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1500 Festival-Gäste

GZ Plus IconRückblick auf die 44. Goslarer Tage der Kleinkunst

Die Pausen zum Ausdampfen und Musikhören werden auf dem Außengelände des Kulturkraftwerks gerne genutzt.

Die Pausen zum Ausdampfen und Musikhören werden auf dem Außengelände des Kulturkraftwerks gerne genutzt. Foto: Kempfer

Die 44. Goslarer Tage der Kleinkunst bringen großartiges Vergnügen, aber auch zu gering frequentierte Veranstaltungen unter der Woche: Die Fülle der Veranstaltungen kurz vor den Ferien war einfach zu groß.

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Von Sabine Kempfer
Dienstag, 08.07.2025, 17:00 Uhr

Goslar. Mit den Sommerferien scheinen die vielen Events der vergangenen Wochen schon wieder in weite Ferne gerückt, dabei ist es gerade mal zwei Wochen her, dass die Aktiven des Förderkreises Goslarer Tage der Kleinkunst tief durchatmeten, lange durchschliefen und auf ein Kleinkunstfestival der Vielfalt zurückblickten.

Noch ist nicht alles auf Heller und Pfennig abgerechnet, aber die Lieblinge des Teams wurden schon beim Festmahl nach dem großen Aufräumen gekürt. Unangefochten an Platz Nummer Eins: das Improtheater von „Gude Leude“.

Dabei hätte gerade dieses junge Ensemble so viel mehr Zuschauer verdient gehabt – die Zuschauerzahl blieb zweistellig.

Ein kleiner Rahmen

Wenigstens dreistellig war die Zahl bei einem weiteren Programmliebling, Harry Heib und seinem Harald-Juhncke-Programm. „Sie müssen nächstes Jahr bitte auch unter der Woche kommen“, hatte Renate Lucksch als Ansagerin des Kleinkunstvereins das Publikum von der Bühne aus gebeten: „Das waren in diesem Jahr zu wenig.“

Woran lag‘s? Dass der Verein unter der Leitung von Walfried Lucksch sich gerade unter der Woche auch mal Programme jenseits des Mainstreams leistet, ist bekannt und sichert die Qualität. „Wir rechnen da nicht mit 200 Zuschauern“, räumte Programmchefin Martina Sigwarth ein; ein paar mehr hätten es aber schon sein dürfen, sagt sie – und schreibt es der Tatsache zu, dass einfach zu viele attraktive Parallelveranstaltungen im Angebot waren.

Einige Stammgäste waren im Urlaub; andere feierten im Kulturkraftwerk Harzenergie mal eben ihre Goldene Hochzeit: Peter und Traudl Heuchert, Fans der Kleinkunstwoche seit der Zeit vorm Kraftwerk, in der die Langen Nächte noch als schweißtreibende Sauna im Bildungshaus Zeppelin über die Bühne gingen, kommen jedes Jahr zum Festival mit dem Wohnmobil nach Goslar. Für 2025 hatten sie die Karten schon gekauft, als sie feststellten, dass sie Goldene Hochzeit haben... Man muss Prioritäten setzen. Sie durften sich erstmal eine Flasche Sekt an der Bar abholen.

1500 Festival-Besucher

Mit 1500 Gästen blieb der Besuch des Festivals insgesamt unterhalb der Hoffnungen und Wünsche des Vereins (der allerdings auch auf die Donnerstagsveranstaltung verzichtet hatte). Mit den Eintrittskosten allein seien die Kosten für Deutschlands ältestes Kleinkunstfestival ohnehin nicht zu decken, erläutert Sigwarth; das gelte nicht nur für die Kinderveranstaltungen mit niedrigen Eintrittspreisen als auch und besonders bei den stets ausverkauften Langen Nächten der Kleinkunst. In diesem Jahr wurden sie von zwölf Künstlern bestritten, für die allein durch die Übernachtungen Zusatzkosten anstünden, die durch das Entgegenkommen des „Plaza Inn“ gedeckelt werden konnten.

Ein Highlight der Langen Nächte und der 44. Goslarer Tage der Kleinkunst: „2Gold mit Flugrost“, Akrobatik unterm Kraftwerksdach.

Ein Highlight der Langen Nächte und der 44. Goslarer Tage der Kleinkunst: „2Gold mit Flugrost“, Akrobatik unterm Kraftwerksdach. Foto: Zietz

Im Veranstalterranking ganz oben: „2Gold mit Flugrost“, die atemberaubende Show zweier Artistinnen kurz vor der 60, die das Thema Altern im Showbiz aufs Korn genommen und vielen Menschen Gänsehaut beschert hatten. Qualität kostet. „Unsere Künstler werden alle vernünftig bezahlt“, betont Sigwarth; ein Umstand, der ihr wichtig ist, nicht erst seit der Pandemie, die das Augenmerk einmal auf die besondere Situation dieser Berufsgruppe gelenkt hatte.

Dank an die „Waldmeisterchen“

Die Künstlerinnen und Künstler wissen das und die persönliche Betreuung zu schätzen; kaum einer ließ die Gelegenheit aus, das von der Bühne aus zu beteuern. Am Schluss der Langen Nächte ergriff die sagenhafte Moderatorin Bartuschka mit unvergesslichen Outfits das Wort für alle Akteurinnen und Akteure und bat um einen Extra-Applaus für die Ehrenamtlichen des Vereins, die durch Bartuschka nun einen neuen Spitznamen haben. Dank gebühre den Menschen „mit den (dunkelgrünen) Waldmeistershirts, den „Waldmeisterchen“, sagte sie.

Dass die Veranstaltung des Festivals auch technisch eine Herausforderung war, wusste der 2. Vorsitzende Philipp Ziegler zu berichten. Zwar verfügt das Kulturkraftwerk über immer bessere Profi-Bühnen-Technik, die werde allerdings auch nachgefragt, sobald die Künstler die Möglichkeiten sehen, sagte Ziegler. So können selbst Ensembles, die im Vorfeld kaum Wünsche geäußert hatten, plötzlich mehrstündige Technikproben verursachen – auch das gehört dazu.

„Bartuschka“ (Mitte) versammelt zum Abschlussbild der Langen Nächte der Kleinkunst noch einmal alle Akteurinnen und Akteure um sich herum zum Gruppenbild auf der Bühne.

„Bartuschka“ (Mitte) versammelt zum Abschlussbild der Langen Nächte der Kleinkunst noch einmal alle Akteurinnen und Akteure um sich herum zum Gruppenbild auf der Bühne. Foto: Zietz

„Die Stadt Goslar wäre nicht in der Lage, das zu stemmen“, hatte Bürgermeister Axel Siebe bei der Eröffnung der 44. Goslarer Tage der Kleinkunst im Kulturkraftwerk gesagt und das ehrenamtliche Engagement für ein Festival gelobt, das einmal unter städtischer Flagge segelte. Heute ist die Stadt Goslar noch mit bis zu 8000 Euro Verlustabdeckung dabei – und sichert damit ein Fest ab, das vielen Menschen auch in diesem Jahr wieder Abende und Nächte für Hirnsport und Humor, Geselligkeit und Glücksmomente bescherte. Am Ende wünschte Bartuschka ganz im Sinne des Hausherrn „viel Kulturkraft und ‘ne Menge guter Energie“.

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