Die Goslarer „Kaiserworth“-Sanierung und zwei neue Tessner-Köpfe
Erweiterte Führungsebene (v.l.): Geschäftsführer Holger Holste und Ehrenbürger Hans-Joachim Tessner bekommen Unterstützung von Antje Röttcher in der Stiftungsleitung und Ralf Bauderer an der Spitze der Tessner-Gruppe. Foto: Heine
Wie steht es um „Kaiserworth“ und „Brusttuch“? Drei Monate nach Kauf stellt Unternehmer Hans-Joachim Tessner den aktuellen Sachstand zur Sanierung vor. Mit Ralf Bauderer und Antje Röttcher gibt es zudem neues Führungspersonal in Gruppe und Stiftung.
Goslar. Zwei neue Köpfe und ein millionenschweres Vorhaben, das die Goslarer mindestens emotional wohl wie kein zweites bewegt: Unternehmer und Ehrenbürger Hans-Joachim Tessner hat am Montag mit Antje Röttcher und Ralf Bauderer ein Duo vorgestellt, das künftig in Tessner-Stiftung und Tessner-Gruppe die Richtung (mit-)bestimmt. Und es gibt erste Aussagen, wie es mit den beiden Altstadt-Traditionshotels „Kaiserworth“ und „Brusttuch“ weitergeht.
Die Häuser zuerst: Bei den zeitlichen Erwartungen gilt es, ein wenig auf die Bremse zu treten. Als Tessner, am 6. März 81 Jahre alt geworden, die beiden Häuser fünf Tage vor Heiligabend aus dem Besitz des Berliner Immobilien-Kaufmanns Ioannis Moraitis für seine Stiftung erworben hatte, waren innerhalb weniger Tage viele Entscheidungen zu treffen. Nach den ersten Bestandsaufnahmen und dem Aus- und Aufräumen der Hotels zeigt sich laut Tessner jetzt, dass die seinerzeit genannten 15 Monate für die Sanierung eine sehr optimistisch taxierte Zahl waren.
Neuer Zielwert: Die Sanierung der „Kaiserworth“ wird wohl doch etwas länger als zunächst erhofft dauern. Foto: Heine
Inzwischen gilt Ende Februar 2027 als ein realistischer Termin für die Wiedereröffnung, wobei die „Kaiserworth“ in der Priorisierung vorn steht – dann aber „spätestens“, wie der Ehrenbürger am Montag sogleich nachschiebt, als das Zeitfenster im Gespräch eingekreist wird. Momentan seien aber eben noch Basisarbeiten zu erledigen. In den nächsten Wochen und Monaten liegt der Ball bei den Planern und Architekten. Es soll aber „baldmöglichst“ auch mit Arbeiten in den Hotels losgehen – voraussichtlich im Spätsommer oder Herbst.
Von Stöbich zu Tessner
Wie es um die „Kaiserworth“ und das „Brusttuch“ bestellt ist und wie es dort ausgesehen hat und noch aussieht, weiß derweil wohl niemand besser als Antje Röttcher (59). Sie ist seit Jahresbeginn in der Geschäftsleitung für die Tessner-Stiftung tätig und kann sich auf ein großes Goslarer Netzwerk stützen. Zuvor war die Goslarerin 16 Jahre lang bei Stöbich Brandschutz für den Ausbau der internationalen Vertriebstätigkeiten und der Realisierung von Bauprojekten „mit Liebe zu produkttechnischen und strategischen Lösungen“ zuständig. Warum wechselt sie Branche und Arbeitgeber? „Es ist der Reiz, völlig neues Terrain zu betreten“, sagt sie, „das Angebot von Herrn Tessner hat eine enorme Neugierde in mir geweckt“. Sie selbst schätzt sich als kommunikationsstarke Person ein, die Menschen möge und immer zielorientiert arbeite.
Mit „Kaiserworth“ und „Brusttuch“ hat sie in ihrer Heimatstadt Aufgaben bekommen, bei deren Erledigung ihr gefühlt gleich ganz Goslar auf die Finger schaut. Das Räumen der Gebäude sei bislang schon eine Art Abenteuer für sich gewesen. Sehr früh im Planungsprozess habe sie auch schon die Stadt Goslar und das Landesamt für Denkmalpflege an die Seite genommen. Es gibt bald erste sichtbare Arbeiten, wenn die sechs noch am Gebäude vorhandenen Worth-Kaiser von der „Kaiserworth“ genommen werden und wie die beiden bis dato im Hausinnern ruhenden Majestäten quasi auf eine Kaiser-Kur geschickt werden. Und für Teile des sichergestellten Inventars ist für die Zukunft eine Auktion geplant (ausführlicher Bericht folgt). Neben den beiden Hotels nicht zu vergessen: Röttcher soll die Stiftungsidee mit Blick auf zu unterstützende Projekte fortführen, den Fundus an Kaiserringträger-Werken in die Stiftung überführen und ihn gemeinsam mit Mönchehaus, Kunstberater und Familie betreuen sowie in diesem Jahr ein gemeinsames Projekt mit der Bürgerstiftung planen, das am 21. und 22. Juni den Doppelgeburtstag von 25 Jahre Bürger- und 35 Jahre Tessner-Stiftung würdigt: ein Festakt in der Pfalz und eine zweitägige Feier für Goslarer und Gäste.
Von Jägermeister nach Goslar
Vielleicht nicht ganz so außenwirksam, aber deswegen nicht weniger wichtig ist der neue Wirkungsbereich von Ralf Bauderer (57). Der gebürtige Bayer, der Bankkaufmann gelernt und Betriebswirtschaft studiert hat, ist vor 23 Jahren in den Norden gewechselt und hat in Wolfenbüttel seit zwei Jahrzehnten mit der Solvia Vermögensverwaltung das sogenannte Family-Office der fünften und sechsten Generation der Unternehmerfamilie Mast (Jägermeister) geführt. Gemeinsam mit Florian Rehm, dem Hauptgesellschafter der Mast-Jägermeister SE, hatte er Solvia ins Leben gerufen und ausgebaut. Davor war Bauderer für die Fürst Thurn und Taxis Gesamtverwaltung tätig. Ende 2024 hat er in Wolfenbüttel aufgehört und am 1. Februar in Goslar angefangen.
In Goslar ist er an der Seite von Holger Holste (57) als weiterer Geschäftsführer für die Tessner-Holding tätig. Beide teilen sich die Geschäftsfelder und Zuständigkeiten untereinander auf. Der Goslarer Holste, seit 27 Jahren für Tessner tätig, behält unter anderem die Federführung fürs Pfalzquartier. Nach dem Deal mit dem österreichischen Möbelriesen „XXXLutz“ habe sich die Gruppe von einem Teil der Handelsaktivitäten getrennt, erläutert Tessner. Es gehe darum, vorhandene Geschäftsfelder in der Gruppe auszubauen und neue zu bestellen. Pfalzquartier sowie „Kaiserworth“ und „Brusttuch“ zeigten schon allein in Goslar, welchen großen Herausforderungen die Gruppe sich bei Immobilien-Vorhaben stelle. In Essen werde zudem eine neue Verwaltung für die Mea-Küchenfachmärkte und für eine von zwei „TeWo“-Gesellschaften (Tessner-Wohnen) gebaut, die aus angemieteten Räumen in den Eigenbestand ziehen wollen.
Vier-Augen-Prinzip
„Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, die Holding-Geschäftsführung zu erweitern“, sagt Tessner und verweist auf das Vier-Augen-Prinzip. „Ich bin nicht mehr 20“, erklärt er den Schritt. Mit dem Duo Holste, der stets „erstklassige Arbeit“ geleistet habe, und Bauderer will er weiter wie gewohnt in der Erfolgsspur bleiben. „Ich bin froh, einen derart erfahrenen und erprobten Mitarbeiter bekommen zu haben“, führt Tessner Bauderer in Goslar ein. Eine Stadt, von der Bauderer sagt, dass sie „wunderschön ist und bald noch schöner wird“. Klar: Pfalzquartier und die beiden Tessner-Hotels sollen in den nächsten Jahren ihren Beitrag dazu leisten.