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Gabriele Stötzer

GZ Plus IconGoslars neue Kaiserringträgerin steht für Freiheit und Verbindung

Zwei Personen sitzen an einem Tisch mit Gläsern, Tassen und einer grünen Flasche, eine Person hebt die Hand.

Gabriele Stötzer (li.) erläutert Miriam Bettin, wie sie sich vor ihrem inneren Auge die Ausstellung im Mönchehaus vorstellt. Foto: Kempfer

Im Oktober wird ihr in der Kaiserpfalz der Kaiserring der Stadt Goslar verliehen: Gabriele Stötzer war jetzt bereits für 24 intensive Stunden in der Stadt und nahm Maß.

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Von Sabine Kempfer
Mittwoch, 04.02.2026, 19:45 Uhr

Goslar. Goslar beherbergte am Dienstag und Mittwoch einen besonderen Gast: Gabriele Stötzer, die im Oktober den Kaiserring entgegen nehmen wird, weilte zum „Antrittsbesuch“ vor Ort und ließ sich ganz auf Goslar ein. Allen, die sie erlebten, bescherte die Begegnung mit ihr ein intensives Erlebnis. „Ich bin nachhaltig beeindruckt von ihr“, sagte Mönchehaus-Direktorin Miriam Bettin und sprach von „24 sehr intensiven Stunden“ für alle Beteiligten.

„Es war ein sehr schöner und persönlicher Austausch mit der designierten Preisträgerin Gabriele Stötzer“, erklärte auch Goslars Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner, die sich nun besonders auf die Preisverleihung in der Kaiserpfalz freut. Ein Ort, an den ein Spaziergang mit Dagmar Mönnecke-Koroma führte, sie musste dieses Mal nicht übersetzen und holte das exklusive Grüppchen am Dienstag in der Dämmerung vom Mönchehaus zum Stadtrundgang ab. „Das Licht macht die Stadt poetisch“, kommentierte Stötzer den Lampenschein.

Ein Gefühl für die Stadt

Erkundet wurden schon einmal die „Spielstätten“ des Kaiserring-Wochenendes, berichtete Bettin; also auch das Große Heilige Kreuz (Kaisermahl) und die Kaiserpfalz (Festakt am 10. Oktober), dadurch habe die Künstlerin, die in flippiger Kunsthose nach Goslar kam, „ein Gefühl für die Stadt“ entwickeln können, in der sie von Oktober an ausstellt. Die Kulisse der Kaiserpfalz beeindruckte die international agierende Thüringerin sehr, die sich „klein wie eine Ameise“ gefühlt habe; der Schwere des Ortes, in dem ganz viel Macht stecke, stehe aber auch die Verbindung zu den vielen weiteren Künstlern gegenüber, die an dieser Stelle bereits mit dem Kaiserring ausgezeichnet wurden.

Ein Kunst-Quartett

Gabriele Stötzer (72) kam nicht allein nach Goslar; bei ihrem ersten Besuch in der Stadt wurde sie unter anderem von Monique Förster begleitet. Die Leiterin des Kunsthauses Erfurt ist, genau wie Stötzer, Mitbegründerin der Künstlerinnengruppe Erfurt (1984). Das Glückskleeblatt wurde komplettiert von Stötzers Berliner Galeristen Friedrich Loock und Christopher Wierling, dem Assistenzkurator der für ab Juni geplanten Stötzer-Retrospektive im Berliner Gropius-Bau, die von Julia Gross kuratiert wird.

Wierling arbeitete seit nahezu einem Jahr mit an der Konzeption. Genau hier setzten auch die Fachgespräche an: Die Ausstellung in Berlin und Goslar sollen sich ergänzen, sich gegenseitig einen Mehrwert bescheren. Stötzer zeichnete vor dem inneren Auge das Bild von einem Baum, dessen Wurzeln in Erfurt liegen (Kunsthaus), dessen Stamm in Berlin stehe (Gropius-Bau) und dessen Früchte, der Kaiserring, in Goslar hängen.

Verbindung und Freiheit

Alles ist miteinander verbunden, ein wichtiges Thema für Stötzer; ein mindestens ebenso wichtiges ist die Freiheit, die ihre Arbeiten in unterschiedlichsten Macharten durchzieht: „Die Themen werden durchdekliniert“, sagte Bettin. Die Vielfalt der Medien ist groß und reicht von der Performance und dem Film über Literatur, Malerei, Textilarbeiten, Zeichnung und Fotografie.

Nach einem Rundgang durch alle Etagen des Mönchehauses am Dienstag entwickelte Stötzer, die einige Handyaufnahmen vom Inneren des Fachwerkbaus machte, im Gespräch mit Bettin am Mittwoch bereits Grundzüge einer Ausstellung, die für sie eine „Seele“ haben muss und sich über das gesamte Haus erstrecken kann. Traditionell bleibt das Dachgeschoss für die parallele Ausstellung des Stipendiaten oder der Stipendiatin reserviert.

Goslarer Geselligkeit

Gruppe von zehn Personen in einem Raum mit Holzboden und weißen Wänden, links ein Tisch mit Wasserflaschen und Gläsern.

Ein erstes Abendessen mit Stadtspitze und Kunstverein: Miriam Bettin (Mitte) mit (v.li.) Friedrich Loock, Marvin Voges, Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner, Michel Schreyeck und Anke Tessner-Schreyeck, Miriam Bettin, Monique Förster, Sven Busse und Christopher Wierling. Foto: Privat

Am Abend zuvor hatte es ein gemeinsames Abendessen in der „Alten Münze“ gegeben, in dem unter anderem Teile des Kunstvereins-Vorstands und Vertreter der Stadt die Gelegenheit zum Kennenlernen nutzten. Auch zum Lunch im „Atelier für alle“ gab es gute Gespräche, an denen unter anderem auch der Ehrenvorsitzende des Vereins zur Förderung moderner Kunst, Hans-Joachim Tessner, und seine Frau Helga teilnahmen. „Sie hat auch viel über sich und ihren Werdegang erzählt, über politischen Aktivismus und Widerstand“ (Stötzer war als junge Frau ein Jahr im DDR-Gefängnis, weil sie eine Unterschriftenliste gegen die Ausweisung von Wolf Biermann angeführt hatte), berichtet Miriam Bettin: „Das war sehr eindrücklich und für alle ein Geschenk.“

Viel Input für die Künstlerin, die Stadt, Museum und Menschen kennenlernte, aber auch schon den ersten Output mit Gedanken zur Ausstellung lieferte – die Reise hat sich gelohnt. Bereits im Zug prägte Monique Förster, zusammen mit Gabriele Stötzer wieder auf dem Weg zurück nach Erfurt, einen schönen Satz: „Wir sind noch ganz erfüllt.“

So erging es auch Miriam Bettin, die im Oktober die erste Kaiserringausstellung unter eigener Regie eröffnen wird; vielleicht die vorerst letzte einer langen Reihe von Premieren der jungen Direktorin. Gegenbesuche in Berlin und Erfurt sind geplant.

Gruppe von sechs Personen in Winterkleidung steht auf gepflastertem Platz vor einer alten Kirche mit gotischen Fenstern.

Eine erste Stadtführung mit Kaiserringträgerin gehört zum Muss – auch, wenn es schon in der Dämmerung ist. Foto: Kempfer

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