Wenn Glücksschweinchen zu Tränen rühren: Rekorderlös im Oberharz
GZ-Verleger Philipp Krause (r.) verteilt in Clausthal-Zellerfeld Glücksschweinchengeld in Höhe von 10.000 Euro. Die glücklichen Empfänger sind die Suchhundestaffel Nordharz, der Förderverein der Marktkirche, das Jugendrotkreuz, der Verein Pro Dampf und der Verein zur Erhaltung der Harzkuh und der Harzziege. Foto: Knoke
Mit solch einer hohen Spendensumme hat im Oberharz nach der GZ-Glücksschweinchenaktion kaum einer gerechnet. Bei der Übergabe fließen bei einem Verein sogar Tränen.
Clausthal-Zellerfeld. Der Oberharz hat es wieder geschafft: Er sammelte sich beim GZ-Glücksschweinchenverkauf erneut an die Spitze. Bei 3800 verkauften Schweinchen kamen mehr als 9000 Euro zusammen – ein Durchschnitt von knapp 2,40 Euro pro Stück. Um diesen inoffiziellen Wettbewerbssieg zu würdigen, rundete GZ-Verleger Philipp Krause den Erlös auf 10.000 Euro auf. Fünf Vereine in Clausthal-Zellerfeld profitieren von den Spenden aus dem Silvesterverkauf.
Krause ist stolz auf die Entwicklung der Glücksschweinchenaktion. Was in den 1970er-Jahren als reine Marketingidee begann, bringt inzwischen im gesamten Landkreis jährlich mehr als 70.000 Euro ein. Allein die Abwicklung von rund 39.000 Euro bedeute einen erheblichen Logistikaufwand, der ohne die vielen engagierten Verkäufer – von Ratsmitgliedern bis zu Schornsteinfegern – nicht zu stemmen wäre. Sein besonderer Dank galt daher allen Helfern, die am 31. Dezember im Einsatz waren, „obwohl man da eigentlich auch anderes vorhat“.
Im Oberharz wird das Ehrenamt wertgeschätzt
Beeindruckt zeigte sich Krause zudem davon, dass Clausthal-Zellerfeld traditionell den höchsten Durchschnittspreis pro Schwein erzielte. Wie das jedes Jahr gelinge, bleibe ihm ein Rätsel. Bei der Spendenübergabe waren sich die Empfänger jedoch einig: Im Oberharz werde ehrenamtliches Engagement auf besondere Weise wertgeschätzt, und genau das spiegle sich in der hohen Spendenbereitschaft wider. Gleichzeitig machten die Vereine deutlich, dass neben Geld vor allem Manpower immer wichtiger werde. Überalterung sei ein Thema, das nahezu alle Gruppen betreffe und in den kommenden Jahren zu großen Herausforderungen führen könne.
Doch an diesem Tag überwog die Freude. Besonders emotional wurde es bei Susanne Reinert und Lisa-Marie Rieck, zwei Hundeführerinnen der Suchhundestaffel Nordharz. Als sie erfuhren, dass ihr Verein mit Sitz in Clausthal-Zellerfeld 2500 Euro aus der GZ-Glücksschweinchenaktion erhielt, kämpften sie mit den Tränen. „Das ist der Wahnsinn“, sagten sie voller Gänsehaut. Die Suchhundestaffel finanziere sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Eine Summe dieser Größenordnung mache daher einen enormen Unterschied. Der Verein ist auf die Suche nach vermissten Menschen spezialisiert. Das Spendengeld soll in neue Funktechnik fließen, da bislang keine direkte Kommunikation mit der Leitstelle möglich sei. Um die Suchhundestaffel künftig noch besser in Einsätze einzubinden, sind Gespräche mit Polizei, Feuerwehr und dem Landkreis Goslar geplant.
Taubendreck sorgt für Rutschgefahr
Ebenfalls 2500 Euro gingen an den Förderverein zum Erhalt der Clausthaler Holzkirche. Vorsitzende Dorothea Römpage und Schatzmeister Manfred Göring nahmen die Spende entgegen. Auch wenn die Versicherung für den Schaden nach dem verheerenden Brand im vergangenen Juli aufkommt, gebe es in Deutschlands größter Holzkirche stets genug zu tun. Römpage berichtete von einem aktuellen Projekt: Kirchgänger hatten kritisiert, dass der Stern im Turm schon lange nicht mehr leuchte. Ursache sei massiver Taubendreck im Turm, der zunächst aufwendig entfernt werden müsse. Bis dahin könne der Bereich nicht betreten werden. Römpage sprach sogar von Lebensgefahr, da die Rutschgefahr enorm sei.
Für Braunlager Kinder- und Jugendwehr
GZ-Glücksschweinchenaktion: Jede Menge Geld für ein neues Zelt
Über 2000 Euro darf sich das Jugendrotkreuz im DRK-Ortsverein Clausthal-Zellerfeld freuen. Gruppenleiterin Stefanie Kindermann erklärte, dass das Geld in neue Softshelljacken sowie in weiteres Übungsmaterial investiert werden soll. Eine fundierte Erste-Hilfe-Ausbildung sei für den Nachwuchs essenziell. Regelmäßig stellt die Gruppe ihr Können unter Beweis und nimmt erfolgreich an Kreiswettbewerben teil. Die zweite Vorsitzende des Ortsvereins, Eva Peinemann, unterstrich die Bedeutung der Nachwuchsförderung: Zwar könnten die Kinder später in die Fußstapfen der älteren Mitglieder treten, doch Ausbildung und Ausstattung seien zunächst kostenintensiv.
Niedliche Hunde bei der Geldübergabe
1500 Euro bekam der Verein Pro Dampf, der gemeinsam mit Ehrenamtlichen des Oberharzer Geschichts- und Museumsvereins den Betrieb der Tagesförderbahn sicherstellt. Ulrich Funke und Jan-Martin Strippelmann berichteten bei der Spendenübergabe von einem arbeitsreichen Jahr. Um die Bahn sichtbarer zu machen, wurde ein neuer Haltepunkt direkt am Busbahnhof geschaffen. Der bisherige Stopp musste zurückgebaut werden, um Platz für den Fahrrad-Pumptrack zu schaffen. Allein die Materialkosten für die Gleisverlegung belaufen sich laut Verein auf rund 20.000 Euro. Umso größer ist die Freude über die Unterstützung. Am 1. Mai soll die neue Saison beginnen und der neue Startpunkt offiziell eröffnet werden.

Vor den Supermärkten warten die spendablen Oberharzer an Silvester darauf, endlich ihre Schweinchen zu ergattern. Foto: Knoke
Weitere 1500 Euro erhielt der Wildemanner Bergbauernhof „Klein Tirol“. Seitdem Franzi und Jens Herberger den Hof vom Verein zur Erhaltung der Harzkuh und der Harzziege gepachtet haben, ist nach schwierigen Zeiten wieder Ruhe eingekehrt. Arbeit gibt es dennoch genug: Unter anderem sollen marode Holztore im Stall repariert werden, die durch den Durchzug seit Langem ein Ärgernis sind. Jens Herberger erinnerte daran, dass das Rote Harzer Höhenvieh noch immer auf der Roten Liste steht. Ohne den Einsatz von Bauer Beuse in Wildemann damals wäre die Rasse längst ausgestorben. Inzwischen kümmern sich die Herbergers auch um die Zucht des Harzer Fuchses und hatten zur Spendenübergabe sogar zwei der niedlichen Hunde mitgebracht.
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