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Traditionelles Mahl

GZ Plus IconViele Premieren beim 43. Goslarschen Pancket in der Kaiserpfalz

180 Gäste sitzen an den langen Pancket-Tafeln in der Kaiserpfalz.

180 Gäste sitzen an den langen Pancket-Tafeln in der Kaiserpfalz. Foto: Sowa

180 Gäste lockte das Goslarsche Pancket dieses Mal in die Kaiserpfalz. Bei der 43. Auflage des Traditionsmahls gab es nicht nur reichlich zu essen, sondern auch zu hören. Als Ehrengast kam Bundesbauministerin Klara Geywitz.

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Von Hendrik Roß
Samstag, 09.11.2024, 18:00 Uhr
Es gab wohl noch nie ein Goslarsches Pancket, das inmitten solcher innen- und außenpolitischer Turbulenzen über die Bühne ging, wie die 43. Auflage des Traditionsmahls. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) machte als Ehrengast keinen Hehl daraus, dass das Event in der Kaiserpfalz ihr „Highlight der Woche“ sei. Kein Wunder, nur zwei Tage vorher war die Ampel-Koalition in Berlin spektakulär zerbrochen. Seitdem streitet sich die Republik über den richtigen Neuwahltermin.
Jeder Gang wird beim festlichen Mahl aufwendig inszeniert.

Jeder Gang wird beim festlichen Mahl aufwendig inszeniert. Foto: Sowa

Geywitz machte in Goslar deutlich, dass sie „keine parteipolitischen Wahlkämpfe“ um den richtigen Termin erleben wolle. Die nötigen Fristen müssten beachtet werden, um eine ordentliche und saubere Bundestagswahl einzuleiten.

Dann war aber auch Schluss mit Hauptstadt-Politik, von der Trump-Wahl in dieser Woche wollte erst gar keiner der Redner so richtig anfangen.

Mehr zu erzählen

Schließlich sollte es an diesem Abend um Goslar gehen. Die Stadt „hat etwas zu erzählen, das über die Länge eines Tiktok-Videos und weit über Legislaturperioden, Haushaltswochen und Sitzungsjahre hinausreicht“, machte Geywitz deutlich.

Bratenredner Dirk Junicke richtet das Wort an Pancket-Ehrengast Klara Geywitz. Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner schaut sich das Ganze an.

Bratenredner Dirk Junicke richtet das Wort an Pancket-Ehrengast Klara Geywitz. Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner schaut sich das Ganze an. Foto: Sowa

Das Pancket ist eine Veranstaltung, bei der die regionale Wirtschaft mit Vertretern des öffentlichen Lebens zusammenkommt, sich austauscht und gemeinsam speist und trinkt, wie es die Kaufmänner der Hanse schon vor hunderten Jahren getan haben. Dass mittlerweile auch einige Kauffrauen dazugekommen sind, lobte Goslars Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner explizit, als sie die rund 180 Gäste in der Kaiserpfalz begrüßte. Und sie sei zutiefst erleichtert, so die Verwaltungschefin, dass die Bauministerin als erster weiblicher Pancket-Ehrengast trotz der politischen Krise in Berlin in den Harz gekommen ist. Schwerdtner: „Nachdem wir in diesem Jahr bereits eine Kaiserringverleihung ohne Künstlerin vorgenommen haben, wäre jetzt ein Pancket ohne Sie, ohne Ehrengast, schwer zu verkraften gewesen.“ Geywitz verwalte eines der wichtigsten Versprechen der Ampel-Regierung: „Das Bauen neuer bezahlbarer Wohnungen.“ Die berüchtigte Zielmarke von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr sei bisher aber nicht erreicht worden. Die Branche sei nach Corona und Putins Angriffskrieg auf die Ukraine in eine schwere Krise geraten. „Und im Auge dieses Sturms stehen Sie, liebe Frau Geywitz“, sagte die Oberbürgermeisterin. Allerdings deute sich „besseres Wetter“ in der Baubranche an.

Goslarer Projekte

Schwerdtner, die sich vor dem Pancket mit der Bauministerin den benachbarten Kulturmarktplatz und die Baustelle für das Pfalzquartier angeschaut hatte, stellte auch die anderen Goslarer Projekte ins Schaufenster, die mit Millionenförderung des Bundes realisiert wurden oder werden: die Mehrzweckhallen in Oker und Hahndorf, die Neugestaltung des Kaiserpfalzgartens, die Sanierung des historischen Rathauses oder der neue Marktplatz in Jürgenohl. Und sie rührte natürlich kräftig die Werbetrommel für Goslar als lebens- und liebenswerte Stadt zum Leben und mit einem gesunden Firmenmix, der auch in unruhigen wirtschaftlichen Zeiten bei der Gewerbesteuer für ein stabiles Fundament sorge.

Bevor es etwas auf den Löffel und die Gabel gab, sollten die Gäste ihre Ohren spitzen und die grauen Zellen in Schwung bringen. Ehrengast Geywitz lud sie vor der Kürbissuppe zu einem „Gedankenexperiment“ ein. Wie würde das riesige Wislicenus-Gemälde im Kaisersaal, das Wilhelm I. hoch zu Pferd zeigt, wohl aussehen, wenn es heute noch einmal ausgemalt würde? „Vielfältiger, weiblicher, weniger säbelrasselnd und ganz sicher null monarchistisch“, gab die gebürtige Potsdamerin einige Beispiele.

Apropos Säbelrasseln: Da hatte Bratenredner Dirk Junicke so richtig Lust drauf. Er langte verbal schon einmal kräftig zu, bevor die geschmorten Ochsenbäckchen als Hauptgang serviert wurden. Und das gleich in mehreren Rollen. Dabei habe seine Frau die Rede noch entscheidend entschärft, räumte Junicke zu Beginn ein. Als Kastellan „Dirk von der Harzburg“ stellte sich der Immobilien-Investor vor: „Üblicherweise treiben wir von der Harzburg den Goslarern das Vieh weg und rauben die Gunst der Frauen.“ Also eher Raubritter Dirk? Nein, Junicke gab Entwarnung. Als Wiedergutmachung für frühere Beutezüge habe er den Blumenschmuck für das 43. Goslarsche Pancket gesponsert.

Ein paar Giftpfeile

Ein paar Giftpfeile schickte der „Hofnarr“ eingepackt in eine kleine Goslarer Fensterstreit-Geschichte an das Landesamt für Denkmalpflege, dem er „den Charme einer DDR-Schwimmmeisterin“ attestierte. Und er formulierte zwei energische Bitten an die Goslarer. Erstens: „Kauft euch Häuser in der Goslarer Altstadt. Investiert in eure Heimatstädte und in eure Dörfer.“ Danach forderte Gestütsbesitzer Junicke die Jugend auf, ihre „Deckfaulheit“ aufzugeben und Familien zu gründen. Klare Worte.

Was sollte man noch über den Abend wissen? Es war das Pancket der Premieren: Klara Geywitz machte als erster weiblicher Ehrengast bei ihrem ersten Bieranstich eine solide Figur. Dem Vernehmen nach sehr viel besser als Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) im vergangenen Jahr, der Oberbürgermeisterin Schwerdtner dabei die Schuhe versaut haben soll. Geywitz schwang ein paar Mal den Holzhammer, dann floss der Einbecker-Sondersud, der ebenfalls Pancket-Premiere feierte. Auch neu: „Roth Event Catering“ aus Isenbüttel sorgte für Speis und Trank an den Kaiserpfalz-Tischen, jedes Jahr wieder eine anspruchsvolle Aufgabe in einem historischen Gebäude ohne Küche.

Die Highlights des Goslarer Panckets 2024

Foto: Sowa

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