Goslarer Freiwilligenagentur: Hier wird Ihnen geholfen
Aus dem Rahmen gefallen? Von wegen: Bei der Freiwillenagentur mit Ulrich Sommer, Leiterin Levke Ermert und Regine Busch (v.l.) kommen Helfer und Hilfesuchende zusammen. Foto: Heine
Die Freiwilligenagentur wird bald 25 Jahre alt und ist auf den Gemeindehof umgezogen. Die GZ erklärt, wer sie nutzt und warum Rentner und Neubürger Klassiker sind.
Goslar. Bald gibt es sie schon 25 Jahre: Ihr Silberjubiläum feiert die Freiwilligenagentur im nächsten Jahr. Ende Januar hat die Einrichtung ihre Passagen-Vergangenheit in Kaiser- und Adlerpassage hinter sich gelassen und ist quasi bei der eigenen Mutter eingezogen. Das Büro ist jetzt auf dem Gemeindehof bei ihrem Träger untergeschlüpft, der Diakonie im Braunschweiger Land gemeinnützige GmbH, berät aber nach wie vor unabhängig und über alle Konfessionen hinweg. Dort geht sie seit dem 2. Februar ihrer selbst überwiegend ehrenamtlich organisierten Arbeit auf einer ähnlich großen Fläche wie zuletzt in der Adlerpassage nach. Während dort aber mehr oder weniger ein großer gestufter Raum das Domizil bildete, gibt es jetzt unterteilte Räume, wo man auch mal die Tür schließen kann. Wo es insgesamt viel heller ist. Und wo noch ein Café und eine Ladenecke im Werden sind.
Was macht eine Freiwilligenagentur?
Der Zuschnitt der Aufgaben klingt klar und einfach. Die Freiwilligenagentur bringt Menschen und Institutionen zusammen. Sie selbst bezeichnet sich als „Vermittlungsbörse für ehrenamtliches Engagement“ und initiiert und begleitet Projekte. Wichtige Grundlage ist ein gutes Netzwerk zu sozialen Einrichtungen und Initiativen im Goslarer Raum. Soll heißen: Die Agentur vermittelt nicht an Privatpersonen, die beispielsweise Hilfe beim Fegen der Treppe oder beim Einkaufen suchen. Dort wären die Alltagshilfen der richtige Partner. Sie vermittelt ausschließlich an Vereine, Organisationen und Einrichtungen. Und sie vermittelt Menschen, die sich freiwillig und ehrenamtlich eher punktuell und nach Vorlieben und Stärken einbringen wollen, aber eher nicht an einem Dauerposten in einem Verein interessiert sind.
Logo: Die Freiwilligenagentur ist im Jahr 2002 noch in der Kaiserpassage an den Start gegangen und feiert im nächsten Jahr ihr Silberjubiläum. Foto: Heine
Wer benötigt Hilfe?
„Wir vermitteln eher an Einrichtungen und Vereine, die nicht so in der Öffentlichkeit stehen“, verrät Leiterin Levke Ermert. Das Technische Hilfswerk oder die Feuerwehren etwa seien selbst sehr präsent und auch in der Nachwuchsarbeit erfolgreich. Seniorenheime und Schulen seien solche Partner, die gern und oft anklopften. Aktuell sind es 130 Einrichtungen, die 240 Angebote eingestellt hätten.
Welche Hilfen sind gewünscht?
Ein Blick in die Suchanfragen zum Start der Woche zeigt ein breites Sammelsurium. So wünscht sich der Awo-Kreisverband Region Harz Aufsichtspersonen bei Prüfungen, die Kirchengemeinde St. Stephani Helfer fürs Regenbogenfrühstück und den offenen Treff der Menschen aus der Ukraine. Das Migranten-Netzwerk im Landkreis Goslar wirbt für Mitarbeit von Eltern von Schülerinnen ganz allgemein und speziell für ein Mitwirken im „Buchcafé“ der Goslarer Stadtbücherei.Rekordergebnis bei Spendenaktion
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Schulen und Kitas sind häufige Partner. Die Grundschule Hahndorf braucht Unterstützung für Workshops an den Projekttagen am 8./9. April, die Goetheschule bei der Hausaufgabenbetreuung, die Worthschule beim „Fußtaxi“, die Campus-Kita eine Küchenhilfe in der Zeit von 7 bis 7.45 Uhr. Im Mehrgenerationenhaus ind Bad Harzburg besteht Bedarf an einer Lesenbegleitung für Grundschulkinder, und beim Mütterzentrum Immenrode fehlt es an einer Hausaufgabenhilfe für Grundschulklassen. Im sozialen Bereich sind Suchende wie der Tagestreff „Zille“, der DRK-Ortsverband Goslar und die Selbsthilfegruppe Prostatakrebs zu finden. Unter das Stichwort Katastrophenschutz fällt das „Mach-Mit-Haus“ mit Begehr nach Freiwilligen in der Hochwasserhilfe. Die Privilegierte Schützengesellschaft taucht ebenso auf wie die Kontaktstelle Musik oder das Zinnfiguren-Museum. Lebensmittelsortierer sind bei der Goslarer Tafel im Fokus. Senioreneinrichtungen wünschen sich oft allgemeine Hilfe bei der Freizeitgestaltung, aber speziell auch bei Handy- oder Tablet-Problemen der Bewohner wie im Theresienhof. Auch digitales Ehrenamt wird gebraucht: Die Krisenchat gGmbH wünscht Hilfe bei der Online-Beratung, die Little World gUG Sprachpaten für eine Plattform.
Wer bietet seine Hilfe an?
Es gibt tatsächlich zwei Klassiker: Menschen zwischen 60 und 69 Jahren, die in den Ruhestand treten, aber es nicht ganz ruhig haben wollen. Und: Neubürger, die ihren Wohnsitz in Stadt und Landkreis Goslar verlegt haben. In der Agentur selbst sind zwei dieser Exemplare tätig. Regine Busch ist 69 Jahre alt und seit vier Jahren aktiv. Sie wohnt in Braunlage, führt in Goslar die Beratungsgespräche mit Interessierten und vermittelt sie ins freiwillige Engagement. „Zuerst habe ich auf der anderen Seite des Schreibtisches gesessen“, erzählt sie. Sie deckt regelmäßig Öffnungszeiten ab und ist zudem bei der Datenverarbeitung gefragt.Speed-Dating für Vereine
Bei manchen Goslarer Ehrenamtlichen funkt es gleich mehrmals
Ulrich Sommer (73) kann mit Rente und Neubürger dienen. Er ist mit seiner Frau aus Osnabrück via Rheinland vor zwei Jahren in den früheren Fliegerhorst gezogen. Die Wahl fiel auf die Welterbestadt, weil es dem Ehepaar bei einem Urlaub bestens gefallen hatte. „In Goslar lässt es sich leben“, lautete die Devise. In der neuen Wahlheimat wollte sich Sommer eigentlich irgendwo im Kulturbereich engagieren. „Das hat nicht geklappt, jetzt bin ich hier“, hilft er jetzt auch in der Agentur etwa beim Newsletter. Spannend: Seine Auswahl traf Sommer beim Ehrenamt-Speeddating – „eine geniale Geschichte“, bei der er auf einen Schlag um die 80 Angebote sondieren konnte.
Eine kleine Statistik: Im Vorjahr hat die Agentur 80 neue Freiwilligen-Anfragen bekommen. Alle Helfer wurden vermittelt, 60 oder 80 Prozent von ihnen innerhalb von drei Monaten. Zudem gibt es einen Bestand von 54 Springern, die kurzfristig für Einsätze zur Verfügung stehen.
Wer ist die Freiwilligenagentur?
Die Einrichtung steht laut ihrem Leitbild für eine nachhaltig solidarische Gesellschaft in Goslar und Umgebung, die geprägt ist von Menschen, die das öffentliche Leben aktiv mitgestalten und es durch ihre Ideen und Fähigkeiten bereichern. An der Spitze steht seit August 2021 Levke Ermert, die als einzige Angestellte unter lauter Freiwilligen arbeitet und mit Gründungsleiterin Marion Bergholz eine echte Agenturpionierin beerbte. 15 an der Zahl sind es insgesamt, die wie Busch und Sommer im Büro, bei der Beratung und in der der Organisation helfen – etwa beim Ausfüllen. Eigene Projekte bietet die Agentur auch an. Beim Kinder- und Jugendprojekt „Come in“ benötigt sie ebenso durchaus noch Lernpaten für Grundschulkinder mit Migrationshintergrund wie beim Projekt Helfer auf vier Pfoten, die mit ihren Vierbeinern Seniorenbesuche machen. „Bei den Vorlesepaten sind wir ausgebucht“, sagt Ermert. 22 Männer und Frauen sind dort im Topf.Weihnachten im Schuhkarton
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Wie bekommt man Kontakt?
Die Agentur hat eine informative und bestens aufbereitete Homepage, auf der unter www.freiwilligenagentur-goslar.de eigentlich alles Wissenswerte zu erfahren ist. Per Telefon ist sie auf Festnetz unter (05321) 394256 oder mobil unter 0151/57653203 zu erreichen. Die E-Mail-Adresse lautet info@freiwilligenagentur-goslar.de. Das Büro ist geöffnet am Montag und Donnerstag von 10 bis 16 Uhr, am Dienstag und Mittwoch von 10 bis 14 Uhr und am Freitag von 10 bis 13 Uhr.
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