, legt zu Heiko Ratajs 50. Geburtstag im Zirkuszelt an der Harz-Lodge einen starken Auftritt hin. Foto: Epping (Archiv)
Die Puhdys und Harzer Gasthäuser
Auch am 25. Juli 2025 spielt die Ostalgie wieder eine Rolle.„Meine Kumpels von den Puhdys werden da sein“, verrät Rataj – musikalisch natürlich eine echte DDR-Hausnummer. Diese Botschaft ist gesetzt und muss sein, findet der in Seehausen in der Altmark geborene Rataj, der nach der Schule eine Ausbildung zum Koch und Fleischer absolvierte und nach dem Fall der Mauer bald in der ganzen Welt unterwegs war. In Australien verdiente er sich zeitweise als Postflieger in Kleinstflugzeugen seinen Lebensunterhalt. Über die Pacht von Gasthäusern kam er einst in den Harz. Als er vor mehr als 20 Jahren das traditionsreiche Ausflugslokal „Maltermeister Turm“ kaufte, lebte er eine Zeit lang nebenan im Turm. Seit vier Jahren ist die Winkelsmühle in Seesen sein Ankerpunkt, wenn er denn in der Gegend weilt.

Zwei Goslarer flankieren im Mai 2015 einen Bremer: Vizekanzler Sigmar Gabriel sowie Bocksberg- und Boot-Besitzer Heiko Rataj (r.) nehmen Wirtschaftssenator Martin Günthner am Vortag der Bürgerschaftswahl in ihre Harzer Mitte. Foto: GZ-Archiv

Mit dem Heißluftballon im Winter 2014 über die Alpen: Ohne Sauerstoffgerät geht in 6000 Metern nichts – und Wärme von oben spendet Heiko Ratajs Hahnenklee-Mütze. Foto: Rataj

Der Harzer und der Wikinger: Heiko Rataj lernt in Alaska auch Tony Beets, den „King of Klondike“, kennen und darf auf seinem Claim ein wenig Gold waschen. Foto: privat
Eine Schatzkarte mit Koordinaten
„Ich möchte Spuren hinterlassen“, spricht Rataj über Motive für sein Tun. Und er meint dies nicht nur sinnbildlich. Er hat Steine gesetzt an Orten, die ihm wirklich etwas bedeuten – etwa dort, wo Klondike und Yukon zusammenfließen. Die Koordinaten sind gesammelt und aufgeschrieben. In einer Art Schatzkarte, die einmal seine Tochter bekommen soll. Wenn sie mag, kann sie ihrem Vater irgendwann nachspüren und begreifen, was ihn in seinem Leben fasziniert hat. Einem Leben, das auch nicht immer ungefährlich war. Logisch: Wer sich im Winter im Heißluftballon über die Alpen wagt oder im kleinen Boot über den Yukon schippert, macht keine Luxusreisen. „Ein paar Schutzengel habe ich schon verbraucht“, verrät er. Die Bären, die ihm in Alaska (zu) nahe kamen, lassen grüßen. Ihm sei aber immer auch der Versuch wichtig gewesen, alles selbst zu können, was er anpackt – eben Ballone zu steuern, Flugzeuge zu fliegen, große Schiffe zu dirigieren oder eine Seilbahn zu bedienen. „Dafür gibt es noch mehr Beispiele“, sagt er.

Abenteurer durch und durch: Heiko Rataj und Mark Gedeck starten im Sommer 2018 eine Expedition über den Yukon River. Foto: privat

Alles klar auf der Mathilde: Schiffseigner Heiko Rataj und Tom Derer, der damals im Jahr 2013 für den Goslarer Kommunalpräventionsrat unterwegs ist. Foto: Sowa (Archiv)
„Es ist die Summe der Teile“
Eine Herzensangelegenheit ist ihm nach wie vor das Projekt „Start Right“, mit dem er seit langer Zeit Kindern, denen das Glück nicht in den Schoss gefallen ist, auf seinem Boot Mathilde wertvolle Zeit mit Gemeinschaftserlebnissen und wachsendem Teamgeist beschert. Das Geld, das zu seinem Geburtstag zusammenkommt, fließt in dieses soziale Aushängeschild.
Was macht das Leben eines Abenteurers aus, der nie Everybody's Darling sein wollte und will und auch (kommunal-)politisch Klartext spricht, wenn es ihm nötig erscheint? Das eine Besondere, das, was am meisten Spaß gemacht hat, gibt es nicht. „Es ist die Summe der Teile“, philosophiert Rataj. Wie jedes Erlebnis eine einzelne Perle ist, die auf eine Kette gezogen die Schönheit des Schmuckstücks mitbestimmt. „Und wenn mich diese Kette irgendwann zu Boden reißt und es zu Ende ist, weiß ich, dass es gut war.“

Nicht jeder, der Mütze trägt, ist automatisch Klaus Meine: Party-Organisator Heiko Rataj macht zusammen mit seinen Rubber Boots trotzdem die Musik zur Feier, als Sigmar Gabriel im September 2018 Goslarer Ehrenbürger wird. Ob er mal bei den „Scorpions“ mitsingen darf? Zur Gummistifel-Gang gehören neben Rataj noch Frank Habekost, Bootsmann Mark und DJ Wolle. Foto: Epping (Archiv)

Gehörnte Helme, eine Handvoll Konfetti und ab geht’s zur Premierenfahrt im Juli 2012: Hahnenklees Ortsbürgermeister Heinrich Wilgenbus sitzt als Ortskundiger im Bocksbergbob vorn, Goslars Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk ist der große Bremser hinten. Die beiden Investoren Pamela Groll und Heiko Rataj (v. r.) geben gleich das Startzeichen. Foto: Kusian-Müller (Archiv)

Gold in der Schale: Die damalige Fraktionschefin Urte Schwerdtner liefert die Yukon-Proben beim SPD-Altstadtdialog im Juni 2018 im „Schiefer“ am Ende wieder bei Heiko Rataj ab. Foto: Heine (Archiv)

Stein der Erkenntnis: Heiko Rataj hat festgehalten, was ihm wichtig und warum er ein glücklicher Mensch ist. Foto: Privat
Copyright © 2025 Goslarsche Zeitung | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.