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Silvesterknaller Ursache für Brand?

GZ Plus IconExperte vermutet Vorsatz oder Fahrlässigkeit für Großfeuer in Hessen

Ein Feuerwehrmann löscht von einer Drehleiter aus ein brennendes Gebäude.

In der Silvesternacht brennt in Hessen bei Osterwieck ein Haus, die Flammen greifen auf das Nachbargebäude über. Foto: Feuerwehr

Ein Brandexperte schließt nach dem Feuer in Hessen einen elektrischen Defekt aus. Er vermutet, dass ein oder mehrere Silvesterknaller die Flammen verursacht haben.

Von Oliver Stade Freitag, 02.01.2026, 19:45 Uhr

Nach dem verheerenden Großfeuer Silvester in Hessen bei Osterwieck hat ein Experte am Freitag den Brandort untersucht. Er geht davon aus, dass ein Silvesterknaller Ursache für die Flammen war, die ein Haus niederbrannten, ein weiteres schwer und ein drittes leicht beschädigten.

Ein Sprecher der Polizei in Halberstadt berichtete am Freitag, der Brandexperte haben keinen Hinweis auf einen elektrischen Defekt am Haus gefunden. Er nehme an, dass ein oder mehrere Feuerwerkskörper den Brand hervorgerufen hätten. Ob der Täter vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt habe, müsse noch ermittelt werden. Es habe erste Befragungen gegeben, um dem Verursacher auf die Spur zu kommen. Den Hinweisen müsse noch nachgegangen werden.

Kritik vom Kreisbrandmeister

Ausgangspunkt für das Feuer war ein Carport, in dem ein Auto stand. Das Fahrzeug, vor allem aber das angrenzende Fachwerkhaus brannten nieder. Ein Nachbarhaus wurde stark beschädigt, es ist zurzeit unbewohnbar. Den Schaden an beiden Häusern beziffert die Polizei auf mindestens 500.000 Euro. Die sechs Bewohner blieben unverletzt.

Auch ein Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde durch die Hitze beschädigt, der Schaden wird auf 20.000 bis 30.000 Euro geschätzt. Die Bewohner wüssten noch nichts davon, sie befänden sich im Urlaub, berichtet ein Beamter des Polizeireviers in Halberstadt.

Unterdessen hat sich Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse kritisch zu Wort gemeldet, er ist zuständig für den Harzkreis. Das Feuer hätte nach Absicht von Lohse, der zugleich Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes in Sachsen-Anhalt ist, schneller gelöscht werden können, wenn die Einsatzkräfte ausreichend Löschwasser zur Verfügung gehabt hätten. „Es hat immer wieder Unterbrechungen gegeben“, sagte Lohse am Freitag.

Die 4000 bis 5000 Liter aus dem Löschfahrzeug, das zunächst an Ort und Stelle war, „waren schnell leer“, erklärt er. Dann seien Tragspritzspritzen verwendet worden. Schließlich hätten die Einsatzkräfte Poolanlagen in Hessen geleert, berichtet der Kreisbrandmeister für den Harzkreis weiter. Die Art der Wasserversorgung bezeichnet er als „sehr abenteuerlich“.

Auf Facebook schildert Lohse nach dem Brand am Mittwoch seinen Ärger ebenfalls. „Auf der Zielgeraden kam das dicke Ende“, schreibt er. „Gott sei Dank“ hätten in dem Ort aber noch mehrere Pools gestanden. Dabei ist das Problem, dass es zu wenig Löschwasserbehälter gebe, seit längerer Zeit bekannt. „Wir haben das schon diskutiert, aber da ist nicht viel Bewegung“, beklagt Lohse. Seit 2015 seien kaum Löschwasserbehälter gebaut worden. In Hessen trete der Mangel besonders deutlich hervor, weil das Wasserleitungsnetz des Ortes zu klein sei.

Das Problem liegt laut dem Kreisbrandmeister darin begründet, dass die Baubehörden sich auf Landesrecht berufen würden, und mobile Löschwasserkissen, die beispielsweise nach den Brockenbränden in den vergangenen Jahren im Nationalpark Harz aufgestellt wurden, nicht genehmigen würden. Dies werde mit Sicherheitsgründen erklärt, etwa, dass die Behälter leicht beschädigt werden könnten.

Ein Ärgernis

Lohse spricht von einem „Ärgernis“, zumal „solche Dinger im Burgenlandkreis und in Aschersleben stehen würden“, aus Sicherheitsgründen in der Nähe von Photovoltaikanlagen, falls diese in Brand geraten sollten. „Warum ist das in Osterwieck nicht möglich?“, fragt Lohse in seinem Facebookeintrag. Die Behörden in der Stadt würden den Bau von massiven Zisternen fordern. Das sei aber teuer. Die Baukosten würden rechnerisch bei 1000 Euro liegen, um einen Kubikmeter Wasser zu speichern. Löschwasserkissen hingegen seien „um ein Vielfaches günstiger“.

Auf Facebook wird unterdessen auf eine Spendenaktion hingewiesen, die auf der Internetseite des Online-Bezahldienstes Paypal läuft, um die Bewohner zu unterstützen.

Dichter Rauch steigt aus einem Haus.

Bei dem Brand an zwei Fachwerkgebäuden in Hessen entsteht nach Angaben der Polizei ein Schaden von mindestens 500.000 Euro. Foto: Feuerwehr

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