Glasfaser-Pläne im Kreis Goslar stocken: Neue Partnersuche
Aus dem Sockel eines Schaltschranks ragen Glasfaserkabel: Glasfaser gilt für die Datenübertragung als die Technik der Zukunft. Der geplante Ausbau im Landkreis Goslar und auch anderswo stockt allerdings. Foto: picture alliance/dpa
Der Glasfaser-Ausbau in der Region stockt, nachdem der Landkreis Goslar die Kooperation mit der Deutschen Giga-Netz aufgekündigt hat.
Goslar/Harz. Seit der Landkreis Goslar die 2023 geschlossene Kooperation mit der Deutschen Giga-Netz aufgekündigt hat, um den Glasfaserausbau voranzubringen, sucht die Kreisverwaltung nach einem neuen Partner. Die Region droht auf einem wichtigen Zukunftsfeld den Anschluss zu verlieren, wenn es nicht gelingt, eine gute Infrastruktur für schnelles Internet anbieten zu können.
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Bereits jetzt schneidet der Landkreis schwach ab, wenn etwa das Beratungsunternehmen Prognos die Zukunftschancen deutscher Städte und Landkreise bewertet. Der Glasfaserausbau stockt, der gemeinhin als wichtiger Standortfaktor im Wettbewerb um Firmenansiedlungen und Einwohner gilt. 5540 Adressen im Landkreis Goslar verfügen derzeit über einen solchen Anschluss, das sind 12,6 Prozent aller Haushalte.
Fast flächendeckende Versorgung
Dass es in strukturschwachen Regionen auch anders geht, zeigt ein Blick in den benachbarten Harzkreis. Die Pressestelle der Kreisverwaltung in Halberstadt nennt aktuell eine Quote von 48,5 Prozent. Bis 2029 soll die Region sogar „in die Nähe einer flächendeckenden Glasfaserversorgung“ kommen. Möglich wird dies unter anderem mit 23,6 Millionen Euro vom Land Sachsen-Anhalt für 5485 unterversorgte Adressen in Halberstadt, Osterwieck, Harzgerode und Thale, die Ende vorigen Jahres angekündigt wurden. Kürzlich begannen in Langenstein im Harzkreis zumindest symbolisch per Spatenstich die Arbeiten zum Ausbau des Netzes für 3000 Haushalte.
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In Göttingen etwa sind vier Unternehmen aktiv, die den Ausbau forcieren. Laut Mitteilung der Stadtverwaltung will allein die Firma OXG von diesem Jahr an in mehreren Stadtteilen rund 54.000 Haushalte mit Glasfaser versorgen. In der Unistadt liegt die Glasfaserquote nach Auskunft der Stadtverwaltung aktuell bei 16,9 Prozent. In den kommenden Jahren sollen 93,5 Prozent erreicht werden.
Gutes Netz in Schulen und Kliniken
Auch im Landkreis Goslar gibt es Gebiete, die besser an schnelle Datennetze angeschlossen sind. Sudmerberg und Wohngebiete in Seesen gehören unter anderem dazu, wie ein Blick in den Breitbandatlas für Niedersachsen zeigt, der online einen Überblick über die Versorgungslage in den Kommunen gibt. In Sudmerberg und einigen Bereichen Seesens, aber auch in anderen Gebieten liegen demnach Anschlüsse mit mindestens 1000 Megabit, der Maßeinheit für die Geschwindigkeit, mit der Daten digital übertragen werden.
Derweil stattet die Telekom laut einer Mitteilung von Anfang Februar nach der Innenstadt in Goslar Jürgenohl mit Glasfaseranschlüssen aus. In Kürze sollen 2900 weitere Haushalte das Netz mit Geschwindigkeiten bis zu 1000 Megabit nutzen können.

Werbung der Deutschen Giga-Netz in einem Vorgarten in Bad Harzburg. Foto: Stade
Zu den Pluspunkten im Landkreis Goslar zählt außerdem, dass alle Schulen und die Krankenhäuser mit Glasfaser versorgt sind. Dafür gab es ein Förderprojekt des Bundes („Sonderaufruf Schulen und Krankenhäuser“).
Unterdessen führt die Kreisverwaltung in Goslar nach der Trennung von der Deutschen Giga-Netz, die kürzlich ihr Informationsbüro in Bad Harzburg geschlossen hat, Gespräche mit einem anderen Anbieter. Dessen Interesse scheine aber vor allem darin zu liegen, große Mietshäuser mit Glasfaser zu versorgen, heißt es. Die Aussichten für eine flächendeckende Versorgung werden offenbar nicht als allzu gut eingeschätzt. Die Unternehmen suchen sich vorzugsweise gut zu erschließende Gebiete. Ländliche Gegenden, der Oberharz etwa, könnten es da schwerer haben, heißt es.
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Andererseits scheint das Interesse in der Bevölkerung nicht allzu groß, möglicherweise deshalb, weil es bereits Anschlüsse gibt, die auch ohne Glasfaser als ausreichend schnell empfunden werden. Wie die Kreisverwaltung berichtet, hat die Deutsche Giga-Netz jedenfalls ihr Ziel verfehlt, im Landkreis Goslar eine sogenannte „Vorvermarktung“ von 30 Prozent zu erreichen. In dieser Phase wird über kostenlose Vorverträge die grundsätzliche Bereitschaft in der Bevölkerung ausgelotet. Das geringe Interesse sei einer der Gründe dafür gewesen, die Kooperation aufzukündigen, heißt es. Liebenburg und Seesen sind davon indes nicht betroffen, sie hatten den Netzausbau mit anderen Anbietern geplant.
Keine doppelte Förderung
Ein Problem mit Blick auf die künftige Erschließung in der Region besteht darin, dass es für einige Gebiete keine Förderung mehr gibt. Dort, wo im Landkreis Goslar bereits Kupferkabel liegen, die über das sogenannte Vectoring-Verfahren beschleunigt werden und deren Ausbau mit Fördergeld unterstützt wurde, gibt es nach Angaben der Kreisverwaltung keine weitere Förderung mehr, weil schon jetzt gute Datenübertragungs-Geschwindigkeiten erreicht würden. „Gefördert wird nicht das Glasfaserkabel, sondern der Gigabit-Ausbau“, erklärt Landkreissprecher Maximilian Strache dazu.
Man kann die Versorgungslage aber auch anders sehen: Immerhin 60 Prozent der Kupferkabel im Landkreis würden bereits ein Gigabit pro Sekunde (1000 Megabit) erreichen, berichtet Strache weiter. Von immerhin 43.896 Adressen im Landkreis sind nach Angaben der Kreisverwaltung 26.512 gigabitfähig. Das bedeutet, dass grundsätzlich Geschwindigkeiten bis zu 1000 Megabit erreicht werden können.

Vergangene Zeiten: Die Giga-Netz hat in den vergangenen Wochen in Bad Harzburg und anderen Orten des Landkreises für den Glasfaserausbau geworben. Foto: Schlegel
Allgemein aber gilt die Technik mit dem Kupferkabelnetz als veraltet. Glasfaserkabel seien weniger störanfällig und robuster, teilt die Telekom mit. Und das Breitbandzentrum Niedersachsen/Bremen erklärt auf Nachfrage: „Langfristig wird wohl nur die Glasfaser den steigenden technischen Anforderungen unserer Zeit gerecht. Die Technik wird allgemein als zukunftsfähig beschrieben, auch mit Blick auf Anwendungen in Telemedizin und Industrie sowie für die digitale Verwaltung. Und Anbieter Vodafone bezeichnet Streaming-Angebote auf Youtube, Netflix und Amazon Prime als Treiber für einen steigenden Datenverkehr.
Doch vielerorts fehlt das Vertrauen in die Anbieter. Immer wieder wird etwa kolportiert, das Kupfernetz werde abgeschaltet. Firmen werben etwa mit Slogans wie „Deutschland startet die Kupfernetzabschaltung“. Mitunter wird dafür sogar als Datum das Jahr 2030 genannt. Doch das ist falsch, bestätigen die Bundesnetzagentur und das Breitbandzentrum Niedersachsen/Bremen. Und die Kreisverwaltung erklärt dazu, die Bundesregierung wolle das Kupfernetz in den Jahren 2035 bis 2040 abschalten, aber nur dort, wo bereits eine Glasfaserabdeckung von 98 Prozent vorhanden ist. Auch das Breitbandzentrum betont: „Es gibt kein festes Abschaltdatum.“ Es gebe vielmehr einen „schrittweisen Transformationsprozess“.
Ein Armutszeugnis
Kein Wunder jedenfalls, dass ein Leser aus Vienenburg die Kündigung der groß angekündigten Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Giga-Netz als „Armutszeugnis“ empfindet und sich „enttäuscht und wütend“ zeigt, wie er in einer E-Mail schreibt. Viele Menschen seien verunsichert, erklärt der Mann.
Frust gibt es aber nicht nur im Landkreis Goslar. Im Dezember 2025 widmete sich ein Bericht im Wirtschaftsteil dieser Zeitung dem Thema Glasfaser; die Überschrift lautete „Ausbau wird für viele zum Albtraum“. Rund 30 Beschwerden erreichen die Bundesnetzagentur pro Woche, hieß es in dem Bericht. Am häufigsten würden sich Menschen beklagen, dass zwischen Vertragsabschluss und dem Anschluss oft viele Monate liegen würden.
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