Dieser Hengst bringt Harzburg den einzigen Derbysieg in Blau-Gelb
Beim Zieleinlauf im Wiener Derby 1989 liegt Bündheimer knapp vorn, in der Mitte Arakan und dahinter Tempeltanz. Foto: Privat
Zwölf Granitsteine im Bündheimer Schlosspark erinnern an besondere Gestütshengste. Teil 5 der GZ-Serie erzählt von Pferden, die dort ebenfalls einen Platz verdient hätten.
Bad Harzburg. Im Bündheimer Schlosspark erinnern zwölf Granitsteine an jene Hengste, die die Vollblutzucht im Harzburger Gestüt nachhaltig geprägt haben. Der Gestütsexperte Egon Knof erklärte in den vergangenen Teilen der GZ-Serie „Galopp-Legenden“, welche Geschichten sich hinter den Namen verbergen. Im letzten Teil widmet er sich nun denjenigen Pferden, die zwar keinen Gedenkstein erhielten, aber dennoch einen verdient hätten.
Bündheimer erfüllt einen Traum

Jahrzehntelang ziert Bündheimers Großvater Luciano das Logo des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen. Foto: Privat
Zwar hatte das Gestüt Harzburg zuvor bereits vier Sieger im Deutschen Derby gezogen, darunter etwa den Hengst Hymenaeus, dem ebenfalls ein Gedenkstein im Schlosspark gewidmet ist. Doch diese Erfolge waren lange her. Zudem lief keiner von ihnen seinen Sieg im braunschweigisch-herzoglichen Blau-Gelb des Harzburger Gestüts: Sie alle waren zuvor verkauft worden.
Ein Hengst mit dem Namen seines Heimatorts Bündheim sollte diesen Bann 1989 in Wien brechen. Dabei standen seine Chancen nicht wirklich gut. Unter Zockern lag seine Quote für das Derby bei 348 zu 10 D-Mark. Sein Trainer Uwe Stoltefuß hatte laut Knof zu diesem Zeitpunkt bereits die Hoffnung aufgegeben und wollte zu Hause bleiben. Für Gestütsleiter Klotz kam das nicht in Frage. Schließlich hing er an seinem Bündheimer, den Gestütsmeister Gerhard Pannier selbst mit der Flasche aufzog, weil ihn seine Mutter abgestoßen hatte. Er verdiente seiner Meinung nach eine Chance.GZ-Serie „Galopp-Legenden“: Teil 4
Das war „der beste Deckhengst“ des Gestüts in Bündheim
Ganz allein machte sich Klotz also auf die Autofahrt nach Wien und wies dort den jungen Jockey Terrence Hellier ein, der nun sein erstes Derby reiten würde. Und dann begann das Rennen: Im stürmenden Regen galoppierten drei Pferde Kopf an Kopf ins Ziel. Bündheimer hatte mit einem kurzen Kopf Vorsprung den Traum des Gestütsleiters erfüllt und ihm damit gleich noch 280.000 Schilling – also etwa 40.000 D-Mark – eingebracht.
Calveleys Nachkommen punkten im Hindernislauf
Auch Deckhengst Calveley hätte laut Knof einen Platz unter den Gestütslegenden verdient. Er wirkte von 1901 bis 1919 im Gestüt. Tatsächlich erbrachten seine Nachfolger zwar gar keine nennenswerten Erfolge auf der Flachbahn. Im Hindernisrennen hingegen waren seine Töchter und Söhne dem Gestütsexperten zufolge eine Macht.
Darunter etwa der in Harzburg gezogene Wallach Hans, der 1908 den Großen Preis von Karlshorst, eines der größten Jagdrennen, gewann. Der Preis: 35.000 Goldmark, umgerechnet wären das heute etwa 200.000 Euro. Im selben Jahr wurde er als Deutschlands bestes Hindernispferd gekürt. 1909 gewann Hans in Bündheim ein Jagdrennen, das bezeichnenderweise nach seinem Vater Calveley benannt war. „Hans gewann eine Menge der großen Rennen in Karlshorst, hatte unbrechbare Beine und ein großes Herz und hätte noch weiter gewinnen können, wenn er nicht später erblindet wäre“, schrieb der Pferde-Experte Harald Siemen seinerzeit. Nach seiner Karriere auf der Hindernisbahn sei der blinde Hans daher als Kutschpferd eingesetzt worden.GZ-Serie „Galopp-Legenden“: Teil 3
Dieses Pony haben Generationen von Bad Harzburger Kindern geliebt
Nachkommen wie Hans sicherten Calveley achtmal hintereinander von 1907 bis 1914 das Championat der Väter erfolgreicher Hindernispferde. 1905 zierte der Vollblut-Beschäler sogar eine Postkarte, auf der ebenfalls die alte Rennbahn auf der „Großen Wiese“ zu sehen war.
Angviola bringt Sieger hervor

Angviola gilt laut Knof als eine der einflussreichsten Mutterstuten des Harzburger Gestüts. Foto: Privat
Drei ihrer neun Nachkommen brachten ihrem Heimatgestüt auf der Rennbahn und in der Zucht Respekt ein. Der 1964 geborene Amur war im Alter von vier Jahren das beste Pferd in der Schweiz. Abajo kam 1970 zur Welt, gewann sieben Rennen und beendete den Deutschen Derby 1973 auf dem sechsten Platz. Und die 1966 geborene Allenau schenkte dem Gestüt wiederum 1974 die erstklassige Stute Arabelle – eine Luciano-Tochter, die über viele Jahre als die beste Rennstute nach dem Krieg im Braunschweiger Blau-Gelb zählte.
Neue Stele für den Schlosspark
Laut Knof hätten sowohl Bündheimer als auch Calveley und Angviola ebenfalls Gedenksteine im Schlosspark verdient. Dass dieser Wunsch einmal umgesetzt werde, sei allerdings unwahrscheinlich. Die Bad-Harzburg-Stiftung setzte sich indes im vergangenen Jahr dafür ein, die bestehenden Denkmäler von Gestrüpp zu befreien und ihre Inschriften zu erneuern (die GZ berichtete).
Die zwölf Gedenksteine im Bündheimer Schlosspark sind jetzt frei von Gestrüpp und haben leserlichere Inschriften als zuvor. Foto: Raksch
Bald soll am Parkeingang nahe dem Bündheimer Schloss zudem eine Stele auf die Geschichten der zwölf legendären Gestütspferde hinweisen, deren Namen auf den Steinen zu lesen sind, sagt Hans-Jürgen Fleger, Vorsitzender der Bad-Harzburg-Stiftung. Der Text von Egon Knof und die Grafik seien bereits fertig, nur die Witterung, um die Stele aufstellen zu können, habe bisher noch nicht mitgespielt. Doch das werde die Stiftung im Laufe des Frühjahrs nachholen.
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