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Streit um Schulgrenzen

GZ Plus IconWas die Goslarer Goetheschule fordert — und wie es weitergeht

Historisches gelbes Backsteingebäude mit spitzbogigen Fenstern hinter einem schwarzen Metallzaun

Die Goetheschule an der Kornstraße leidet unter massiven Platzproblemen. Foto: Roß

Schulgrenzen, Ausbau, Ganztag: Die Goetheschule macht deutlich, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt. Wie stehen Politik und Verwaltung dazu?

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Von Hendrik Roß
Samstag, 14.03.2026, 16:00 Uhr

Goslar. Die Goetheschule hat ein Statement gesetzt und den Verwaltungsträgern in Verwaltung und Politik klar gemacht, wie sie sich die Zukunft an ihrem Standort an der Kornstraße vorstellt. Bei einer Info-Veranstaltung in der Schulaula kamen Lehrer, Sozialpädagogen, Eltern und Schüler zu Wort und konkrete Forderungen auf den Tisch.

Worum geht es?

Die Goetheschule stand in den vergangenen Monaten im Zentrum eines politischen Streits um Goslarer Schulgrenzen.

Mehrere Personen sitzen an Tischen in einem hellen Raum und blicken in Richtung eines Sprechers oder einer Präsentation

Starker Standort: Die Verantwortlichen der Goetheschule haben Vertreter von Verwaltung und Politik zum Infoabend eingeladen. Foto: Roß

Eine Ratsmehrheit aus den Fraktionen von CDU, Grüne Partei 42, Linke, AfD sowie den fraktionslosen Henning Wehrmann (Bürgerliste) und Niklas Prause hatte eine Auflösung der Schulgrenzen zwischen Worth-, Schiller, und Jürgenohlschule beschlossen, obwohl weder Schulleitungen noch Elternvertreter hinter diesem Schritt standen.

In einem ersten Schritt wurden rückwirkend zu Beginn des Jahres die Grenzen schon einmal verschoben. Ab wann der Einheitsbezirk eingeführt werden soll, ist noch völlig offen. Der Vorschlag, das Schuljahr 2028/29 als Frist festzulegen, fand im Rat keine Mehrheit.

Die Antragsteller hatten zum einen den freien Elternwillen betont, der durch die Auflösung der drei Schulbezirke mehr zur Geltung kommen könne. Außerdem gehe es ihnen um eine die Stärkung des Grundschulstandorts in der Altstadt, bei prognostiziert sinkenden Schülerzahlen in Goslar.

Über Ausbaupläne der aus allen Nähten platzenden Goetheschule wurde ebenfalls viel diskutiert, etwa über einen Neubau auf dem benachbarten Parkplatz Bolzenstraße.

Zuletzt zeichnete sich eine andere Lösung ab. Die Sporthalle am Kulturmarktplatz soll für mehr als vier Millionen Euro saniert und in Zukunft von den Goetheschülern genutzt werden. In die Sporthalle direkt an der Schule sollen die Mensa und ein weiterer Multifunktionsraum ziehen. Noch ist unklar, ob die Stadt mit Fördermitteln für die Sporthallensanierung rechnen kann. Eine Entscheidung werde es wohl frühestens Ostern geben, hieß es.

Was möchte die Goetheschule?

Die Forderungen von Schülern, Eltern und Lehrern der Goetheschule lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: mehr Platz. Für den Unterricht, für die Ganztagsbetreuung, auf dem Pausenhof: An allen Ecken der Schule mangele es an Räumen. Neben der Sporthallensanierung am Kulturmarktplatz sowie dem Umbau der alten Sporthalle in Mensa und Multifunktionsraum plädierte Rektorin Nicole Wagener für einen Ausbau im Bestand.

„Unsere starken Träume“ nannte sie die Vorschläge: Die Schule bleibt bei einer Zweieinhalbzügigkeit, also einem Wechsel von zwei und drei Klassen pro Jahrgang, und einer Höchstgrenze von 260 Schülerinnen und Schülern. Dadurch gäbe es bei zehn Klassenräumen ausreichend Platz für Differenzierungsräume, die etwa für den Förderunterricht benötigt werden. Für die Ganztagsbetreuung könnten Trainings- und Ruhebereiche eingerichtet werden sowie ein ansprechendes und besser aufgeteiltes Außengelände.

Ein starker Schulstandort sei nicht anhand der Schülerzahlen erkennbar, bekräftigte Wagener. Es komme auf Qualität an. Schließlich würden Kinder in der Ganztagsbetreuung, auf die es ab August einen gesetzlichen Anspruch gibt, bis zu acht Stunden in der Schule verbringen, also den „Großteil ihrer täglichen Wachzeit“. Wagener und ihr Lehrer-Team hatten sich akribisch auf den Termin vorbereitet, Videointerviews in den Klassen geführt, die die Alltagsprobleme beleuchten: zu kleine Klassenräume, kaum Platz zum Toben in der Freizeit, der Lärmpegel auf dem Pausenhof oder sommerliche Hitze beim Lernen.

Die Reaktionen aus Politik und Rathaus

Als „klares Bekenntnis für den Standort“ wertete Renate Lucksch (SPD) die Ausführungen der Verantwortlichen der Goetheschule. Viel Lob gab es für die konkreten Lösungsansätze, die die Schule in die Diskussion einbrachte.

Doch es bleibt die Frage, ob eine Zweieinhalbzügigkeit und eine Grenze von 260 Schülerinnen und Schülern ausreicht. Müssen nicht doch eher drei Klassen pro Jahrgang her? Rüdiger Wohltmann (Linke) fand es „sehr schwierig“, zu diesem Zeitpunkt darüber zu diskutieren. Das Ziel müsse bleiben, dass Eltern, die in der Altstadt wohnen, auch ihre Kinder in der Altstadt zur Schule schicken können. Der komplette Umbau der Schule müsste auch nicht in einem Zug erfolgen.

Sven Busse, Leiter des städtischen Geschäftsbereichs Bildung, Kultur und Ordnung, warb um „Planungssicherheit“. Mit Um- und Ausbau der Goetheschule solle so bald wie möglich gestartet werden, doch das Gebäudemanagement müsse wissen, wie viele Klassenräume zukünftig gebraucht werden oder wo die Grenze bei den Schülerzahlen liegt. Daran werde das Gesamtkonzept festgemacht. „Wir wissen aber nicht, welche Anträge noch kommen“, sagte Busse mit Blick auf die politisch unsortierten Verhältnisse bei dem Thema. Auf Nachfrage der GZ machte die Stadtverwaltung deutlich, dass sie immer dafür plädiert habe, zunächst die Goetheschule baulich zu optimieren, bevor die Öffnung der Schulgrenzen vollzogen werden kann. Dabei bleibe sie auch.

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