Den Zuhörern der zehn Konzerte in Goslar geht das Herz auf
Ein erfolgreicher Soloabend der 38. Internationalen Goslarer Klaviertage geht zu Ende. Foto: Privat
Nach den Internationalen Klaviertagen ist vor den Internationalen Klaviertagen: 2027 wird die beliebte Reihe zum 39. Mal in Goslar veranstaltet. So war das 38. Mal.
Goslar. „Die Klaviertage haben sich in allen Konzerten in die Herzen der Zuhörer spielen können“, zieht Angelika Klaas-von Birckhahn ihr persönliches Resümee der 38. Internationalen Goslarer Klaviertage 2026, die zehn Konzerte an zehn Tagen zu bieten hatten.
Als „beste Empfehlung des Jahres“ habe ein Konzertbesucher das Abschlusskonzert der Goslarer Klaviertage in der Kaiserpfalz mit den drei exzellenten jungen Pianistinnen und der bestens aufgestellten TfN-Philharmonie Hildesheim unter Sergei Kiselev bezeichnet (die GZ berichtete). Rund 730 Besucher allein in Goslar konnten sich von der musikalischen Qualität des renommierten Klavier-Meisterkurses von Prof. Rudolf Meister aus Mannheim überzeugen. „Ihr spielt voll schön! Wann kommt ihr wieder?“, fragten die Schüler in den Schulkonzerten.
Impressionen aus Schulkonzerten
Margarita Dmitrashina aus Mannheim und Astri Aareskjold aus Stockholm hatten in der Goetheschule durch ihre sympathische und zugewandte Ausstrahlung im Nu ganz viele junge Fans. Für Schumanns Davidsbündlertänze bekamen die Kinder die Aufgabe, gut zuzuhören und die Musik nachher mit eigenen Worten zu beschreiben. Schon beim Zuhören spiegelte sich der Charakter der Stücke in den Gesichtern der Kinder wider: Viele lauschten ganz gebannt, andere gingen mit dem ganzen Körper mit oder spielten mit den Fingern „Luft-Klavier“. Im Anschluss kamen – aus dem musikalisch erstaunlich fachkundigen jungen Publikum – viele Eindrücke: „Das klingt aufregend und schnell, als ob es jemand eilig hat“ – „wie ein starkes Gewitter“ – „wie wilde Esel“ – und bei den langsamen Sätzen: „wie ein trauriges Herz“, „der traurige Junge“- „wie Hoffnung, nachdem man vorher enttäuscht wurde“.
Astri zauberte mit „Feuerwerklein“ (2012) von Heinz Holliger einen wahren Funkenzauber aus dem schönen alten Grotrian-Steinweg Flügel hervor. Die anschließende Haydn-Sonate klang für die junge Zuhörerschar „wie ein Tanz durch den Raum“. Langanhaltenden Applaus bekam zum Schluss auch das musikalisch sehr intensiv gestaltete Präludium von Rachmaninoff. Die abschließende Fragerunde zeigte ein bemerkenswertes Interesse der Kinder: „Wie seid ihr zum Klavier gekommen? – Wie lange habt ihr gelernt, um das auswendig zu spielen? – Macht ihr das freiwillig? – Wieviel Geld verdient ihr damit? Spontan gab es viele herzliche Umarmungen mit den jungen Pianistinnen und großes Bedauern, dass man sich erst in einem Jahr wiedersehen wird.
Das gleiche Programm beeindruckte in der Realschule Goldene Aue eine 8. und eine 10. Klasse auf ähnliche Weise, nur waren die Reaktionen nicht so impulsiv wie bei den Grundschulkindern. Gefragt wurde ebenfalls nach den Verdienstmöglichkeiten und wie die jungen Künstlerinnen ausgerechnet zum Klavier gekommen sind. Eine besonders schöne Frage kam von einer Schülerin aus dem 8. Jahrgang: „Fühlt ihr das, was ihr spielt?“ Antwort: „Ja! In Vorspielen ist es manchmal schwierig, aber wenn wir für uns oder aus Spaß spielen auf jeden Fall!“
Russische Romantik im Seniorenkonzert
Ein außergewöhnliches Konzert mit selten gespielten Klavierwerken konnten Besucher und Bewohner des Schwiecheldthauses erleben: Kanon Teramachi aus Japan spielte neben der Toccata D-Dur von J.S. Bach auch zwei Werke von Akira Ifukube (bekannt für seine Filmmusik unter anderem für Godzilla) aus seiner berühmten Piano Suite: Bon-Odori (Nächtlicher Tanz des Bon-Festivals) und Tanabafa (Sternenfest). Mit drei ausdrucksstarken romantischen Werken der russischen Komponisten Medtner, Blumenfeld und Rachmaninoff beeindruckte Hans-Jörg Knaust die Zuhörer; ein spannendes Programm, das auch im 1. Abschlusskonzert der Teilnehmer im Ratsgymnasium zu hören war.
Uraufführung eines 16-Jährigen
Der Soloabend der Teilnehmer in der Aula des Ratsgymnasiums hätte wohl mehr Zuhörer verdient. Die Stimmung beim Vortrag von Werken von Bach bis zur Uraufführung von zwei zeitgenössischen Charakterstücken des erst 16-jährigen Pianisten und Komponisten Alexander Münkel beeinträchtigte das aber nicht: Alle vier Künstlerinnen und Künstler konnten noch einmal eindrucksvoll demonstrieren, welche Ratschläge und Anregungen ihnen von ihrem Professor für ihre ausgewählten Werke mit auf den Weg gegeben wurden.
Ausblick und Ideen für die Zukunft
Die vielen positiven und auch emotionalen Reaktionen aus den Schulkonzerten über Seniorenkonzerte bis zum Abschlusskonzert in der Kaiserpfalz zeigen, wie sehr Musik die Menschen – ob groß oder klein, alt oder jung – berühren kann. Auch den sympathischen Helfern und Helferinnen aus dem Ratsgymnasium hat die Arbeit für das Festival so viel Freude gemacht, dass einige von ihnen im nächsten Jahr wieder mit dabei sein wollen. Ideen für neue Formate gibt es auch – von Astri aus Schweden: ein Klavier in der Fußgängerzone oder an einem ungewöhnlichen Aufführungsort und ein Klassik-Konzert in der Natur. Die Veranstalter seien da offen, versicherte Klaas-von Birckhahn; alle freuten sich auf die 39. Auflage der Goslarer Klaviertage im Jahr 2027. red
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